Abo

Igel-Check: Teil 3Mit Schall gegen den Schmerz

3 min

Wem nutzt die Stoßwellentherapie beim Tennisarm?

Für wen ist die Leistung gedacht?

Es schmerzt beim Hochheben schwerer Einkaufstüten, beim Ausholen beim Tennis und manchmal sogar beim Händeschütteln: Ein Tennisarm (medzinisch: Epicondylitis) verursacht heftige Schmerzen im Bereich des Ellenbogengelenks. Grund dafür ist eine Entzündung an den Sehnen des Unterarms, die meist von einer Überbelastung durch Sport, Musizieren oder langes Arbeiten am Computer herrührt. Wird die Belastung reduziert, heilt der Tennisarm oft von selbst ab, allerdings kann das mehrere Monate dauern. Außerdem können die Beschwerden auch chronisch werden. Neben Kortisonspritzen, Schmerzmedikamenten, Akupunktur und Operationen bieten viele Ärzte auch die sogenannte Stoßwellentherapie an. Die muss der Patient als Individuelle Gesundheitsleistung (Igel) selbst bezahlen.

Wie funktioniert’s?

Bei der Stoßwellentherapie werden sehr kurze, heftige Schallstoßwellen erzeugt, die das Gewebe zur Regeneration anregen sollen. Das Verfahren stammt aus der Urologie, wo es genutzt wird, um Nierensteine zu zertrümmern. Dass Schallwellen auch stimulierend auf Knochen- und Muskelgewebe wirken können, ist erst seit den 90er Jahren bekannt. Wie das genau passiert, leider nicht: Vermutlich setzen Stoßwellen Selbstheilungskräfte im Körper in Gang.

Was sagt die Forschung (Igel-Monitor)?

Das Forscherteam des Igel-Monitors, einer Bewertungsplattform des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen, sichtete ein Dutzend Übersichtsarbeiten zum Thema Stoßwellentherapie. „Die Ergebnisse fallen so unterschiedlich aus, dass sich trotz der vielen Studien die Frage nach dem Nutzen nicht eindeutig beantworten lässt“, schreiben sie auf Igel-Monitor.de. Das Verfahren sei Scheinbehandlungen nur gelegentlich überlegen. Zudem zeige sich, dass sich die Beschwerden bei einem Großteil der Patienten nach Wochen oder Monaten auch dann legen, wenn sie nur mit einer Scheintherapie behandelt wurden. Der Nutzen ist laut Datenlage also gering, viele Studien berichten indes von vorübergehenden leichten Nebenwirkungen wie Taubheitsgefühlen oder Blutergüssen. Der Igel-Monitor bewertet die Stoßwellentherapie beim Tennisarm deshalb als „tendenziell negativ“.

Was sagen die Ärzte?

Dr. Jörg Hausdorf, Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie, hält das Urteil des Igel-Monitors für überzogen. Zwar habe sich in den Studien zum akuten Tennisarm kein Vorteile gegenüber anderen Therapieformen wie der Cortisonspritze oder einer Physiotherapie gezeigt. Aber auch keine schlechtere Wirksamkeit – vor asllen Dingen weniger Risiken, sagt der Oberarzt an der Klinik für Gelenkchirurgie an Ludwig-Maximilians-Universität München: „Somit kann im Gegensatz zum Igel-Monitor, der gerade aufgrund der angeblichen Nebenwirkungen eine negative Einschätzung gibt, eine deutliche Empfehlung zur Stoßwellentherapie ausgesprochen werden, da gleiche Wirkung bei geringeren beziehungsweise fehlenden Nebenwirkungen erzielt werden kann.“ Bei chronischem Tennisarm sei die Stoßwellentherapie einer Placebobehandlung laut einer Studie von 2005 sogar überlegen

Was kostet sie?

Pro Sitzung zwischen 86 und 198 Euro. Experten empfehlen drei bis fünf Behandlungen in wöchentlichen Abständen.

Fazit

Ob er Stoßwellen ausprobieren will, muss jeder Patient selbst entscheiden – die Studienlage ist nicht eindeutig. Darauf achten sollte man, dass ohne örtliches Betäubung behandelt wird, weil dies die schmerzstillende Wirkung der Therapie einschränkt, rät Jörg Hausdorf. Die Techniker Krankenkasse empfiehlt: „Wenn Sie sich für eine Stoßwellentherapie entscheiden, gehen Sie sicher, dass es sich tatsächlich um eine Therapie mit fokussierten Stoßwellen handelt – und nicht um mechanische Druckwellen oder Ultraschall.“ Letztere seien zwar wesentlich kostengünstiger, aber es gebe bislang kaum wissenschaftliche Studien zu ihrer Wirksamkeit. (ma)