Köln – Der Fahrradsport hat ein Problem, das ihn in der öffentlichen Wahrnehmung unbeliebt gemacht hat: das Doping. Dass Fahrer sich mit der Unterstützung von Spritzen durch die Landschaft bewegen, widerspricht dem Geist des Sports. Auch Freizeitfahrer vertrauen auf Hilfen beim Radfahren, und das seit ein paar Jahren sogar mit wachsender Begeisterung. Allerdings gibt es hier weder ein moralisches noch ein gesundheitliches Problem. Im Gegenteil: Mit dem E-Bike zu fahren ist nach herrschender Experten-Meinung sogar gut für den Körper.
Wobei die Bezeichnung E-Bike nicht ganz korrekt ist. Richtig müsste es Pedelec heißen. Während das E-Bike dank Elektromotor nämlich auch ohne menschliches Zutun fährt und daher so eine Art Motorroller ist, muss beim Pedelec in die Pedalen getreten werden, um den Motor in Betrieb zu setzen. Beim Pedelec gibt die Elektrokraft also nur zusätzlich Schwung. „Die einen nehmen Epo, die anderen E-Bike“, sagt Lothar Könekamp vom Kölner Fahrradladen „Radlager“. Das Elektro-Doping ist zum Trend geworden.
Anfangs, vor zehn Jahren, waren Räder mit Hilfsmotor nur für ältere und schwächere Menschen interessant. Dank Elektro-Unterstützung war es ihnen möglich, alltägliche Wege mit dem Fahrrad zu erledigen. Doch da sich die Kraft des Motors beim Pedelec nun auch mit der Kraft des Fahrers kombinieren lässt, sind Elektroräder in den vergangenen Jahren auch für junge Menschen interessant geworden, die zum Beispiel einen langen Weg zur Arbeit haben.
Auch Marc Kayser von „Eco-Mobility“ in Köln beobachtet, dass sich das Fahrradpublikum wandelt. Dass auch ältere Menschen oder Sportmuffel wieder radeln. Wobei viele Kunden immer noch denken, dass E-Räder nur für Senioren in Frage kämen. „Die Leute sagen: Wenn ich 50 oder 60 bin, brauche ich vielleicht so eins“, sagt Kayser, „dann stelle ich ihnen ein Pedelec hin und sage: Ist das etwa ein Rad für Ältere?“
Doch nicht nur ein neues Publikum wird mit den Elektro-Rädern erschlossen. Auch neue Strecken sind möglich. Lothar Könekamp von Radlager meint, dass es mit einem normalen Rad kaum möglich sei, das Bergische Land zu erkunden. „Mit dem E-Bike kommt man auf jeden Berg.“ Das Elektrorad demokratisiert das Radeln: Jeder hat nun die Chance, eine Tour auch über Hügel und Berge zu unternehmen. Wer eine längere Fahrt mit einem Pedelec unternommen hat, berichtet von dem angenehmen Gefühl, sich stärker zu fühlen, als man ist. Bei den meisten Elektro-Rädern lässt sich einstellen, wie viel Unterstützung der Motor bei welchem Kraftaufwand des Fahrers liefern soll. So kann etwa eine Fahrer-Gruppe mit verschieden fitten Radlern in einem Tempo fahren. Könekamp: „Man kommt geschafft nach Hause: Belastet – aber nicht überlastet.“
Doch wer ein Elektro-Rad haben möchte, muss eine stattliche Investition tätigen. Während es normale Fahrräder auf dem Flohmarkt mit Glück schon für ein paar Euro gibt, muss man für ein E-Bike ungefähr das zweieinhalbfache des normales Fahrrad-Preises einplanen: „2500 bis 3000 Euro sind ein guter Durchschnittspreis“, meint Thomas Danz vom Pressedienst Fahrrad. Von Angeboten unter 1500 Euro rät er in jedem Fall ab. Bei Eco-Mobility in Köln gibt es Elektro-Räder ab 2500 Euro. Elektro-Doping hat seinen Preis.