Abo

Bienen & WespenWenn wieder „Stichtag“ ist

7 min

Viele Leute haben Angst vor Bienen und Wespen.

Zum Sommer gehören Eis, Grillwürstchen und ein kaltes Getränk. Ganz klar. Doch das hat man meistens nicht lange für sich alleine. Denn Sommer ist Insektenzeit. Bienen und Wespen tummeln sich auf Wiesen und Feldern und werden so schnell zum nervenden Beigeschmack eines jeden Picknicks. Die Ruhe ist vorbei und die Parkgemeinde wird in einen Zustand der Nervosität versetzt. Wildes Um-Sich-Schlagen und hektisches Davon-Rennen prägen das Landschaftsbild. Denn keiner weiß so richtig, sich zu wehren. Was hilft, um nicht gestochen zu werden, was hilft wenn es doch passiert und wie sich eine allergische Reaktion äußert, haben wir mit zwei Experten besprochen.

Bienen und Wespen werden durch den Duft von Süßspeisen angezogen. Beim Picknick im Park sollten deswegen alle Leckereien vor dem Verzehr geprüft und süße Getränke aus durchsichtigen Gläsern getrunken werden, die idealerweise mit Deckel und Strohhalm verschlossen werden können. Doch auch hier ist Vorsicht geboten. In breite Strohhalme kann eine Wespe kriechen.

Sollte sich eine Biene oder Wespe nähern, dieses nicht wegpusten. Das Kohlendioxid im Atem versetzt die Tiere in Panik, da das Gas im Stock als Alarmsignal gilt.

Helle Kleidung kann helfen. Denn bunte Muster wirken für Bienen wie Blumen.

Duftstoffe in Shampoo und Körperlotion können Tiere anziehen. Wem das auffällt, der sollte sein Shampoo wechseln.

Beim Gang über die Wiese besteht die Gefahr auf eine Biene oder Wespe zu treten. Deswegen besser nicht barfuß laufen.

Hat sich eine Biene oder Wespe auf der Haut niedergelassen, nicht zerschlagen, sondern vorsichtig abschütteln. Sonst wird sie aggressiv und könnte zustechen.

Wer in die Nähe eines Wespennests oder eines Bienenstocks gerät, sollte sich langsam und ohne hektische Bewegungen entfernen. Auch sollte nicht wild um sich geschlagen werden. Das könnte als Bedrohung aufgefasst werden. Denn sowohl Bienen als auch Wespen stechen nur, wenn sie sich bedroht fühlen.

Behandlung

Hat eine Biene zugestochen, sollte zunächst der Stachel aus dem Stichkanal entfernt werden. Dieser kann zwar mit der Zeit vom Körper abgestoßen werden, sollte aber mit einer Pinzette entfernt werden. So kann die Wundheilung des Körpers schneller einsetzen. Ein Drücken sollte jedoch vermieden werden, da sich dadurch das Gift schneller verteilt und die Schwellung vergrößert wird. Bei einem Wespenstich ist das nicht nötig.

Anschließend kann die Stichstelle mit einem nassen Tuch oder ein paar Eiswürfeln gekühlt werden. Das führt dazu, dass sich die Blutgefäße zusammenziehen, die Schwellung reduziert und die Wirkung des Giftes eingeschränkt wird. Bei stärkeren Schwellungen kann eine Cortison haltige Salbe helfen, die zwei Mal täglich, morgens und abends, aufgetragen wird. Diese lindert zwar nicht sofort den Juckreiz, sorgt aber dafür, dass die Schwellung schneller zurückgeht.

Speichel kann helfen

Um den Juckreiz zu lindern, kann das Auftragen des eigenen Speichels helfen. „Der Speichel führt durch die Verdunstung auf der Haut zu einem leichten Kühleffekt“, erklärt der Dermatologe Jan Hundgeburth von der Dermatologie Frechen. Stärkerer Juckreiz kann hingegen nur durch das Auftragen kühlender Salben, die Menthol oder andere ätherische Öle enthalten, gelindert werden.

Wem der Juckreiz den Schlaf raubt oder wer empfindlich auf Insektenstiche reagiert, kann auch ein Antiallergikum (in Form von Tabletten) einnehmen. Dieses ist in Apotheken frei verkäuflich und hilft sowohl dabei den Juckreiz zu lindern, als auch die Schwellung zu reduzieren.

Welche Behandlung erfolgen sollte, ist aber auch abhängig von der Stelle an der das Insekt zugestochen hat. „Für Stiche in den Armen, Beinen oder am Rücken gelten die üblichen Behandlungstipps. Wer aber ins Augenlid, in die Lippe oder in den Mund- und Rachenraum gestochen wurde, sollte umgehend einen Arzt aufsuchen. Diese Stiche können zu extremen Schwellungen und so auch zu Luftnot führen und müssen mit Cortison behandelt werden“, so Hundgeburth. Bei Stichen in den Mund- und Rachenraum also in jedem Fall einen Arzt benachrichtigen. Diese führen sowohl bei gesunden Menschen als auch bei Allergikern immer zu einer Verengung der Luftwege, was zum Atemstillstand führen kann. Bis der Arzt eintrifft, ist es in dem Fall ratsam einen Eiswürfel zu lutschen.

Stiche in die Unterschenkel, am Knöchel oder in die Füße, führen fast immer zu einer stärkeren Schwellung. Hier kann ein leichter Druckverband helfen. „Außerdem ist es ratsam den Fuß hochzulegen und möglichst wenig darauf herumzulaufen“, sagt Hundgeburth.

Die allergische Reaktion

„Schwierig wird es dann, wenn eine heftige Reaktion, also eine Überempfindlichkeit auf einen Stich, von einer allergischen Reaktion unterschieden werden soll“, sagt Hundgeburth. Hier sollte die Aufmerksamkeit vor allem auf die akuten Reaktionen des Körpers gelegt werden, die sich innerhalb der ersten viertel- bis halben Stunde nach dem Stich zeigen. Starker Juckreiz und starke Schwellungen können normale Reaktionen sein, treten jedoch in der ersten halben Stunde nach dem Stich Luftnot, Kreislaufbeschwerden oder Ausschlag an anderen Körperstellen auf können das Anzeichen einer Allergie sein.

„Eine allergische Reaktion kann verschiedene Symptome zeigen“, erklärt auch der Allergologe Prof. Thomas Fuchs der Hautklinik der Universitätsmedizin Göttingen. Eine leichte Allergie ist schon daran zu erkennen, dass die lokale Schwellung an der Stichstelle über zwei Tage anhält. Schwerwiegendere Reaktionen reichen von Nesselfieber, über Luftnot bis hin zur Bewusstlosigkeit. Doch keine Angst - es gibt konkrete Anzeichen dafür, Vorsicht walten zu lassen. „Wer ein Kribbeln und Jucken hinter den Ohren, in Handflächen und Fußsohlen oder im After- und Genitalbereich bemerkt, sollte vorsichtig sein. Das können Hinweise darauf sein, dass es zu mehr als einer lokalen Stichreaktion kommt“, erklärt Fuchs. Erste Abhilfe kann dann eine Zwiebelhälfte schaffen, die mit einem Pflaster auf der Stichstelle fixiert wird. Um jedoch einem anaphylaktischen Schock (allergischen Schock) vorzubeugen, sollte umgehend ein Notarzt gerufen werden. Denn ohne sofortige ärztliche Behandlung kann der Schock zum Tod führen.

Typische Anzeichen eines allergischen Schocks sind heftige Kreislaufbeschwerden, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Atemnot. Das kann dazu führen, dass der Blutdruck soweit absinkt, dass der Betroffene das Bewusstsein verliert. Dann muss eine sofortige ärztliche Behandlung mit Notfallmedikamenten (Adrenalin und Cortison) erfolgen.

Um einem erneuten Schock vorzubeugen, ist es besonders wichtig nach der Genesung einen speziell ausgebildeten Allergologen aufzusuchen. Dieser kann mit Hilfe verschiedener Testverfahren herausfinden, gegen welche Art von Insektengift der Körper allergisch reagiert. Denn hier wird zwischen einer Allergie gegen Bienen- und Hummelgift und einer Allergie gegen Wespen- und Hornissengift unterschieden. Der Arzt kann anschließend entsprechende Notfallmedikamente verschreiben. Diese sollten immer dabei sein, um im Fall eines erneuten Stichs eine sofortige Behandlung sicherstellen zu können.

Bei einer sehr schweren Allergie, kann auch eine Hyposensibilisierung sinnvoll sein. „Um der lebensbedrohlichen Situation des allergischen Schocks vorzubeugen, wird dem Patienten über viele Jahre Insektengift  gespritzt. Nur so kann sich der Körper an das Gift gewöhnen und beim nächsten Stich eine normale Reaktion zeigen“, erklärt Fuchs.

Abgesehen von einer schweren allergischen Reaktion, ist Insektengift für den Menschen jedoch nicht gefährlich. Für einen erwachsenen Menschen ohne Allergie stellen auch zehn oder zwanzig Stiche keine Gefahr dar. „Bei Kleinkindern und Säuglingen kann es jedoch bei vielen Stichen zu Kreislaufbeschwerden kommen. Deswegen sollte vorsichtshalber ein Arzt aufgesucht werden“, erklärt Jan Hundgeburth.

Bakterielle Infektion

Neben der lokalen Stichreaktion in Form einer Schwellung und dem damit verbundenen Juckreiz sowie einer allergischen Reaktion, können Insektenstiche aber auch Auslöser für eine bakterielle Infektion sein, die von einem Arzt kontrolliert werden sollte. Anzeichen hierfür sind Reaktionen des Körpers, die sich am Tag nach dem Stich ergeben. „Durch einen Insektenstich können Bakterien übertragen werden, die eine Infektion hervorrufen. Zeigt sich am Tag nach dem Stich eine auffällige Rötung, zum Beispiel des gesamten Unterarms oder zieht sich ein roter Streifen von der Stichstelle zur Achsel, kann ein Antibiotikum erforderlich sein“, erklärt Hundgeburth. Weitere Anzeichen können Fieber oder ein allgemeines Krankheitsgefühl sein.