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ImpfempfehlungenAb wann Impfen sinnvoll ist

2 min

Dr. Magnus Heier ist Neurologe und Wissenschaftsautor

Köln – Wir reisen in einer größeren Gruppe durch Südafrika. Schon Wochen vorher wurde online heiß über die medizinische Vorbereitung diskutiert: Impfungen? Wenn ja: welche? Malariaprophylaxe? Welche und ab wann? Fast alle Gruppenteilnehmer suchen nach Informationen – beim Hausarzt, beim Spezialisten, beim Hamburger Tropeninstitut. Dann sammeln sich die Empfehlungen wiederum online. Das Problem: Sie unterscheiden sich nicht nur in den Feinheiten. Impfungen gegen Diphtherie und Tetanus sind unstrittig – sie sind sowieso zu empfehlen, auch ohne jede Reise (überhaupt ist der Trip ein guter Anlass, den eigenen Impfstatus zu überprüfen und aufzufrischen: Wer hat schon einen gut geführten gelben Impfausweis?). Bei den weiteren Impfungen wird es kritisch: Tollwut? Hepatitis? Die Empfehlungen widersprechen sich. Auch bei Malaria.

Google ersetzt keinen Arzt

Was ein bisschen nach ärztlicher Inkompetenz klingt, spiegelt in Wirklichkeit zwei Probleme: Da ist zum einen noch immer eine große Unsicherheit in einigen Bereichen der Medizin. Es gibt oft einfach zu wenige Daten. Wie lange sind die Reisenden in wirklich Malaria gefährdeten Gebieten? In welcher Jahreszeit? Sind sie viel draußen unterwegs? All das wirkt sich natürlich auf die Empfehlungen aus.

Aber es gibt noch einen zweiten Faktor: die persönliche Risikoeinschätzung. Wie hundertprozentig soll die Sicherheit sein? Bei Malaria etwa ist sie nicht zum Nulltarif zu haben. Denn es gibt, je nach Medikament, nicht unerhebliche Nebenwirkungen. Außerdem bietet keines der üblichen Medikamente eine hundertprozentige Sicherheit. Die Konsequenz lautet wie so oft: Beide Entscheidungen können richtig sein. Der neben mir sitzende Kollege nimmt ab morgen seine Prophylaxe, ich nehme keine. Bis in die Nacht wird engagiert diskutiert. Auch die Impfentscheidungen unterscheiden sich. Das muss kein Problem sein – vorausgesetzt, der Patient ist sich des Für und Wider bewusst. Vorausgesetzt, er wird in die Abwägung eingebunden. Oft fehlen diese Informationen jedoch. Am schlimmsten ist es, wenn die Aufklärung durch den Arzt fehlt und durch eine Suche bei Google und Co. ersetzt wird. Genauso ist es bei einigen Gruppenmitgliedern gelaufen. Die Unsicherheit ist groß. Hätte sie nicht sein müssen.