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„Haben das Spiel verloren“Donnerschlag in der Gastronomie – „Bester Koch der Welt“ verliert Michelin-Stern

Lesezeit 3 Minuten
Guy Savoys Restaurant hatte über 20 Jahre drei Sterne – damit ist nun Schluss. (Archivbild)

Guy Savoy drufte sich 20 Jahre über drei Sterne freuen – damit ist nun Schluss. (Archivbild)

Nach drei Jahren Corona-Schonfrist wertet der „Guide Michelin“ dieses Jahr wieder Sternerestaurants ab. Die Ergebnisse überraschen selbst Experten.

Einer der berühmtesten französischen Spitzenköche, Guy Savoy, hat Anfang März 2023 seinen dritten Stern verloren. Die Entscheidung fiel im Rahmen der Bewertung von Michelin für Frankreich und sei nach „zahlreichen Besuchen unserer Inspektorinnen und Inspektoren über das Jahr hinweg“ gefallen, sagte Gwendal Poullennec, Chef des Michelin-Restaurantführers. 

„Es sind außergewöhnliche Restaurants, sie können sich also vorstellen, dass dies sorgfältig abgewogene Entscheidungen sind“, so Poullennec. Die genauen Gründe für die Herabstufung nannte er allerdings nicht.

Guy Savoy: Sechs Mal zum besten Koch der Welt ausgezeichnet, aber „nur“ noch 2 Sterne

Guy Savoy war nicht nur seit 2002 ununterbrochen mit drei Sternen ausgezeichnet gewesen, sondern auch sechs Mal in Folge von „La Liste“ zum besten Koch der Welt gekürt worden. „Bisher hatte ich nur die besten Momente in meiner Laufbahn. (…) Wir haben in diesem Jahr das Spiel verloren, aber im nächsten Jahr gewinnen wir wieder“, sagte Savoy.

Alles zum Thema Gehobene Restaurants

Er habe die Nachricht per Telefon erfahren und sie mit Fassung aufgenommen. Neben dem „Restaurant Guy Savoy“ am Pariser Seine-Ufer verlor auch das Restaurant von Christopher Coutanceau in La Rochelle seinen dritten Stern. Es ist das erste Mal seit 2020, dass Michelin in Frankreich Drei-Sterne-Restaurants degradiert hat.

„Guide Michelin“ 2023 sorgt für Überraschungen

In der Gastronomiewelt sorgte die Bekanntgabe des Sterneverlusts der beiden Spitzenköche für große Überraschung. Der Gründer von „La Liste“ zeigte sich ahnungslos. „Weder Kommentare der Gäste noch Restaurantkritiken haben darauf hingewiesen, dass die Qualität des Restaurants Guy Savoy sich verschlechtert habe“, sagte Philippe Faure.

In der Welt der Spitzengastronomie ist dies ein Donnerschlag. Vor zwei Jahrzehnten hatte der Drei-Sterne-Koch Bernard Loiseau sich das Leben genommen, als es Gerüchte gab, dass er seinen dritten Stern hätte verlieren können. Der Spitzenkoch Marc Veyrat hatte 2019 vergeblich vor Gericht verlangt, die Gründe für die Aberkennung seines dritten Sterns zu erfahren.

Gastro-Kritiker über „Guide Michelin“: „Wird in Frankreich zu riesigen Diskussionen führen“

Coutanceau reagierte zunächst nicht auf den Sternverlust. Er hatte den dritten Stern erst kurz vor der Corona-Pandemie erhalten und musste das Restaurant kurz danach wegen des Lockdowns schließen. Michelin stellt in der kommenden Woche in Straßburg seine neue Ausgabe des Restaurantführers vor.

Gastro-Kritiker Jürgen Dollase erläutert in einem Blogpost die Tragweite der Neubewertung im Michelin-Guide: „Das macht Wind, das wird vor allem in Frankreich zu riesigen Diskussionen führen, aber ganz sicher auch zu einer Art neuen Distanz zwischen Michelin und den kulinarischen Granden der Nation.“

Spitzenkoch Michel Sarran äußert sich nach Sterneverlust

Drei weitere Restaurants verloren ihren zweiten Stern: das Alpaga Table in Megève, Jean-Luc Tartarin in Le Havre und das Restaurant Michel Sarran in Toulouse. Der Koch aus Toulouse reagierte im französischen Fernsehen emotional. „Es ist ein Moment im Restaurant, mit dem man nur schwer leben kann. Es gibt Menschen, die mich unterstützen, die mich lieben, das wird Michelin nicht ändern. Aber ich gebe zu, es flossen bei mir ein paar Tränen“, so Sarran, der seit fast drei Jahrzehnten in seinem Fischrestaurant die Küche leitet.

Es ist ein Moment im Restaurant, mit dem man nur schwer leben kann.
Michel Sarran, Spitzenkoch aus Toulouse

Gleich 20 Köchinnen und Köche, die in der vergangenen Ausgabe noch einen Stern hatten, werden ihn dieses Jahr verlieren. Die Bewertung im Michelin-Führer stützt sich auf Inkognito-Besuche seiner Inspektoren. Der Restaurantführer ist eine Erfindung des Reifenkonzerns Michelin, der auf diese Weise seine Kunden ermuntern wollte, bei Besuchen abgelegener Restaurants ihre Reifen abzufahren.

In Deutschland wurden vergangenes Jahr im Rahmen der Neubewertung von Michelin unter anderem dem Vendôme im Grandhotel Schloss in Bergisch Gladbach ein Stern aberkannt. (pst mit afp)

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