Es ist nur eine Spekulation. Aber der Flur dürfte – neben dem Auto – der Ort sein, an dem am meisten geflucht wird: Über den Schlüssel, der hier vorhin noch lag, den getrockneten Schlamm, der vom Kinderwinterstiefel aufs Parkett bröckelt, die unterzähligen Garderobenhaken (oder die überzähligen Jacken). Und so weiter. Flursein ist nicht leicht. Dabei haben wir ihm sehr viel zu verdanken, dem Flur. Etwa einen großen Teil unserer Privatsphäre. Es gab mal eine Zeit, in der man mit der Tür ins Haus fiel und mittendrin stand im Alltagsleben. Der Biedermeier, die Epoche des Rückzugs ins Private, verlangte dann nach Abgrenzung auch im baulichen Sinne. Eben nach einem Gang, von dem aus die verschiedenen Zimmer abgingen.
In der Architektur spricht man von der horizontalen Erschließung der Wohnung, die ein Korridor ermöglicht. Diese Verteilerfunktion ist selbstverständlich geworden. Viele neue Anforderungen sind allerdings hinzugekommen: Hier soll auf kleinstem Platz alles untergebracht sein. Aber muss es das wirklich? Wir haben Kölner Flure fotografiert, die zu einem Teil des Wohnraums geworden sind. Das zu Verstauende ist hinter Wänden und Schränken versteckt, was mitunter baulichen Eingriffen zu verdanken ist. Aber auch wer für seine kleine Mietwohnung nach Lösungen sucht, wird heute bei den Flur- und Dielenmöbelherstellern fündig. Ab kommender Woche zeigen sie auf der Möbelmesse in Köln Produkte, die den Flur stilvoll entlasten. Und den Bewohner entspannen.
