Wir lieben es, mit Tieren zu leben. Wer ein Haustier hat, hat jemanden, den er streicheln oder umsorgen kann. Es ist nachgewiesen, dass sich der Kontakt mit Haustieren positiv auf die Stimmung von Menschen auswirkt. Aber sieht das umgekehrt genauso aus? Wer weiß, wo unsere Haustiere herkommen und wie sie in Freiheit leben würden, ahnt, dass es ihnen nicht immer so gut geht, wie ihre Besitzer glauben.
Herausgenommen aus ihrer natürlichen Umgebung, haben einige in vielen hundert oder tausend Jahren an der Seite des Menschen gelernt, sich seinen Lebensumständen anzupassen. Andere sind einfach nicht gemacht für das Leben in Häusern. Wir zeigen, wie unsere häufigsten Haustiere in Freiheit leben – und was das für die Heimtierhaltung bedeutet.
Goldhamster
Vom Syrischen Goldhamster gibt es in freier Natur nur noch wenige Exemplare. Seine Heimat ist ein mit 20.000 Quadratmetern recht kleines Gebiet in der Grenzregion zwischen Syrien und der Türkei. Bevorzugt leben Goldhamster als Einzelgänger auf Feldern, wo sie Pflanzen, Samen, Früchte und Insekten fressen. Auch in der Heimtierhaltung sollten sie deshalb ab und zu proteinreiche Nahrung bekommen.
Der freilebende Goldhamster ist eine gefährdete Art. Als Haustier gibt es ihn dagegen sehr häufig und in vielen Zuchtformen wie etwa dem Teddyhamster. 1930 wurde ein Hamsterweibchen mit Jungen gefangen und als Versuchstier weitergezüchtet. Von ihm stammen alle heute als Haustier gehaltenen Goldhamster ab.
Auch wenn Goldhamster mit 12 bis 16 Zentimetern Länge klein sind, brauchen sie sehr viel Bewegung. „Wenn man weiß, wie Goldhamster in der Natur leben, wird klar, dass sie eigentlich für eine Heimtierhaltung überhaupt nicht geeignet sind“, sagt Henriette Mackensen, Tierärztin vom Deutschen Tierschutzbund. „Der Goldhamster geht auf kilometerlange Futtersuche und gräbt metertiefe Gänge in der Erde.“
Von November bis Februar halten wildlebende Hamster Winterschlaf. Den haben sich die Haustiere abgewöhnt. Und noch etwas hat sich in den Jahren der Heimtierhaltung verändert: Erstaunlicherweise scheinen sich zumindest die Weibchen erst in Gefangenschaft zu nachtaktiven Tieren entwickelt zu haben. Dagegeben sind Wildtiere, wie Forscher kürzlich in einer Feldstudie herausfanden, morgens und nachmittags am aktivsten.
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Meerschweinchen
Die weiten Savannen Südamerikas sind die Heimat des Tschudi-Meerschweinchens. Von ihm stammen vermutlich unsere Haus-Meerschweinchen ab. Die Wildtiere leben im Rudel und ziehen in die verlassenen Höhlen anderer Tiere oder leben im dichten Gebüsch.
Als Haustiere werden Meerschweinchen bereits seit 3.000 Jahren gehalten. In Peru wurden sie als Fleischlieferanten genutzt. Anders als die Haustiere sollen die wild lebenden Meerschweinchen in freier Natur nachtaktiv sein. „Meerschweinchen sind sehr anpassungsfähig“, erklärt Henriette Mackensen. „Sie leben in Flachgebieten genau wie in Höhen bis zu 4.000 Meter.“
Was die Haltung angeht, sind die Tiere also nicht so vorgeprägt wie der Goldhamster. Aber: „Meerschweinchen sind in der Natur wehrlose Beutetiere und deshalb Fluchttiere.“ Um sich sicher zu fühlen, brauchen sie Unterschlüpfe und Versteckmöglichkeiten. „Sie mögen es auch nicht, angefasst zu werden – schon gar nicht unerwartet von oben“, sagt Mackensen. In der Natur tun das nämlich nur die Beutegreifer.
Wenn das Meerschwein also stillhält, wenn man es aufnimmt, dann nur, weil es Angst hat. „Wenn man Freude am beobachten hat, ist das Meerschweinchen ein gutes Haustier. Als Kuscheltier eignet es sich nicht“, so die Tierärztin.
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Kaninchen
Ursprünglich zu Hause ist das Kaninchen auf der iberischen Halbinsel. Es soll Spanien sogar seinen Namen gegeben haben: Als die Phönizier dort ankamen, hielten sie Kaninchen nämlich für afrikanische Schliefer und nannten das Gebiet deshalb „I-shepam-im“, „Land der Schliefer“. Die Römer übersetzten das als „Hispania“ ins Lateinische.
In Belgien gibt es seit 2009, in den Niederlanden seit 2014, eine Haustier-Positivliste. Verzeichnet sind nur Säugetiere, von denen bekannt ist, wie eine artgerechte Haltung aussieht, dass sie möglich gemacht werden kann und dass die Tiere keine Gefahr darstellen, wenn sie entkommen. 42 Tiere stehen auf der belgischen Liste, und nur diese dürfen als Heimtier gehalten werden. Für alle anderen muss eine Genehmigung eingeholt werden. Auch in Deutschland könnte eine solche Liste kommen. (jam)
Heute sind Wildkaninchen weltweit verbreitet und leben in den verschiedensten Gebieten. Wildes Hakenschlagen, Rumhüpfen und Rennen nutzen sie in der freien Natur nicht nur auf der Flucht, sondern machen auch ein Spiel daraus. Sie sind bewegungsfreudig, buddeln gerne und brauchen deshalb auch als Haustiere möglichst große und abwechslungsreiche Gehege. Außerdem sind Kaninchen sehr sozial, weshalb sie auf keinen Fall alleine gehalten werden sollten. Weil sie andererseits in der Natur Rangkämpfe ausfechten, ist es aber auch schwierig, die Tiere in der Heimhaltung zwangsweise zu vergesellschaften.
In der Wildnis hält immer ein Tier Wache. Auch die Haustiere mögen deshalb erhöhte Flächen, auf denen sie sitzen und Ausschau halten können. Kaninchen sind Beutetiere und fühlen sich deshalb nur sicher, wenn sie Unterschlüpfe haben. Grünfutter ist ihre Hauptnahrung in Freiheit, nur ab und zu ist auch mal ein Getreidekorn dabei. Daher ist es nicht artgerecht, Kaninchen nur getreidehaltiges Trockenfutter zu geben.
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Wellensittich
Der australische Papagei lebt in der Natur in Riesenschwärmen und legt lange Strecken zurück. Wenn er als Haustier gehalten wird, braucht er deswegen möglichst größere Gruppen von mehr als drei Tieren. Ein Käfig kann seinem Bewegungsdrang nicht gerecht werden, ebenso wie hohe, aber schmale Volieren. „Wellensittiche wollen nicht in die Höhe, sondern in die Weite fliegen“, sagt Mackensen.
Am besten eigne sich für die Tiere eine große Außenvoliere mit Schutzraum oder täglicher Ausflug im Zimmer. In Europa wird der Wellensittich seit 1840 als Ziervogel gehalten.
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Hund
„Von allen Tieren ist der Hund der einzige, der wirklich Kontakt zum Menschen sucht“, sagt Henriette Mackensen. „Er wird seit mindestens 14.000 Jahren als Haustier gehalten und hat in dieser Zeit gelernt, dass die Nähe zum Menschen Vorteile für ihn hat.“ Durch die Jahrtausende dauernde Domestizierung hat sich seit der Entwicklung aus dem Wolf einiges verändert – aber eben auch nicht alles. „Das Verhalten im Rudel und sein Ausdrucksverhalten sind noch da, und es ist wichtig, dass der Mensch das beachtet“, erklärt die Tierschutzexpertin. Wer auf die typischen Signale achte, könne viele Probleme vermeiden.
Beibehalten hat der Hund auch sein Jagdverhalten. Das Revier eines Wolfs ist groß, entsprechend ausgeprägt ist der Bewegungsdrang beim Hund. „Wichtig ist auch, dass ein Hund regelmäßigen Sozialkontakt zu anderen Hunden hat“, sagt Mackensen. Er könne durchaus allein gehalten werden, solange er auf Spaziergängen täglich andere Hunde trifft.
Auch das Nahrungsangebot sollte ausgewogen sein. Mackensen empfiehlt Fertigfutter: „Wenn man selbst kochen will, muss man sich wirklich sehr gut auskennen, damit keine Mangelerscheinungen auftreten“, so die Expertin. Was seine Umgebung angeht, ist der Hund flexibel. Hauptsache, er kommt regelmäßig raus.
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Katze
Schon aus dem alten Ägypten ist bekannt, dass Katzen als Haustiere gehalten wurden. Als Urahn unserer Hauskatze gilt die Nubische Falbkatze. Sie bewohnt Steppen und Savannen Afrikas und Arabiens. Vermutlich wurden in verschiedenen Regionen weltweit gleichzeitig Katzen domestiziert.
Doch trotz der ebenfalls über Jahrtausende gehenden Domestizierung hat sich die Katze nicht so stark an den Menschen angepasst wie der Hund. „Sie sucht die Nähe des Menschen, aber eher, weil sie ihn für ihre Zwecke ausnutzt“, sagt Mackensen. Natürlich gebe es auch anhängliche Katzen. „Aber in der Mehrheit sind sie doch liebenswerte Freigeister.“
Eine Einzelhaltung sollte es nur bei Freigängern geben, die draußen Kontakt zu Artgenossen aufnehmen können. Freier Auslauf ist für die Katze überhaupt das Schönste: Sie liebt es umherzustreifen – genau wie ihre wilden Verwandten.
