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„Kleine Fluchten“Entspannender Ausflug für Naturfreunde

2 min

Lohmarer Teich-Idylle – unweit der Autobahn

Lohmar – Um etwas Besonderes zu finden, braucht man gar nicht vom Wege abzuschweifen. „Die größte Artenvielfalt findet sich gleich am Wegrand, wo das meiste Licht hinfällt“, sagt Hermann Bothe und zeigt kaum 20 Meter hinter dem Parkplatz schon ins hüfthohe Gras. Da wiegen sich Gilbweiderich und Baldrian, verschiedene Seggen und mannshoher Fingerhut. Mitunter muss Bothe lauter sprechen, wenn über dem Buchenbruch die Maschinen vom Flughafen Köln-Bonn aufsteigen. „Aber das hören Sie nicht mehr, wenn wir vom Hauptweg zu den Teichen abbiegen. Da ist es wie im Urwald. “

Die Wanderung beginnt am Parkplatz an der B 484, rund 300 Meter von der A-3-Abfahrt 31 rechter Hand in Richtung Lohmar gelegen. Auf breitem Schotterweg geht es in östlicher Richtung vorbei an Buchen- und Fichtenwald („mit herrlichen Pilzen“), dann an der ersten Weggabelung rechts dem Schild Rothenbach (Wanderweg A 1) folgend. Nach zwei Kilometern ist der erste der 16 Teiche erreicht: ehemalige Tongruben, die den Rohstoff für das im Mittelalter beliebte Siegburger Steinzeug lieferten. Später erweiterten die Benediktiner der Abtei Michaelsberg die in Terrassen gestaffelte Teichanlage. Hier biegt Bothe auf einem schmalen, beinahe zugewachsenen Pfad ab, und tatsächlich wird es nun urwaldartig. Über hohes Schilf und schwankende Rohrkolben, über Flatter-Binse und Sumpf-Schwertlilie hinweg geht der Blick auf verträumte Wasser, auf denen Seerosen blühen. Kormorane und Graureiher lauern, Blesshühner planschen.

Hermann Bothe zeigt auf Sumpf-Hornklee, Pfeilkraut, Igelkolben, Froschlöffel und den geschützten Königsfarn; begeistert ist er angesichts des seltenen Gagelstrauchs. „Bis etwa 1500 gab der Gagelstrauch als Hopfenersatz dem Bier die Würze. In Jütland wird damit heute noch das Grutbier gebraut.“ Bis hierher ist der Gagelstrauch vom Atlantik vorgedrungen, weiter östlich ist er in NRW nicht mehr anzufinden.

An den Teichen möchte man sich stundenlang verlustieren und in Bothes Buch die botanischen Raritäten nachschlagen. Im Abendlicht kann man danach auf dem 6,5 Kilometer langen Abschnitt des Wanderwegs A 2 weiterwandern, die Zwölfapostelbuchen bewundern und dem Schild BAB/Parkplatz folgend zurück zum Ausgangspunkt gelangen. Da hat einen der Flugzeuglärm dann wieder eingeholt – der über der Idylle vergessen war.