Abo

Garten-TippsSo wird ein Apfelbaum gepflanzt

4 min

Ginge es nach dem Volksmund, hätte ich es geschafft: Ich habe ein Haus (um-)gebaut, einen Sohn gezeugt und jetzt auch einen Baum gepflanzt. Zur Ruhe setzen kann ich mich jetzt zwar nicht, aber vielleicht schon im Sommer die ersten Äpfel pflücken. Damit das auch so kommt, habe ich mir von Experten helfen lassen. Oliver Fink, Vorsitzender des Verbandes der Gartenbaumschulen, beriet mich bei der Auswahl des Obstbaumes. Beim Pflanzen unterstützte mich Michael Fuhs, Inhaber einer Baumschule in Alfter. Eins muss ich vorweg sagen: Loch buddeln, Baum rein – ganz so einfach ist es nicht.

Magazin-Mitarbeiter Rainer Nolte hat im vergangenen Jahr über die Umgestaltungspläne und die ersten großen Schritte in seinem Garten berichtet. Seither hat sich noch mehr getan:

Im Herbst entfernte er zunächst die ungleichgewachsene Thuja-Hecke und setzte einen Staketenzaun aus Kastanienholz. Anschließend pflanzte er eine Rotbuchenhecke (wurzelnackte Ware), die das Laub über den Winter behält – sie bietet also selbst dann einen Sichtschutz. Erst im Frühjahr verliert sie die Blätter, wenn die neuen sprießen. Das Pflanzen des Apfelbaumes ist Teil des erstellten Gartenplans von Landschaftsarchitektin Brigitte Röde. Der Baum soll den Blick auf ein angrenzendes Haus verhindern und auch die Sicht der Nachbarn in den Garten und auf die Terrasse reduzieren.

Die Auswahl

1. Welche Obst-Art?

Kirsche, Birne, Pflaume – ganz nach Ihrem Geschmack. In unserem Garten sollte es ein Apfel sein; ein Mirabellenbaum trägt bei uns schon jährlich reichlich Früchte.

2. Welche Sorte?

Für die Wahl der passenden Sorte geht es nicht nur um den Geschmack (süß, sauer, mehlig). Experte Fink, Inhaber der Gartenbaumschule Becker in Bergisch Gladbach, macht mich auf einige Punkte aufmerksam, an die ich gar nicht gedacht habe: Soll der Apfel zum direkten Verzehr, zum Backen oder zum Einkochen sein? Universell einsetzbar sei Elstar oder Topaz. Auch, ob Sie ihn gut und lange lagern wollen, kann entscheidend sein. Hat jemand in der Familie eine Allergie gegen Äpfel, dann können bestimmte Sorten weiterhelfen. „Der Santana ist zum Beispiel sehr gut für empfindliche Personen“, erklärt Oliver Fink. Für private Gärten empfiehlt er zudem robuste Sorten, die auch ohne Verwendung von Pflanzenschutzmitteln zurechtkommen. Dazu zähle beispielsweise der Apfel Pinova. Auf diesen fiel auch unsere Wahl, nachdem ich zuvor im Hofladen diverse Äpfel zum Probieren besorgt hatte.

3. Gibt es den passenden Befruchter?

Der Apfelbaum kann sich nicht selber befruchten. Er ist selbststeril, deswegen benötigt er in der Nähe einen passenden Befruchter. In ländlichen Gebieten ist dies meist kein Problem, weil im Umkreis von bis zu 500 Metern oft viele andere Apfelbäume stehen. Anders kann dies in der Stadt oder in dünn besiedelten Gebieten sein. Um festzustellen, ob sich Bäume für die gegenseitige Befruchtung eignen, gibt es spezielle Tabellen. Bei unseren Nachbarn steht ein Apfel der Sorte Pilot, der mit unserem neuen Pinova kompatibel ist. Falls kein Befruchter in der Nähe steht, braucht man nicht auf einen Apfelbaum zu verzichten, sondern pflanzt einen zweiten dazu – das kann auch ein Zierapfel sein. Es gibt auch Veredlungen, die gleich zwei Sorten an einem Stamm haben. Dabe besteht jedoch die Gefahr, dass im Laufe der Jahre durch falschen Beschnitt und Wuchs eine der Sorten verdrängt wird und der Baum dann keine Früchte entwickeln kann.

4. Wo soll der Baum stehen?

Die sogenannte Unterlage, das Wurzelsystem und ein kurzes Stück des Stammes, muss je nach Bodenbeschaffenheit variiert werden. Der Standort ist auch wichtig für die Form des Baumes, die generell in drei Arten unterteilt wird: Busch (Zweige beginnen bei 50 cm), Halbstamm (bei 100 cm) und Hochstamm (bei 180 cm). Die Wuchshöhe hängt von der Unterlage ab. Wir entscheiden uns für einen Halbstamm, der bis zu fünf Meter groß wird, denn für einen Hochstamm bot der Pflanzort – ein gemauertes, nach unten offenes Becken – nicht genügend Platz; zudem soll der Baum auch einen Sichtschutz erfüllen, der für uns so optimal gegeben sein wird. Beachten Sie auch unbedingt die gesetzlich festgelegten Abstände zur Grundstücksgrenze.

Das Nachbarrechtsgesetz bestimmt ganz genaue Abstände je nach Pflanzenart zur Grundstücksgrenze. Für Obstgehölze auf einer stark wachsenden Unterlage sind es zwei Meter, bei mittelstark 1,50 Meter, bei schwach ein Meter. Mit dem Einverständnis des Nachbarn kann der Abstand auch geringer sein, jedoch sollte dies dann schriftlich festgehalten und gegengezeichnet werden, damit der Nachbar sich nicht nach einigen Jahren umentscheiden kann oder es bei einem Eigentümerwechsel nicht zu Problemen kommt. (ran)