„Mein Haus, mein Auto, mein Boot“ – die Zeiten, in denen es darauf ankam, diese Aufzählung in möglichst jungen Jahren vom Stapel lassen zu können, sind vorbei. Stefan Grzeschik, Vertriebsleiter Marine beim Hamburger Technikhändler Marx, ist spezialisiert auf die Ausstattung von Motorbooten und weiß genau: Nur die allerwenigsten Wassersportler erfüllen sich heute noch mit 35 ihren Traum vom ersten eigenen Schiff. „Früher fing man in jüngeren Jahren an und vergrößerte seine Ansprüche an das Boot mit dem Einkommen“, erzählt er. Das bestätigt auch eine Studie der Forschungsvereinigung für die Sport- und Freizeitschifffahrt aus dem Jahr 2008: Demnach kauften über 50 Prozent der Bootseigner ihr erstes Boot vor Erreichen des 30. Lebensjahres, nur fünf Prozent fielen denen zu, die sich nach dem 49. Lebensjahr noch einen Lebenstraum erfüllen und mit der Fahrt auf Binnengewässern und der See beginnen wollten. Durchschnittlich wurden die angeschafften Schiffe fünf Jahre lang genutzt, bis sie verkauft und durch ein neues oder gebrauchtes ersetzt wurden.
Nachwuchs ist rar gesät
„Heute warten die Leute schon mit ihrem ersten Kauf, bis sie älter sind und Geld haben“, so Grzeschiks Erfahrungen. „Dafür fehlt ihnen, wenn es dann so weit ist, allerdings häufig die Erfahrung auf dem Wasser.“ Die Folge liegt auf der Hand: Der durchschnittliche Seebär wird immer älter, Nachwuchs ist – nicht nur im Motorsport, sondern in der ganzen Wassersportbranche – rar gesät.
Das kann auch Claus-Ehlert Meyer vom Deutschen Boots- und Schiffbauer-Verband bestätigen: Der durchschnittliche Skipper sei heute etwa 57 Jahre alt, sagt Meyer. Hinzu komme der Trend, dass immer weniger derer, die tatsächlich in jungem Alter mit dem Wassersport beginnen, langfristig dabei bleiben. Darunter leide besonders die Altersgruppe der 20- bis 40-Jährigen, sagt Meyer.
Auch wachse der Anteil der Bootsfreunde, die sich gar kein eigenes Boot anschaffen, sondern der Flexibilität wegen ihr Leben lang chartern. „Man hat größere Freiheiten, was die Reviere angeht: Möchte man im kommenden Sommer nach Italien fahren, bringt einem das Boot, das zu Hause vor Anker liegt, wenig“, erklärt Meyer den Trend. „Der Nachteil ist jedoch, dass man nicht einfach spontan entscheiden kann, bei gutem Wetter das Wochenende auf dem Wasser zu verbringen“, sagt Meyer weiter. „Die meisten Bootsverleiher vermieten nur für komplette Wochen, weil ihnen bei Wochenend-Vermietungen potenzielle Einnahmen der restlichen Woche fehlen“, so Meyer. „Da hat der, der sich doch für den Kauf eines eigenes Boots entscheidet, wiederum Vorteile.“
Und kann eben doch noch „Mein Haus, mein Auto, mein Boot …“ aufzählen – wenn auch einige Jahre später.
