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InterviewDreimal tief Luft holen

3 min

Frau Tofahrn, warum sollte ich achtsamer sein?

Kirsten Tofahrn Wir tun im Alltag viele Dinge, bei denen wir nicht ganz bei der Sache sind. Eine Studie aber hat gezeigt, dass wir Glück nur empfinden, wenn wir mit allen Sinnen in dem Moment sind. Ein Mann, der bei einem Candlelight-Dinner gedanklich noch beim Job ist, wird sich vermutlich weniger glücklich einschätzen als ein anderer, der die vermeintlich unangenehmere Gartenarbeit zu tun hatte, bei der er aber ganz bei der Sache war.

Wie kann ich denn mehr Achtsamkeit in meinen Alltag bringen?

Tofahrn Zunächst einmal ist Achtsamkeit keine Methode, sondern eine Haltung, die man einüben muss. Es gibt dazu formelle Übungen, zum Beispiel Körperwahrnehmungsübungen, die einen zur Ruhe kommen lassen. So etwas kann man nicht von heute auf morgen. Aber im Kleinen kann man jederzeit und überall damit beginnen, kleine Anker der Achtsamkeit in den Alltag einzubauen.

Welche könnten das sein?

Tofahrn Das kann etwa beim Zähneputzen sein, beim Spülen oder auch beim Essen. Man versucht, sich ausschließlich auf das zu konzentrieren, was man gerade macht und sich in dem Moment bewusst wahrzunehmen.

Und im Büro? Lassen sich dort auch solche Anker finden?

Tofahrn Ja. Gerade im Arbeitsalltag haben wir oft viel zu viele Dinge im Kopf, die mit dem Moment nichts zu tun haben. Das Telefon klingelt, der Kollege möchte etwas und gleichzeitig denkt man an die Besprechung, die noch ansteht. Auch dort ist es wichtig, dass wir lernen, für kurze Momente innezuhalten. Allein schon dadurch, dass ich zum Beispiel dreimal tief Luft hole und bewusst das eigene Atmen wahrnehme, hole ich die Aufmerksamkeit in den Moment – eine einfache Übung, die nicht nur beim Arbeiten hilfreich ist.

Sondern?

Tofahrn Das können unterschiedliche Situationen sein. Etwa, wenn ich mit einer Freundin auf dem Weg ins Theater in einen Stau gerate. Dann malt man sich gleich alle Folge-Katastrophen aus. Wenn man es aber schafft, durch das tiefe Durchatmen diesen Film zu durchbrechen und sich einfach mal das Positive des Moments klarmacht: Ich bin mit meiner Freundin zusammen, wir können uns im Auto unterhalten – dann geht es einem gleich besser.

Das klingt simpel...

Tofahrn Auch diese Routine muss man einüben. Aber es ist dann eine Fähigkeit, die man vielfältig nutzen kann und von der zum Beispiel auch chronisch Kranke profitieren können. Wenn sie sich nur auf ihre Krankheit fokussieren und darauf, wie schlimm es noch werden kann, dann verstärkt das ihr Leid. Wenn sie es aber schaffen, ihre Welt wieder vollständiger wahrzunehmen und auch die Dinge zu sehen, die noch gut sind, dann geht es ihnen besser.

Das Gespräch führte Angela Horstmann