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Beeren und PilzeWas im Spätsommer im Wald zu holen ist

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Ein Waldspaziergang kann sehr verführerisch sein. An den ausladenden Ästen der Brombeere locken die reifen Früchte. Aus den Holunderbeeren, die so üppig am Waldrand von den Sträuchern hängen, lässt sich ein leckerer Saft machen. Auch Pilze sind zu finden. Keine Frage, im Wald gibt es jetzt einiges zu holen. Doch wann ist das Ernten erlaubt?

„Das ist eigentlich ganz einfach“, sagt Michael Blaschke, vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW. „Es gilt die so genannte Handstraußregel.“ Demnach kann im Wald alles gepflückt und mitgenommen werden, was in eine Hand passt. „Wenn ich mir zum Beispiel eine Pilzpfanne machen oder aus Beeren Marmelade kochen möchte“, erklärt Blaschke. Diese Regelung gilt sowohl für staatliche als auch private Wälder. „Überall dort, wo kein Naturschutzgebiet ist oder der Wald eingezäunt ist, darf er zum Sammeln betreten werden.“ Bedenken hat der Waldfachmann allerdings, wenn verstärkt die Pilzsucher unterwegs sind und diese sich nicht an die Regeln halten. „Wir haben viele Wälder, die durch Orkane und Stürme noch gesperrt sind. Das Betreten dieser Gebiete ist lebensgefährlich.“

Holunder

Im Frühjahr sind es die Blüten des Holunder (Sambucus nigra), jetzt im Spätsommer die schwarzen Beeren, die geerntet werden können. Klassischerweise werden sie zu Fliederbeerensuppe verarbeitet: mit Wasser, Zucker und Gewürzen wie Nelken gekocht und mit gedünsteten Apfelschnitzen serviert. Holundersaft lässt sich gut einfrieren: Aufgetaut, erhitzt und gesüßt hilft er im Winter bei Erkältungen.

Vogelbeere

Die leuchtend orangefarbenen Früchte der Vogelbeere oder auch Ebereschen (Sorbus aucuparia) sind essbar – anders als vermutet ist die Farbe nicht als Warnung zu verstehen. Die Beeren sind zwar bitter, aber nicht giftig und sollen viel Vitamin C enthalten. Wer sie verarbeiten will, etwa zu Kompott oder Gelee, kann sie unter andere, süße Früchte wie Birnen mischen. Geerntet wird bis in den November hinein.

Himbeeren

Die Früchte der Himbeere (Rubus idaeus) finden sich an sommergrünen Scheinsträucher. Scheinstrauch deshalb, weil sich die aufrechten Sprossachsen alljährlich aus dem überwinternden Wurzelstock neu bilden. Die Himbeere findet sich als Waldpionier häufig auf Kahlflächen. Sie bevorzugt sonnige bis halbschattige Lagen an Waldlichtungen und Waldrändern mit hoher Luftfeuchtigkeit sowie kühlen Sommertemperaturen. Die roten Früchte reifen ab Juni bis in den September hinein und lassen sich dann ganz einfach pflücken. Himbeeren schmecken roh lecker, können aber auch zur Verfeinerung von Süßspeisen oder Marmeladen verwendet werden.

Schlehen

Etwas für Liebhaber sind die Früchte des sehr dornenreichen Schlehdorns (Prunus spinosa), der an Weg- und Waldrändern wächst aber auch an felsigen Hängen zu finden ist. Die dunklen Früchte, die an kleine Pflaumen erinnern, reifen ab Oktober. Sie sind sehr sauer und herb und werden erst nach den ersten Nachtfrösten schmackhafter. Werden sie vorher gepflückt, sollten sie vor der Verarbeitung zu Saft, Schnaps, Likör, Sirup oder Gelee für ein bis zwei Stunden ins Gefrierfach gelegt werde. Zusammen mit reifen Birnen lassen sich Schlehen im Dampfentsafter entsaften, eindicken und zu Schlehendicksaft verarbeiten. Mit Wasser verdünnt ein leckeres und gesundes Getränk.

Hagebutten

Vor allem die roten Früchte der Kartoffelrose (Rosa rugosa) lohnen sich zu sammeln: Sie sind groß und rund, das Fruchtfleisch ist saftig und schmeckt süß. Auch die länglichen Hagebutten der Hundsrose (Rosa canina) sind essbar. Die Früchte werden gekocht und zum Entkernen durch ein Sieb gestrichen. Aus dem Mark lässt sich zum Beispiel eine süße Sauce herstellen, aber auch eine Suppe mit Rotwein und Zimt.

Nüsse

Walnüsse und Haselnüsse sind heute eher in Hausgärten zu finden. Bis in den Oktober hinein lassen sich aber zum Beispiel Bucheckern (Fagus sylvatica) sammeln. Gut trocknen, dann schälen. Sie schmecken auch geröstet, die Hitze zerstört die Oxalsäure, die die Eckern enthalten. Sie können in Kuchen oder Plätzchen verwendet werden. Esskastanien (Castanea sativa, im Bild) werden ab Oktober reif, sie werden zum Beispiel geröstet als Maronen gegessen, lassen sich gekocht aber auch zu Mus verarbeiten.

Mispeln

Mispeln (Mespilus germanica) sind etwas für den späteren Herbst: Nach den ersten starken Frösten werden sie süß und weich. Sie sind auch roh essbar. Die Früchte müsse entkernt werden und ergeben fruchtiges Kompott oder Mus. Als Apfelersatz können sie im Rotkohl mitgekocht werden.

Brombeeren

Wilde Brombeeren (Rubus sectio Rubus) wachsen an stacheligen Sträuchern und sind häufig an Waldrändern und Lichtungen anzutreffen. Der richtige Erntezeitpunkt ist erreicht, wenn sich die Früchte leicht von den Ästen lösen lassen. Sie schmecken säuerlich-aromatisch und sind sehr saftig. Ihr Gehalt an Provitamin A gehört zu den höchsten unter den Beerenfrüchten. Zudem besitzen sie einen hohen Anteil von Vitamin C, Vitamin E sowie viele Mineralien. Brombeeren schmecken roh lecker, können aber auch gut verarbeitet werden: auf Kuchen und Torten, in Muffins, Joghurts, Quarkspeisen, rote Grütze oder zu Saft, Gelee, Marmelade, Likör und Wein.

Pilze

Steinpilze (Bild), Pfifferlinge und Perlpilze – das feuchte Wetter lässt die Pilze spießen. Doch nur wenige der in Deutschland beheimateten 4400 Großpilze sind genießbar, einige sind sogar tödlich giftig. Sammler sollten nur solche Pilze ernten, die sie kennen. Es gibt zahlreiche Bücher, die beim Bestimmen helfen. In einigen Gemeinden werden auch Pilzwanderungen mit erfahrenen Experten angeboten. Wer sich unsicher ist, ob ein Pilz essbar ist oder nicht, kann sich auch bei den örtlichen Pilzexperten Rat holen. Eine Liste dieser Fachleute ist im Internet der Deutschen Gesellschaft für Mykologie zu finden. www.dgfm-ev.de

Weißdorn

Weißdorn (Crataegus) blüht nicht nur im Frühjahr weiß duftend, seine roten Beeren, die jetzt reif sind, lassen sich auch gut weiterverarbeiten. Roh nicht unbedingt ein Genuss, aber gekocht und durch ein Sieb gestrichen bereichert das Mus Saucen, Marmeladen und Gelees. Oder zu Likör verarbeiten.