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Weniger Wein, mehr AnspruchAachener Weinhändler erklärt, warum Wein 2026 anders gekauft wird

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Freunde stoßen gemeinsam mit Wein an.

Freunde stoßen gemeinsam mit Wein an – bewusster Genuss statt Massenkonsum prägt zunehmend das Kaufverhalten. (Symbolbild)

Der Weinkonsum verändert sich spürbar. Ein Aachener Händler beschreibt, wie sich Nachfrage, Trends und Kaufverhalten aktuell verschieben.

Wer an einem Nachmittag durch die Aachener Pontstraße geht, kommt an einem Weinladen vorbei, der seit Jahrzehnten zum Straßenbild gehört. Drinnen stehen die Flaschen dicht an dicht, vieles wirkt vertraut – und doch hat sich das Geschäft in den vergangenen Jahren spürbar verändert.

„Der Weinabsatz geht seit Jahren zurück, und auch im Frühjahr 2026 setzt sich dieser Trend fort“, sagt Hans-Georg Lesmeister vom Weinhaus Lesmeister. Besonders jüngere Zielgruppen griffen seltener zur Flasche, der Pro-Kopf-Verbrauch sinke.

Weinkonsum 2026: Nachfrage sinkt spürbar

Der Rückgang des Weinkonsums ist kein subjektiver Eindruck einzelner Händler, sondern belegt. Wie der „Deutschlandfunk“ im Januar 2026 berichtete, lag der Pro-Kopf-Verbrauch zuletzt bei 21,5 Litern – rund eine Flasche weniger als im Vorjahr und deutlich unter dem Niveau früherer Jahre. Die Entwicklung bestätigt, was auch im Fachhandel zu beobachten ist: Die Nachfrage sinkt, gleichzeitig verändert sich das Kaufverhalten spürbar.

Außerdem zeigen Daten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, dass Jugendliche und junge Erwachsene in Deutschland seit Jahren deutlich weniger Alkohol trinken. Grundlage sind Langzeitstudien wie „Alkoholkonsum Jugendlicher und junger Erwachsener in Deutschland“, die einen kontinuierlichen Rückgang belegen.

Fast 100 Jahre Erfahrung: Weinhaus Lesmeister in einem veränderten Markt

Ganz verschwunden sind die Käuferinnen und Käufer nicht. Sie kaufen nur anders. „Wein wird bewusster konsumiert: seltener, in kleineren Mengen und gezielter ausgewählt“, sagt Lesmeister. Statt Kisten wandern häufiger einzelne Flaschen über den Tresen, oft für einen konkreten Anlass. Für Weinhändler bedeutet das mittlerweile, sich mehr einfallen lassen zu müssen, als nur einen guten Tropfen zu empfehlen.

Barkeeper gießt Weißwein aus einer Flasche in eine Reihe von Gläsern auf einem Bartresen mit einem unscharfen Restaurant Hintergrund.

Wein wird gezielter ausgewählt – statt Vorratskäufen stehen einzelne Flaschen im Fokus. (Symbolbild)

Für Lesmeister ist das kein Neuland – das Unternehmen steuert auf sein 100-jähriges Bestehen zu. 1928 begann hier alles als kleines Tabakgeschäft, heute führt die Familie den Weinhandel in dritter Generation. Viel hat sich verändert seitdem – und gerade deshalb fallen die aktuellen Entwicklungen besonders auf.

Weinhaus Lesmeister ist Teil eines Marktes im Wandel

„Gerade inhabergeführte Supermärkte sind mittlerweile gut sortiert“, sagt Lesmeister. Der Wettbewerb sei spürbar. Gleichzeitig gebe es aber weiterhin Momente, in denen der Fachhandel gefragt sei: wenn es um Feiern geht, um Geschenke oder um die Frage, welcher Wein zu welchem Essen passt.

Kunden suchen zunehmend nach Orientierung, Inspiration und einem Einkaufserlebnis – nicht nur nach einem Produkt. Zwischen den Regalen wird dann nicht nur gekauft, sondern auch beraten. Gespräche entstehen, Empfehlungen werden abgewogen, manchmal wird eine Flasche wieder zurückgestellt und gegen eine andere getauscht.

Die Auswahl im Weinhaus Lesmeister ist entsprechend groß: Mehr als 700 verschiedene Weine stehen im Sortiment, ergänzt durch Spirituosen und regionale Produkte aus Aachen und Umgebung. Auch ein regionaler Lieferservice gehört dazu und soll den Kundinnen und Kunden im wahrsten Sinne des Wortes entgegenkommen.

Auch Formate wie Verkostungen oder Seminare greifen diese Entwicklung auf. Sie bieten die Möglichkeit, sich intensiver mit Wein zu beschäftigen – ein Angebot, das in einem Markt mit rückläufigem Konsum an Bedeutung gewinnt.

Für den Fachhandel bedeutet das eine klare Verschiebung: weg vom Verkauf großer Mengen hin zu stärkerer Differenzierung und persönlicher Ansprache. „Der Weinmarkt wird kleiner – aber zugleich anspruchsvoller“, fasst Lesmeister die Entwicklung zusammen. (jag)