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WeinkolumneRote Diva mit Qualität

2 min

Magazin-Sommelière Romana Echensperger

Köln – Die Mitglieder der weit verzweigten Rebsortenfamilie der Burgunder zählen zu den ältesten Traubenarten. Ob Grauburgunder, Chardonnay, Schwarzriesling oder Spätburgunder – es gibt mehr als 100 verschiedene Mutationen der antiken Burgunderrebe. Eine eher unbekannte Spielart ist die Rotweinsorte Frühburgunder, die in den 1960er Jahren aus Deutschland zu verschwinden drohte.

Zwar war die Rebsorte immer schon bekannt für gute Weinqualitäten, aber ebenso haben die Winzer ihre Empfindlichkeiten gefürchtet. Frühburgunder stellt hohe Ansprüche an den Standort, gibt oft geringe Erträge, ist anfällig für Fäulnis und reift zudem drei Wochen früher aus als der Spätburgunder. Die vollreifen, blaufarbigen und süßen Beeren sind dann unwiderstehlich für Wespen und Vögel und müssen mit Netzen geschützt werden.

Der frühen Reife hat der Frühburgunder aber auch seine Charakteristik zu verdanken, nämlich eine fülligere Fruchtaromatik, höhere Mostgewichte und niedrigere Säure als der Spätburgunder. Diese samtig, mundfüllende Art macht den Rotwein so beliebt bei den Weinfreunden. Deshalb und dank verbesserter Anbaumethoden sind heute wieder mehr als 250 Hektar in Deutschland mit dieser Spezialität bestockt.

Auf dem Familienweingut Lorenz, in der Nähe von Bad Kreuznach, ist man besonders stolz auf den Frühburgunder. Sohn Ulrich Lorenz, der mittlerweile die Kellerwirtschaft übernommen hat, baut den Rotwein ganz behutsam in gebrauchten Eichenfässern aus. So rundet er geschickt das samtige Tanningerüst ab, ohne die saftige Frucht mit Holzaromen zu beschweren. Der vollmundige Burgunder läuft dann auch granatrot ins Glas. Das dichtgewobene Bukett verfügt über Aromen von Walderdbeeren, Himbeeren, Unterholz, Wachholder, Liebstöckel, Rauch und Speck. Am Gaumen zeigt sich seidige Tanninstruktur sowie eine saftige Säure, die die Extraktsüße und Frucht ausgleichen. Im Nachhall leuchten noch einmal Aromen von süßen Früchten, Rauchspeck und Liebstöckel auf.

Ein kraftvoller Wein, der sich im Glas ständig weiter entwickelt und damit sein Reifepotenzial verrät. Diesen Rotwein kann man zu geschmorten Wildgerichten mit Pilzen, zur Ente oder einfach zu einem Stück Hartkäse genießen.

2012 Frühburgunder trocken, Weingut Lorenz & Söhne, Nahe, 8,45 Euro

www.lorenzwein.de