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Fahrrad-SerieDer Weg ist das Ziel

5 min

Köln – Schwester Agnetha

„Ein irres Gefühl, mit so vielen unterwegs zu sein, die eins eint: Gutes tun.“

Mit 44 Jahren ist Agnetha die dienstälteste Schwester des „Ordens der Perpetuellen Indulgenz“ in Köln. Ein Orden mit einer Geschichte, die bis ins Jahr 1979 und bis in die USA reicht: Nach einer Musical-Aufführung haben sich ein paar findige Amerikaner kurzerhand Schwestern-Ornate ausgeliehen und sind nach San Francisco gefahren.

Die ersten „Sisters“ traten in Erscheinung: Knallbunte Schwestern, mehr als nur schwule Männer im Nonnenfummel. Sie waren politisch aktiv und veranstalteten ungewöhnliche Aktionen. So zog auch im Rheinland die Gemeinschaft Kreise: 1997 wurde der Kölner Ableger des Ordens gegründet. Eines Abends las Schwester Agnetha vom „Aids/LifeCycle“ – eine große Spenden-Fahrrad-Tour zugunsten der San Francisco Aids Stiftung und des Los Angeles Schwulen und Lesben Vereins. Jeder Teilnehmer verpflichtet sich, mindestens 3000 Dollar an Spenden zu sammeln. Der Ehrgeiz der Schwester war geweckt. 2011 fuhr sie das erste Mal mit: Zusammen mit anderen Schwestern und 3000 Radfahrern hat sie 3895 Dollar an Spenden eingenommen. Beim zweiten Mal 2013 war es fast noch mal so viel. „Das ist schon ein irre schönes Gefühl, mit so vielen Leuten unterwegs zu sein, die ein Ziel eint: Gutes zu tun“, sagt sie. Innerhalb einer Woche ist die Ordensschwester von San Francisco nach Los Angeles geradelt, auch über den berühmten Highway Number One. (mg)

Marcellus Putschli

„Zum gelben Cabrio an der Tankstelle in den nächsten zehn Minuten, bitte.“

Zwischen 350 und 500 Kilometer die Woche, das ist das Pensum von Marcellus Putschli. Pakete für Film- und Fernsehfirmen, Probedrucke von und zu Werbeagenturen und Druckereien, Anwalts-, Notar-, Gerichtspost, Laborproben und Medikamente, Lebensmittel, manchmal auch Blumensträuße, Autoschlüssel und Geschenke stecken in der Tasche des Fahrradkuriers – für eine Strecke ab 500 Metern, aber auch mal von 60 Kilometern.

Was als Nebenjob neben dem Studium anfing, ist für den 32-Jährigen mittlerweile zur Vollzeit-Berufung geworden. Zählt man alle gefahrenen Kilometer seiner fünfjährigen Dienstzeit zusammen, hat er zweimal die Erde auf zwei Rädern umrundet. Bei allen Bedingungen und unter allen Umständen draußen zu sein, das ist für Marcellus das beste an dem Job. Und natürlich: Autofahrer zu überholen. Geschmeidig wie ein Fisch im Wasser mit dem Verkehr fließen, immer mit dem Ehrgeiz, die von Kunden eingeplante Zeit für eine Tour zu unterbieten. Gerade in mittleren und großen Städten wie Köln sind Fahrradkuriere häufig wesentlich schneller als Pkw – und deshalb nach wie vor gefragt. Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit ist für Marcellus selbstverständlich. Da spielt es keine Rolle, wie oft er angehupt, beschimpft oder von der Straße abgedrängt wird. Die größte Gefahr: Autofahrer unterschätzen oft seine Wendigkeit und sein Tempo. Während diese maximal einen Blechschaden davontragen, steht für den Kölner Kurier seine Gesundheit auf dem Spiel. Einige seiner Kollegen haben schon schwere Unfälle gehabt, Marcellus selbst noch nicht. Den häufig proklamierten Hass der Radler auf Autofahrer teilt er nicht. Es gibt auch immer wieder Autofahrer, die sich freuen, wenn der Kurier ihr Tempo bis zur nächsten Ampel halten kann. Nicht nur die Leidenschaft am Radfahren, auch Erlebnisse wie jenes vor einigen Jahren lassen Marcellus immer weiter radeln: Da hat er ein Abschiedsgeschenk ausgefahren. Die Zieladresse war allerdings keine postalische Anschrift, sondern „das gelbe Cabrio an der Tankstelle in den nächsten zehn Minuten“. Das Ganze war eine Überraschung für den Adressaten. Dessen Blick bleibt für den Boten bis heute unvergessen. (mg)

Juultje Pots

„Wir waren damals echte Pioniere“

Der Grill samt Grillgut, Bierkisten, der Wocheneinkauf und Kinder natürlich: Juultje Pots und ihr Mann Christian benutzen ihr Lastenrad seit fünf Jahren für alles, was innerhalb der Stadtgrenzen von A nach B zu karren ist . „Wir waren damals echte Pioniere. Wir haben unseren Babboe direkt aus Holland geholt. Das Rad ist wie ein Hund, man kommt schnell ins Gespräch mit anderen Eltern, die auch so eins haben wollen. Inzwischen haben wir schon für ganz viele Freunde das gleiche Modell besorgt“, erzählt Juultje Pots (40), die als in Ehrenfeld lebende Niederländerin über beste Verbindungen ins Herstellerland verfügt. Ihr jetziges Rad ist schon das zweite seiner Art. „Das erste wurde uns gestohlen, aber eine aufmerksame Nachbarin entdeckte es in einer Garage um die Ecke. Ein paar Jugendliche waren gerade dabei, es umzulackieren. Wir haben die Polizei gerufen und es tatsächlich zurückbekommen. Weil wir schon Ersatz hatten, haben wir es dann an Bekannte weitergegeben.“ Neben ihren eigenen Kindern Gilles (4) und Famke (5) steigen auch alle Kindergartenfreunde gerne zu.

So hatte die Radelmama auch keine Mühe, für das Foto spontan Annika, Erik, Gilles und Moritz (v.l.) vom Spielplatz an der Glasstraße ins Rad zu verfrachten. Auch beim Dienstagskarnevalszug in Ehrenfeld ließ das Rad Kinderherzen höher schlagen: Als Piratenschiff verkleidet diente es als Kamelle-Transporter – ein Fahrrad, das Freude bringt. (lio)

Kurt Krause

„Ohne Profi-Bike und verkniffenes Gesicht.“

Der Anti-Diät-Club-Pate Kurt Krause radelt seit acht Jahren mit seiner Ü-50-Herrentruppe, frei nach dem Motto: Fahren ohne Stress und Profi-Bike, dafür mit interessanten Landschaften im Blick. Zahlreiche Touren hat Krause ausgearbeitet. Inzwischen schöpft er aus einem reichhaltigen Fundus. Das schlimmste Erlebnis: „Einmal sind wir im Siegtal in ein Unwetter geraten. Da ist mir das Handy in der Hosentasche so nass geworden, dass ich es anschließend wegwerfen konnte.“ Doch meist gehen die Touren ohne Katastrophen und in gemäßigtem Tempo vonstatten. Die nächste Anti-Diät-Club-Radtour führt er am 24. Mai zum Altenberger Dom. (lio)