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GesundheitVerunsichernde Gentests

2 min

Dr. Magnus Heier ist Neurologe und Wissenschaftsautor

Der Hersteller macht gezielt Werbung, schreibt das Deutsche Ärzteblatt – und zwar bei Frauenärzten. Es geht um einen neuen Gentest. Für den Test reicht das Blut der Mutter. Darin sei genug Erbmaterial des Säuglings enthalten, um dessen Gene testen zu können. Konkret geht es vor allem um die Trisomie 21, besser bekannt als Down-Syndrom. Der Test analysiert neben dem Gen Nummer 21 auch die Gene 13 und 18. Wenn diese Gene nicht zweimal (wie normalerweise), sondern aufgrund eines Fehlers in der Teilung dreimal vorhanden sind, dann führt das zu verschiedenen Krankheiten. Der Vorteil der neuen Methode ist ganz offensichtlich: Man braucht kein Fruchtwasser, man gefährdet den Säugling nicht, die Blutabnahme ist schon alles. Und – auch das ist neu – die Wartezeit auf das Untersuchungsergebnis verkürzt sich auf eine Woche. Mehrere Firmen bieten solche Tests an, der Markt ist groß; die Anbieter versuchen, ihn durch günstigere Preise zu erobern und zu vergrößern.

Zwei Gedanken stellen sich jedoch in den Weg: Erstens ist nicht ganz sicher, mit welcher Zuverlässigkeit diese Tests wirklich arbeiten. Wenn der Test wegen des günstigen Preises bald schon von sehr vielen Frauen, völlig unabhängig von ihrem Alter, durchgeführt wird, dann, so befürchtet der Deutsche Ethikrat, werden zahlreiche „falsch-positive“ Ergebnisse produziert werden. Mit „falsch-positiv“ meinen Ärzte, dass der Test anzeigt, der Säugling hätte eine solche Trisomie (gleich: „ein positiver Befund“); aber in Wirklichkeit ist das Kind gesund (gleich: „falsch-positiv“). Damit hätte man aber zahlreiche extrem verunsicherte werdende Mütter, die nicht wissen, was sie tun sollen. Die Experten befürchten eine extreme „Marktdynamik“.

Dem müssen die Ärzte, zweitens, nun eine angemessene Beratung entgegensetzen. Die Frage ist nur: wie? Die Dynamik besteht darin, dass verschiedene Gentests schon länger im Internet angeboten werden – schnell und kostengünstig. Anschließend wird der Patient, der hier nur Kunde ist, von den Firmen mit einer kryptischen Auswertung alleingelassen.

Genetische Beratungsstellen klagen überall darüber, dass sie nur noch „reparieren“, dass sie völlig verunsicherten Patienten erklären müssen, was der Gentest in Wirklichkeit erbracht hat. Es bleibt ein Appell an Patienten: Nutzen Sie die Chancen der modernen Medizin – aber tun sich das nicht ohne oder gar gegen Ihren Arzt. Es bringt wenig Information und viel Unsicherheit.