Endlich ein Garten. Nach Jahren des Haderns mit den Einschränkungen, die Balkonkästen oder Miet-Felder mit sich bringen, habe ich ein Stückchen Land. Endlich Platz für die Pflanzen, die ich schon lange näher kennen lernen will – Chinaschilf und Federgräser, Elfenblume und Engelwurz, Sonnenhut und Wiesenknopf. Endlich Beerensträucher pflanzen, vielleicht sogar einen Obstbaum. Endlich im Winter Grünkohl ernten können. Ich habe im Mai einen Schrebergarten bekommen, ein halbes Jahr hat es gedauert. Vergleichsweise kurz kommt mir die Wartezeit vor, einige Vereine nehmen nicht mal mehr Interessenten auf ihre Warteliste, so groß ist die Nachfrage.
Damit Buchs seine Form behält, muss er regelmäßig beschnitten werden. Ab Mai treibt die Pflanze neu aus, längere Triebe können eine Kugelform unansehnlich machen. Wer wegen des nassen Wetters im Juni den Buchs noch nicht beschnitten hat, kann dies noch im Juli nachholen. Normalerweise findet Ende Juli oder August ein zweiter Schnitt statt. Ein kompletter Neuschnitt bis ins alte Holz sollte nicht im Sommer, sondern vor dem ersten Austreiben, etwa im März gemacht werden.
Um eine Form zu schneiden, können Schablonen oder Gitter verwendet werden, die es im Handel gibt. Einfacher und variabler geht es mit Formen aus Draht, die über der Pflanze befestigt werden. Um etwa eine Kugelform zu erhalten, werden mehrere Drahtringe über Kreuz gelegt, dann wird die Rundung nachgeschnitten. Es muss nicht unbedingt eine Buchs-Schere sein, sie sollte vor allem scharf sein und gut in der Hand liegen.
Getrübt wird die Freude nur durch die Entfernung. In meiner Kindheit lag der Garten direkt hinter der Terrassentür. Nun muss ich fünf Kilometer mit dem Fahrrad oder Auto fahren – das ist gewöhnungsbedürftig. Mal eben Kräuter holen werde ich weiterhin auf dem Balkon.
Nun also ein Stückchen Land. Doch wie anfangen? Auf einmal gibt es so viele Möglichkeiten, so viel zu tun, viel zu viel für ein Leben mit Fulltime-Job und Familie. Meine erste Lektion: Die Erwartungen zurückschrauben, in ganz kleinen Schritten denken, das Wichtigste zuerst machen.
Hilfe rund um die Gartenarbeit finden Sie bei nah.de
Oberste Priorität hat das Gemüse. Im Mai musste es schnellstens in die Erde, damit wir dieses Jahr schon ernten können. So habe ich Mangold, Rote Bete, Möhren, Erbsen, Spinat und Rucola gesät; Salat, Kürbis und Zucchini auf dem Balkon vorgezogen. Die Bohnen konnten glücklicherweise noch warten: Im städtischen Raum richtige Bohnenstangen aufzutreiben war gar nicht so einfach, und das Aufstellen – sie müssen tief in die Erde – schweißtreibend. Mittlerweile freue ich mich über die ersten Ergebnisse: Der Rucola ist lecker, die Erbsen blühen wunderbar, die Bohnen ranken.
Natürlich gibt es Rückschläge: Die Möhren sind Opfer unbekannter Mitesser geworden – ihr Grün wird abgeknabbert, kaum dass es sprießt, Schneckenschleim ist aber nicht zu sehen. Von zwei ausgesäten Zwei-Meter-Reihen werde ich vermutlich nur 20 Rübchen ernten.
Diesen Monat steht an, die Gemüsefläche zu vergrößern. Denn auf dem Balkon warten Grünkohlpflänzchen, die ich im Juni gesät habe, darauf, endlich in richtige Erde zu kommen. Ein weiteres Beet muss her. Es soll etwa zehn Quadratmeter groß werden. Eine Hälfte brauche ich für den Kohl, die andere will ich mit Gründüngung einsäen und deren Überreste dann im Frühjahr unterarbeiten.
Beherzt greife ich zum Spaten. Rasenschollen abstechen, umdrehen, ablegen. Einmal im Rhythmus, ist die Arbeit zwar schwer, aber machbar. Ein Drittel der geplanten Fläche schaffe ich direkt am ersten Tag, doch sieht das Beet aus wie eine Hügellandschaft. Ein Nachbar bietet an, seine Motorhacke zu leihen. Aber diese Fläche hat Zeit sich zu setzen, hier wird ja im Frühjahr sowieso umgegraben. Bei der zweiten Hälfte versuche ich, die Grasnarbe so flach wie möglich abzustechen, gar nicht so einfach. Der Rasen kommt auf den Komposthaufen. Dann grabe ich um, fördere etliche Würmer, Steine und Porzellanscherben zutage. Langsam geht es voran. Der Kompost, den ich einarbeiten will, wartet geduldig.
Dann endlich, der letzte Spatenstich. Mit einem von meinen Vorgängern geerbten Gartengerät, einer Sternfräse mit Stachelrädern, zerbrechen die Erdklumpen im Nu in feine Krümel. Nun kommt der Kompost obendrauf, mit einem fünfzinkigen Kultivator arbeite ich ihn ein. Jetzt lasse ich das Beet einige Tage ruhen, dann wird der Grünkohl gepflanzt. Mit etwas Glück kann ich im Winter ernten.
