Köln – Samuel Hahnemann (1755-1843) hatte vermutlich mehr als einen Koffer. Rund 900 winzige, beschriftete Glasfläschchen soll der Begründer der Homöopathie ständig dabei gehabt haben, wenn er auf Reisen ging. Ganz so viele Arzneimittel brauchen moderne Reisende nicht mitnehmen. Es reichen ein knappes Dutzend, um gegen die üblichsten Urlaubskrankheiten gewappnet zu sein.
„Welche Medikamente man einpackt, hängt vom Reiseziel ab“, sagt Florian Kürsch, Apotheker aus Köln-Bayenthal. „Während in Europa die Basisausrüstung meist reicht, sollte man etwa bei Touren durch Indien auch eine Handvoll Spritzen und Kanülen dabeihaben.“ Auch ob Mittel gegen Malaria oder chronische Krankheiten gebraucht werden, bestimme der Einzelfall. Faustregel: Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte als Reserve mehr als die Hälfte der Menge, die er für den Reisezeitraum benötigt, im Handgepäck mitführen – und den Rest im Koffer.
Wir haben den Apotheker Florian Kürsch gebeten, uns die perfekte Reiseapotheke zusammenzustellen. Kosten, je nach Umfang und Bedarf (zum Beispiel Malariamittel): 20 bis über 70 Euro.
Neben Desinfektionsspray sollte man für Verletzungen Wund- und Heilsalbe einpacken. Auch Pflaster und – zum Beispiel auf Backpacker-Reisen – Verbandszeug gehören in eine gute Reiseapotheke.
Auch im warmen Süden kann man sich erkälten. Schuld sind oft Klimaanlagen in Hotel oder Bus. Sinnvoll für den Notfall ist deshalb ein Grippemittel, das bei Gliederschmerzen, Husten und Schnupfen hilft.
Erste Hilfe für kopfschmerzgeplagte oder fiebernde Reisende: rezeptfreie Schmerzmittel mit den Wirkstoffen Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Paracetamol.
Insekten abweisende Mittel, sogenannte Repellents, gehören nicht nur ins Gepäck von Schwedenurlaubern. Am wirksamsten sind Präparate mit dem Wirkstoff Diethyltoluamid (DEET).
Im Urlaub ernährt man sich oft anders als zu Hause, daher ist Verstopfung ein häufiges Symptom von Reisenden. Hilfreich ist deshalb ein Abführmittel in der Reiseapotheke. Gegen akute Übelkeit – oder zur Vorbeugung – helfen schnell wirksame Kaugummipräparate. Vorsicht: Einige der enthaltenen Wirkstoffe machen müde.
Nicht nur für Wanderurlaube zu empfehlen: Instrumente, mit denen man Blutsauger von der Haut entfernen kann. Der Klassiker ist die Zeckenzange, bequemer geht’s mit der sogenannten Zeckenkarte.
Wer mit Kindern unterwegs ist, sollte altersgerechte Fiebersenker dabei haben. Mittel für Erwachsene sind häufig zu hoch dosiert.
Sonnencreme ist zwar kein Medikament, verringert aber die Gefahr, an Hautkrebs zu erkranken. Wichtig für chronisch Kranke: Die Wirkweise von Medikamenten kann durch das Sonnenbaden beeinflusst werden. Sprechen Sie Ihren Arzt darauf an.
Den Marktführer Imodium (Wirkstoff Loperamid) kennt jeder. Gerade wurde das erste freiverkäufliche Medikament gegen Durchfall mit dem neuen Wirkstoff Racecadotril zugelassen, der eine Magen-Darm-Infektion um etwa 1,5 Tage verkürzen soll. Auch zu empfehlen: Elektrolytlösungen, die den Flüssigkeitsverlust ausgleichen.
Bevor man in ein Malariagebiete reist, unbedingt mit einem Reisemediziner sprechen: Denn die Art der Malariaprophylaxe ist individuell und nach Reiseziel verschieden. Meist reicht es aus, ein sogenanntes Stand-by-Mittel für den Notfall einzupacken.
Handgepäck oder Koffer?
Wer als Fluggast Medikamente im Handgepäck mitnehmen will, sollte die Transportbestimmungen seiner Airline beachten. „Flüssigkeiten, die während der Reise verwendet werden und für medizinische Zwecke gebraucht werden, müssen Passagiere an der Sicherheitskontrolle getrennt vom übrigen Handgepäck vorlegen und deren Notwendigkeit nachweisen – etwa durch ein Rezept“, sagt Kathrin Zirkel, Sprecherin von Air Berlin. Diabetiker, die Insulinspritzen dabei haben, müssen ihren Diabetikerpass bei der Sicherheitskontrolle zeigen. Da es an Bord keine Möglichkeit gibt, Arzneimittel zu kühlen, empfiehlt sich die Mitnahme von Kühlakkus.
Beim Transport im Koffer sollte man sich vergewissern, dass das Medikament für den Transport im Flugzeug geeignet ist. „Zu beachten sind unter anderem der Druckunterschied, Erschütterungen und die Temperaturschwankungen von bis zu -50° Celsius“, sagt Kathrin Zirkel.
Arztbrief zur Sicherheit
Patienten, die regelmäßig Medikamente einnehmen müssen, können sich vom Hausarzt eine Arzneimittelliste oder einen Arztbrief auf Englisch aushändigen lassen, auf dem ihre Präparate und Dosierungen vermerkt sind.
Weitere Informationen
Wer wissen will, wie viele Impfungen und welche Medikamente für sein Reiseland nötig sind, kann sich im „CRM Handbuch Reisemedizin“ informieren. Dieses ist sehr ausführlich und wird zwei Mal im Jahr aktualisiert. Preis: 47,90 Euro. www.crm.de Viele Informationen gibt es auch auf der Homepage des Auswärtigen Amtes unter „Reise und Sicherheit“, Rubrik „Reisen und Gesundheit“ www.auswaertiges-amt.de
