Köln – Wir hoffen, dass es langsam Frühling wird.“ Nicht nur Hobbygärtner, auch die Profis warten sehnsüchtig auf wärmere Temperaturen – allzu lange hat das winterliche Wetter angehalten. Doch hat die Verzögerung des Frühlings auch ein Gutes: „Pflanzarbeiten sind noch etwa drei Wochen lang möglich“, sagt Landschaftsgärtner Frank Demel. „Sogar Bäume können im April noch gepflanzt werden.“ Vorsicht jedoch bei Dahlien oder mediterranen Pflanzen: „Warten Sie damit bis Mitte Mai.“ Auch alle anderen Arbeiten können jetzt starten: „Mähen Sie jetzt den Rasen“, rät Demel. Dann wird gedüngt – die Expertin rät zu einem Langzeitdünger, der sich nach und nach zersetzt – , vertikutiert und nachgesät. Bei Stauden und Gräsern sollte spätestens jetzt alles Trockene herausgeschnitten werden: „Wenn die Pflanzen austreiben, wird es umso schwieriger“, sagt Demel. Der Boden in den Beeten sollte gelockert und mit organischem Dünger wie Rizinusschrot angereichert werden.
Wind trocknet den Garten aus
Nicht nur die Kälte der vergangenen Wochen hat den Pflanzen zugesetzt, sondern auch der starke Ostwind. Das hat Gärtnermeister Oliver Fink beobachtet. „Der Wind trocknet die Pflanzen aus.“ Das betrifft alle Gewächse im Garten, vor allem aber solche im Kübel. Finks Rat: „Kontrollieren Sie, ob die Töpfe trocken sind. Das vergisst man momentan leicht, weil man noch nicht so viel draußen ist.“ Wird gewässert, dann mit ganz normalem Leitungswasser – „wärmen Sie das bloß nicht an“, warnt Fink. Selbst wenn die Temperaturen allmählich steigen: Für Empfindliches wie Engelstrompeten oder Fleißige Lieschen ist es noch viel zu kalt im Freien. Fink rät, die Finger von solchen Pflanzen zu lassen, die derzeit vielerorts sehr preisgünstig angeboten werden.
Das kann jetzt gesät werden:
Auch bevor es im Gemüsegarten so richtig losgehen kann, muss sich nicht nur die Luft, sondern auch der Boden erwärmt haben. Einige Arten kommen mit geringen Temperaturen zurecht und können jetzt gesät oder gepflanzt werden, sagt Ulrike Lindner, Expertin für biologisches Gärtnern. Dazu gehören Salate, Kohlarten und auch Rettich und Radieschen sowie Erbsen. Bohnen und Sellerie aber brauchen Wärme und sollen erst Mitte Mai gesät und gepflanzt werden. „Gurken, Kürbis, Zucchini und natürlich die Tomaten dürfen auch erst nach den Eisheiligen Mitte Mai nach draußen.“ Tomaten brauchen darüber hinaus ein Regenschutzdach, um der Pilzkrankheit Kraut- und Braunfäule vorzubeugen, die schnell eine ganze Ernte vernichten kann. Alternativ bei der Auswahl der Sorten auf den Hinweis „tolerant gegen Kraut- und Braunfäule“ achten, rät Lindner.
Jetzt ist auch die Zeit, den Garten fit zu machen und Krankheitserreger zu minimieren. „Schneiden Sie kranke, abgestorbene Äste heraus“, sagt Pflanzenschutzexperte Ralf Jung. „Pilze bilden Frühjahrssporen und infizieren damit andere Pflanzen.“ Befallene Äste sollten bis ins gesunde Holz geschnitten werden. „Das erkennt man daran, dass es innen weiß ist und einen Ring grüner Rinde trägt“, sagt Jung. Die Schnittflächen brauchen nicht verschlossen zu werden. „Wenn es jetzt wärmer wird, heilen die Wunden von selber, sogar bei dickeren Ästen.“
Weniger ist mehr
Nach der langen Winterpause ist auch Gelegenheit, den Garten unvoreingenommener zu sehen. Jetzt fällt vielleicht auf, was schon immer gestört hat oder wo etwas verbessert werden kann. Gerade bei einem kleinen Garten in der Stadt ist weniger mehr, sagt Landschaftsarchitektin Brigitte Röde. „Versuchen Sie, eine Einheitlichkeit zu schaffen“, rät die Expertin. „Setzen Sie so wenig verschiedene Materialien wie möglich ein.“ Holzterrasse, Rasen und eine Pflasterfläche auf kleinem Grundstück seien oft deutlich zu viel und machten den Garten unruhig. „Hat die Terrasse einen Holzboden, könnte zum Beispiel der seitliche Sichtschutz auch aus Holz bestehen.“ Einheitlichkeit entsteht auch, wenn Gestaltungselemente mehrfach aufgegriffen werden. „Haben Sie ein modernes Reihenhaus mit einer roten Wand, können Sie das Rot aufgreifen, zum Beispiel bei Sitzpolstern, roten blühenden Stauden oder einem Sonnenschirm.“