Herr Winckler, was halten Sie vom Kurzzeitfasten?
Ich sehe das eher kritisch. Es ist auf keinen Fall etwas für jemanden, der 30 Kilogramm Übergewicht hat. Die Maßnahme wäre zu drastisch, der Jo-Jo-Effekt ist dann programmiert.
Wie klappt das Abnehmen besser?
Man muss sich angucken: Woher kommt mein Übergewicht genau? Dabei kann ein tägliches Ernährungsprotokoll helfen. Es macht zwar keinen Spaß, das zu schreiben, aber daraus lässt sich viel erkennen. Wenn sie es aufschreiben, sind viele überrascht, wie viel sie täglich essen.
Abendessen um 18 Uhr, Frühstück um 11 Uhr, dazwischen nichts essen. Macht das Sinn?
Dass man sein Gewicht damit gut halten kann, glaube ich, denn so wird das Insulin heruntergefahren und die Energie aus den Reserven gewonnen. Aber das macht man vielleicht mal für eine gewisse Zeit, das ist doch nichts für die Ewigkeit. Außerdem ist das Frühstück eine wichtige Mahlzeit.
Wieso eigentlich?
Bei meinen Patienten sehe ich, dass ein fehlendes Frühstück oft zu Heißhunger führt. Viele trinken morgens nur einen Kaffee, haben spätestens abends dann richtig Hunger und essen dann immer weiter. Und genau das ist das Problem, mit Heißhunger zu essen. Regelmäßige Mahlzeiten finde ich deshalb sehr wichtig.
Sind Essenspausen nicht sinnvoll?
Doch, denn ständiges Snacken ist ein Faktor, der zu Übergewicht führen kann. Das Kurzzeitfasten erinnert mich an das „Dinner-Cancelling“, also das „Abendessen-ausfallen-lassen“ das vor ein paar Jahren Mode war. Für mich ist das alter Wein in neuen Schläuchen. Wer abnehmen will, muss sich klarmachen, dass es keine neuen Tricks gibt. Letztendlich ist die Kalorienmenge entscheidend.