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Römisch in XantenSpeisen auf antike Art

3 min

Römisch in Xanten

Köln – Römisch Essen - das ist für mich als Kölner ja ein bisschen so, als ginge es zu Ururur. . . omma. Heimatküche also. Auch wenn ich für sie in diesem Fall bis an den Niederrhein nach Xanten fahren musste. Dort gibt es nicht nur einen Archäologischen Park, sondern in diesem auch eine Römische Herberge. Hier speist man nahe der Thermen in römisch gestalteten Räumen oder im Kräutergarten. Authentisch rekonstruiert ist dies sehr atmosphärisch, die Illusion einer Zeitreise wird allerdings von den Gästen in Goretexjacken und der ebenfalls nicht römisch gekleideten Bedienung geraubt.

Fünf Vor-, fünf Haupt- und drei Nachspeisen weist die Karte auf, die alle aus "De re coquinaria" stammen, dem ältesten Kochbuch der römischen Antike. Diese Rezepte sind sehr ungenau, was Zubereitung und Mengen betrifft, der Koch hat viel Interpretationsraum. Fragen zur Zubereitung sind also angebracht. Die Bedienung war allerdings nicht nur ausgesucht schroff, sondern auch außergewöhnlich unwissend: "Was ist Numidisches Huhn?" - "Das ist nur so ein Name. Muss ja jedes Gericht einen haben. So wie Wiener Schnitzel." Dass Gerichte Namen haben, die auf eine bestimmte Zubereitungsart hinweisen, war anscheinend unbekannt.

ova apala in pinus liquamine et folia intubacea in liquamine - Gekochte Eier mit Pinienkernsauce und Endiviensalat mit Liquamensauce, 6,90 Euro

lucanicae cum pulte hordeaca lenticulariaque - Lukanische Würstchen an Gersten-Linsen-Gemüse, 10,90 Euro

patina de cucurbita cum ovis caseo - Vegetarischer Kürbisauflauf mit Schafskäse, 12,90 Euro

porculi ofellae ostienses cum boletis - Ferkelbraten auf Ostienser Art mit Pilzen, 14,90 Euro

pullus numidicus cum pulte parrica - Numidisches Huhn mit Lauchgemüse, 14,90 Euro

dulcia cum nucibus et uvis passis - Eine andere Süßspeise mit Nüssen und Rosinen, 4,90 Euro

Das Maggi der Römer

Später starte ich einen weiteren Versuch. "Da sind ja einige ungewöhnliche Gewürze dabei. Wie heißen die denn?" Antwort: "Ja, lauter ungewöhnliche Gewürze. Liquamen zum Beispiel, die anderen weiß ich nicht." Danke, reicht (Liquamen ist eine Fischsauce - und das Maggi der Römer). Die wie alle römischen Gerichte auf Tontellern servierten Lukanischen Würstchen an Gersten-Linsen-Gemüse sind angenehm würzig, wenn auch trocken, die gekochten Eier mit Pinienkernsauce und der Endiviensalat mit Liquamensauce dagegen erstaunlich wenig aromatisch. Deutlich stärker die Hauptgänge: Das Numidische Huhn ist mit Datteln, Honig und Pfeffer zubereitet und zeigt die süßsauer-scharfe Art, die die Römer so liebten. Der mit Lorbeer, Liquamen, Asant (ein nach Knoblauch riechendes Gewürz) und Traubendicksaft gegarte Ferkelbraten auf Ostienser Art ist zart und von angenehmen Würzaromen geprägt. Sparen kann man sich den Vegetarischen Kürbisauflauf mit Schafskäse, der eher dumpf und spannungslos am Gaumen wirkt. Trinken kann man Mulsum, einen römischen Gewürzwein mit Honig. Bei den Desserts dann eine Überraschung. "Eine andere Süßspeise mit Nüssen und Rosinen" ist eine Köstlichkeit mit leichter Schärfe, von der ich gerne drei Kellen mehr genommen hätte.

Alles in allem: Kantinenessen auf römische Art - vielleicht kommt es damit dem damaligen Geschmack nahe. Ein Spitzenkoch wäre vielleicht zu ambitioniert. Wer mag, bekommt hier auch Schnitzel, Flammkuchen und Gulasch. Aber wie sagt das Sprichwort? Wenn du in Rom bist, verhalte dich wie die Römer.

Fazit: Gerichte auf heutigem Kantinenniveau könnten dem römischen Geschmack entsprechen.

Römische Herberge

Archäologischer Park 2, 46509 Xanten, während der Öffnungszeiten des Archäologischen Parks geöffnet, kein Ruhetag, 0 28 01/34 15

www.roemische-herberge.de