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Obst im GartenJeder Baum braucht Zeit

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Köln/Region – Noch sind es Winzlinge, die bei Christoph Hau auf dem Feld stehen. 3000 Sämlinge, wilde Apfelbäume, hat er im Frühjahr gepflanzt. Kaum einen halben Meter sind sie nun hoch. Schon im kommenden Jahr werden es schlanke, mannshohe Bäume sein, die im Jahr drauf verkauft werden. Richtig tragen wird so ein Apfel dann zwei bis drei Jahre, nachdem er gepflanzt wurde. „Was, so spät erst?“, bekommt Baumschul-Inhaber Hau häufig zu hören. „Aber die Zeit braucht er, um erwachsen zu werden.“ Die Entwicklungszeit muss einem Baum, der seine Besitzer mehrere Jahrzehnte mit Obst versorgen wird, zugestanden werden. Denn selbst wenn er fachgerecht gezogen wurde, muss er sich erst an die neue Umgebung gewöhnen und gute Wurzeln ausbilden. Ein Obstbaum braucht Zeit.

Handarbeit

Die Sämlinge, die Hau im März gepflanzt hat, werden noch in diesem Sommer veredelt. Das heißt: An einer Stelle wird ihre Rinde eingeschnitten, und dort wird das Auge – die Austriebsstelle – vom Zweig einer bestimmten Sorte eingesetzt, eines Elstar zum Beispiel. Dieses Auge treibt neu aus, mit der Kraft des Ursprungsbäumchens und den Eigenschaften der gewählten Sorte. Im kommenden Jahr wird das Bäumchen beschnitten, im dritten Jahr kann es als Elstar verkauft werden. Viel Handarbeit und Mühe steckt in so einem Baum, und nur etwa drei Viertel der veredelten Bäume geht an. Manchmal auch viel weniger: „In diesem Jahr sind von 100 »Ingrid Marie« nur zehn gekommen“, sagt Hau. Das gehört zum Risiko eines Obstbaumproduzenten. Schon im ersten Jahr nach der Veredelung setzen viele Bäumchen Blüten und Früchte an, doch die müssen per Hand herausgebrochen werden: „Sie kosten den Baum Kraft“, sagt Hau. Kraft, die die Pflanze lieber in gutes Wurzelwerk investieren soll.

Die richtige Auswahl

Wer einen Obstbaum in den Garten holen will, sollte vorher genau überlegen, was er möchte: Süße Äpfel für die Kinder, einen säuerlichen Back-Apfel? Soll der Baum so groß werden, dass man eine Schaukel hineinhängen kann? Dann ist Geduld nötig: Ein Hochstamm, dessen Krone in rund zwei Metern Höhe ansetzt, braucht sechs bis zehn Jahre, bis er stark genug ist. Damit ein Apfelbaum auch trägt, muss ein zweiter Baum in der Nähe stehen, über den er befruchtet werden kann. Alternativ gibt es auch selbstbefruchtende Sorten wie Cox Orange „Queen“. Von Familienäpfeln, also Bäumen, die mehrere Sorten tragen, rät Christoph Hau ab: „Das funktioniert einige Jahre gut, aber die Sorten wachsen fast immer unterschiedlich stark. Irgendwann wird eine überwiegen.“

Spalierobst

Wenn eher wenig Platz vorhanden ist, kann ein Obstspalier eine Lösung sein. „Doch das ist eher etwas für Fortgeschrittene“, sagt Baumschul-Inhaber Oliver Fink. Denn der Baum muss fachgerecht gebunden und geschnitten werden und braucht auf die Dauer ein stabiles Spalier zum Ranken.

Nicht immer müssen es veredelte Sorten sein. Wildobst liegt im Trend. Apfelbeeren, Aroniakirschen, Felsenbirne, Sanddorn und Holunder sind im Kommen, sagt Fink: „Sie haben nicht nur Ziereffekt, man kann das Obst auch nutzen.“ Zwar tragen Zieräpfel nur kleine Früchte, manche kaum größer als Kirschen, aber Sorten wie „Butterball“ sind zuckersüß und eignen sich gut für Gelee.

Gleich, welcher Baum angeschafft wird: „Achten Sie auf Regionalität“, sagt Fink. Wenn ein Baum in der Region gezogen wurde, ist er an das hiesige Klima angepasst. Hinzu kommen weitere Faktoren: „Wenn Sie einen Baum für kleines Geld beim Discounter kaufen, wollen Sie nicht wirklich wissen, wie der hergestellt wurde“, gibt Fink zu bedenken. In einigen Ländern wird unter extremen Bedingungen produziert, Arbeiter veredeln im Akkord. Sorten können mindere Qualität haben. Auch werden viele der vermeintlichen Schnäppchen vermutlich zu früh verkauft. Was ihnen fehlt, ist Zeit, sich zu entwickeln – eine der wichtigsten Voraussetzungen für einen guten Baum.

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