Die Veränderung kommt allmählich, beinahe unmerklich. War die Gießkanne immer schon so schwer, die Rasenfläche so groß? Waren das Jäten so anstrengend, die Knochen nach einem Tag im Garten so müde?
Im Alter werden Arbeiten auf einmal beschwerlich. Was früher kaum wahrgenommen wurde, macht jetzt Mühe. Beim Heckenschnitt müssen Pausen eingelegt werden und das Knien auf der Erde ist ermüdend. Manchmal fordern Krankheiten ein Umdenken, manchmal sind es einfach nur nachlassende Kräfte, die zu schaffen machen. Spätestens dann ist es an der Zeit, sich Gedanken über den Garten zu machen. Besser jedoch: ein paar Jahre früher. Denn ehe er zur Last wird, heißt es: Gegensteuern. Vieles kann vereinfacht und umstrukturiert werden, auch gibt es die Möglichkeit, sich Hilfe von außen zu holen. Der richtige Zeitpunkt hierfür ist so individuell wie die Gartenbesitzer.
Typfrage
„Ich sollte mich fragen: Was kann ich noch gut, was traue ich mir noch lange zu? Aber auch: was empfinde ich als Last?“, sagt die Kölner Landschaftsarchitektin Brigitte Röde. Wichtig ist: ein Gefühl, eine realistische Einschätzung für die eigene Situation zu bekommen.
Horchen Sie in sich hinein und machen Sie sich einen Wunschzettel, rät Buchautor Frank M. von Berger. Was soll der Garten bieten, auf was kann ich verzichten?
Einmal Arbeit und Mühe zu investieren kann sich lohnen, um es in den Folgejahren leichter zu haben. Hochbeete lassen sich einfach selber bauen. Wer sie im Garten hat, kann arbeiten, ohne sich zu bücken – oder sogar im Sitzen. Ähnlich hilfreich ist ein Pflanztisch, selber gezimmert oder gekauft: Daran kann ganz entspannt im Stehen gesät, pikiert und getopft werden.
Prächtige Schaubeete sind schön anzusehen – aber müssen sie im eigenen Garten sein? Vereinfachen Sie Ihre Rabatte und legen Sie lieber ein gut konzipiertes Beet mit einer stabilen, sich selbst erhaltenden Pflanzengruppe an. Wenn Sie das dort tun, wo vorher Rasen war, ersparen Sie sich das Mähen.
Sie lieben Gemüse? Trotzdem brauchen Sie nicht mehr alles selber anzubauen, wenn die Arbeit beschwerlich wird. Konzentrieren Sie sich auf wenige Lieblingssorten.
Kein Garten ohne Obst? Pflanzen Sie Säulen-Obstbäumchen, sie lassen sich durch Schnitt so halten, dass ohne Leiter beschnitten und geerntet werden kann.
Viele Hilfsmittel sind im Handel erhältlich. Probieren Sie aus, was für Sie in Frage kommt. Ein Greifer kann sinnvoll sein um Dinge vom Boden aufzuheben, es gibt zum Beispiel auch Teleskopscheren, Apfelpflücker oder Kehrbleche mit langem Stiel.
Wie es dann weitergeht, ist ebenfalls eine Typfrage. Wer autark bleiben will, gestaltet den Garten so um, dass möglichst lange autark und selbständig darin gearbeitet werden kann. Hilfsmittel, zum Beispiel ein automatischer Rasenmäher, der die Arbeit quasi alleine macht, können Erleichterung bringen. Die Alternative ist: Vernetzen, Hilfe holen. „Machen Sie das beste aus der Situation“, rät Röde. „Es gibt in der Nachbarschaft bestimmt Kinder oder Jugendliche, die gerne für ein Taschengeld den Rasen mähen.“ Gerade in der Großstadt wie Köln werden viele Projekte angeboten, über die Hilfe organisiert werden kann. Leichter fällt die Umstellung, wenn man sich vom eigenen hohen Anspruch an den Garten verabschiedet – denn draußen muss nicht unbedingt alles picobello sein. „Werden Sie gnädiger“, sagt Röde. „Wenn Sie es nur alle vier Wochen schaffen, den Rasen zu mähen, dann ist das eben so. Es darf ruhig alles ein bisschen weniger perfekt sein. Damit tun Sie dann sogar noch etwas für die Natur.“
Doch wenn Körperkraft und Unternehmungslust nachlassen, werden das Zuhause und der eigene Garten wichtiger. Jetzt ist der Zeitpunkt, mehr Liebe ins Detail zu stecken, sagt die Landschaftsarchitektin: „Pflanzen Sie so, dass Sie von ihrem Lieblingsplatz im Haus immer etwas Blühendes sehen – angefangen von der Christrose, die im Winter blüht, über den Mittelmeerschneeball, der im Februar und März seine Blüten öffnet.“
Pflanzauswahl
Die richtige Auswahl an Pflanzen kann Beete pflegeleichter machen. Umgestalten geht zwar nicht von heute auf morgen, doch das ist auch nicht nötig, wenn man frühzeitig beginnt. Wer hinten im Garten anfängt, aufwendige Bepflanzungen durch robustere zu ersetzen, kann sich über die Jahre hinweg nach vorne vorarbeiten. „Verabschieden Sie sich von allem, was gepäppelt werden muss“, sagt Röde. Wer sich ein Gärtnerleben lang um Rosen gekümmert hat, braucht im Alter nicht auf sie zu verzichten – setzt aber vielleicht vor allem auf Sorten, die wenig Pflege benötigen. Auch um viele Stauden braucht man sich gar nicht mehr zu kümmern, wenn sie einmal angewachsen sind. Pfingstrosen, Geißbart, Taglilien oder Tränendes Herz sind dankbare, langlebige Pflanzen. Balkan-Storchschnabel, etwa die Sorten „Spessart“ oder „Ingwersen“ schließen schnell Lücken, lassen keine Beikräuter mehr aufkommen und schlucken sogar fallendes Laub. Ähnlich verhält sich die Elfenblume, Epimedium „Frohnleiten“: Zwar wächst die wintertharte, immergrüne Staude langsam an und breitet sich erst ab dem zweiten Jahr aus. Dann bildet sie jedoch einen dichten Teppich, der im Frühjahr mit goldgelben Blüten durchsetzt ist.
Ernten ohne Stress
Aber was mache ich mit der Ernte, wenn mir das Marmeladekochen zu viel wird? „Verschenken Sie sie an Nachbarn. Oder überlassen Sie sie doch ruhig den Amseln“, sagt Brigitte Röde. „Sie müssen nicht mehr alles tun, bloß weil Sie es immer gemacht haben. Sehen Sie eher die Möglichkeiten: Ich habe Himbeeren, die ich ernten kann, wenn ich Lust habe.“ Aber es sollte kein Zwang sein – Vögel freuen sich auch über die Früchte.
Frank M. von Berger, Heute genieße ich meinen Garten . . . älter werde ich später, Verlag Eugen Ulmer, 160 S., 24,90 Euro.
Patty Cassidy, Entspanntes Gärtnern für Senioren. Wie man sich im Alter sein grünes Paradies erhält, Verlag Eugen Ulmer, 256 S., 29,90 Euro.
Doch der Garten besteht nicht nur aus Grün – prüfen Sie, ob auch Wege und Terrassen verändert werden sollte. Denn im Alter wird man unsicherer auf den Beinen. Ersetzen Sie glatte Fliesen oder glitschige Holzdielen durch rutschfeste Bodenbeläge. Der Einbau von ein paar Treppenstufen kann ebenfalls zur Sicherheit beitragen: „So lange man nicht im Rollstuhl oder mit Rollator unterwegs ist, sind Stufen mit einem Geländer besser als eine Schräge. Denken Sie an beides.“ Entscheidend ist auch eine gute Beleuchtung, vor allem an Treppen.
„Altern ist für keinen schön“, sagt Röde. „Aber statt zu klagen kann man kann den Blickwinkel verändern und sich auf das konzentrieren, was alles noch geht und vielleicht dabei auch noch Schönes neu entdecken.“
