Herr Weller, Sie sind seit 30 Jahren Antiquitätenhändler. Hat die Nachfrage nach alten Möbeln Ihre Branche verändert?
Markus Weller: Nein. Die Definition von „Antik“ hat sich grundsätzlich nicht verändert. Damit sind generell Möbel gemeint, die älter als hundert Jahre sind. Aber besonders nachgefragt werden die Stücke aus dem 18. Jahrhundert, die Barockmöbel. Die sind so begehrt, weil sie noch handgefertigt sind. Beliebt sind ebenfalls Möbel aus dem 19. Jahrhundert. Neuer ist zugegeben die Kundschaft, die sich für die Gründerzeit interessiert. Und die Tendenz geht klar zu kleineren Stücken. Das ist dem allgemeinen Platzmangel geschuldet.
Wie unterscheidet sich Ihre Klientel von den Vintage-Kunden?
Weller: Die Kunden, die sich ernsthaft für Kunst und Antiquitäten interessieren, sind jüngstens 45 Jahre alt, haben das Haus abbezahlt und die Kinder sind aus dem Gröbsten raus. Machen wir uns nichts vor: Ein Barockschrank kann um die 17 000 Euro kosten. Und dann haben Sie einen Schrank und noch keine Einrichtung. Auf den Trödelmärkten finden Sie zwar auch Sachen aus dem letzten Jahrhundert, für die man schon mal 500 oder 1000 Euro bezahlt. Das ist aber eine andere Sache.
Wenn ich es mir leisten kann, Antiquitäten zu kaufen, wie stelle ich das am besten an?
Weller: Optimal ist es, wenn man sich mit den Abteilungsleitern der Auktionshäuser anfreundet. Davon gibt es eine Menge und die stehen zudem in Konkurrenz zu einander. Man kann davon ausgehen, dass man nach drei Gesprächen gut informiert ist. Außerdem laden Auktionshäuser zu Vorbesichtigungen ein, auf denen man sich schlau machen kann. Nebenher sollte man sich damit beschäftigen, sei es Bücher zu dem Thema lesen oder Museen besuchen, um ein Auge dafür zu bekommen.
An wen wende ich mich, um ganz sicher zu gehen, ein Original zu kaufen?
Weller: Sie können natürlich auf Messen wie der Fine Art in Köln einkaufen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Bevor die Möbel ausgestellt werden, prüft eine vielköpfige Jury die Herkunft und sortiert im Zweifelsfall aus. Im Übrigen vermittelt auch die Industrie- und Handelskammer Sachverständige.
Und woran erkenne ich einen seriösen Antiquitätenhändler?
Weller: Ein gutes Indiz ist, wenn der Händler Mitglied in einem Verband wie dem Deutschen Kunsthandelsverband ist oder dem internationalen Kunsthandelsverband CINAO angehört. Die Aufnahmekriterien sind streng und geben durchaus ein gewisses Qualitätsversprechen ab.
Wo lasse ich eine Antiquität fachgerecht pflegen?
Weller: Es gibt zwar viele studierte Restauratoren, aber das muss nicht unbedingt etwas heißen. Ich kenne auch viele Autodidakten mit viel mehr Praxiserfahrung, auf die ich schwöre. In der Szene werden gute Restauratoren wie ein Kleinod von Hand zu Hand gereicht. Deshalb lohnt es sich, bei den Händlern nach Empfehlungen zu fragen.
Das Gespräch führte Ina Henrichs
