Die meisten meiner Mitmenschen sagen, dass zwischen den Jahren eine komische Zeit sei. Ich kann dazu immer nichts sagen, weil ich diese paar Tage gar nicht so komisch finde. Im Gegenteil, das letzte „Zwischen den Jahren“ war sogar besonders nett, und im Übrigen kann sich keiner meiner Mitmenschen auch nur im Ansatz vorstellen, wie es ist, mit einem viel gravierenderen Vakuum leben zu müssen. Und das heißt nicht zwischen den Jahren, sondern zwischen den Saisons. Und genau genommen ist in meinen Augen eigentlich immer irgendwie zwischen den Saisons. Kommen die Kleider der so genannten neuen Saison endlich in die Geschäfte, bin ich schon vollkommen gelangweilt davon, weil ich mich bereits ein Jahr zuvor eingängig mit Schnitt, Muster und Farbe auseinandergesetzt habe.
Wenn dann alle in die Stadt rennen, um noch einen der unzähligen Mäntel zu beeindruckendem Preis von zerpflückten Stangen zu ergattern (offizielles Saisonende), überlege ich, mit welchem Modell ich mich nicht vollkommen blamiere – wenn demnächst, endlich, die neuen Kollektionen – Winter 2016 – präsentiert werden. Wenn also alle auf Schnäppchenfang sind, während ich noch nicht weiß, was der nächste Winter bringen wird, lasse ich das nächst Kommende noch mal Revue passieren – also Frühling 2015.
Und da die Saison noch nicht ganz ausgepackt ist, herrscht selbst bei mir noch eine gewisse Vorfreude: Blumen, Mega-Prints, buntestes Hippie-Leben. Und: Ein Ausschnitt, der wieder da sitzen soll, wo er hingehört. Ein langes, tiefes V, vom Schlüsselbein bis zum Bauchnabel. Die Alternative dazu heißt: Zugeknöpft bis knapp unter die Ohren. Mit strengem Blick kann auch das sehr sexy sein. Hauptsache ich muss keinen Rundhalsschnitt mehr sehen an kastigen, unförmigen Oberteilen. Hoch lebe das V.
