Abo

„Kleine Fluchten“Mal das ganz große Rad drehen

3 min

Die Leppe treibt das Wasserrad des Oehlchenshammers an.

Engelskirchen – Lust auf einen Ausflug, der zu allen Wetterlagen, Generationen und Vorlieben passt? Ab nach Engelskirchen. Es gibt ein Museum, in dem Wasserkraft erklärt wird, nebenan eine Schau über Märchen und Kleider, man kann eine lauschige und nicht zu lange Wanderung machen – und am Ende einem Schmied zusehen. Nach dieser Tour ist man allerdings zu kaputt, noch daran zu denken, dass in Engelskirchen auch das Weihnachtspostamt zu Hause ist.

Also los. „Oelchenshammer“ – das Wort aus den fernen Zeiten, als man noch mit Wasserkraft schmiedete, muss man sich auf der Zunge zergehen lassen – wegen der Aussprache. Das „oe“ muss vorne wie bei „Ötzi“ klingen. Wer das richtig macht, zeigt, dass er über den letzten mit Wasserkraft betriebenen Schmiedehammer im Rheinland am Flüsschen Leppe in Engelskirchen Bescheid weiß.

Schon von weitem hört man (an Vorführtagen) aus dem Fachwerkhaus das Schlagen des Schmiedehammers, der gleichmäßig auf ein glühendes Vierkanteisen niedersaust. Schmied Siggi hat das Stück in der Esse in der Glut vorbereitet. Jetzt dreht er mit langen Zangen den Vierkant unterm Hammer, damit das Werkstück gleichmäßig bearbeitet wird. Aufmunternd schaut er in die Runde – zu den Besuchern hinter der Absperrung und zum Schützjungen, der den Wasserzulauf regelt. Es ist sehr heiß und sehr laut.

Deshalb begibt man sich gern auf den Rundgang durch den Oelchenshammer in kühlere Gefilde: Etwas oberhalb der Schmiede blickt man auf den angestauten See. Da lädt eine Bank zum Blick über das Gelände und zum Picknick ein. Weiter unten fließt die Leppe, die schon vor über 200 Jahren die Wasserräder für den Betrieb der Schmiedehammer, Knochen- und Lumpenreißmühlen antrieb.

Heute kann man das nur noch am Oelchenshammer erleben: Mit dem Schieber öffnet der Schützjunge das Wehr vor dem Teich. Das Wasser schießt über das Wasserrad, das das Hammerwerk in Gang setzt. Gewaltige Kräfte sind am Werk, wenn sich das Antriebslager mit dem dicken Rundholz dreht und der schwere Schmiedehammer auf den Amboss niedersaust. 1787 wurde der Oelchenshammer in Betrieb genommen, schmiedete Bänder für Öl- und Weinfässer und Stangen für die Werkzeugindustrie, später auch bruchfesten und elastischen Stahl für Äxte, Sägen und Messer.

Ab 1947 stand er still, bis er in den 60er Jahren als Denkmal wieder aufgebaut wurde. Der Oelchenshammer bildet im Verbund mit dem Industriemuseum in der Spinnerei von Ermen & Engels den „Schauplatz Engelskirchen“.

Die Kombination beider Museen ist lohnend – vor allem, wenn wie an diesem Sonntag, 12. August, der Oelchenshammer nachmittags in Betrieb ist.