Von Köln aus ging die Initiative zum „Tag der Forts“, der an diesem Sonntag das zwölfte Mal dort und in ausgewählten Städten bundesweit stattfindet. Nahezu alle Kölner Forts und Zwischenwerke sind am 7. Juni mit spannenden Führungen und kostenlos zu besichtigen.
Im Fokus des eigens für sie geschaffenen „Tag der Forts“ am Sonntag, 7. Juni, stehen die 20 Kölner Festungsanlagen und Zwischenwerke. Gezeigt werden aber auch einige der gesprengten Anlagen, deren Relikte sich heute noch im Grüngürtel von Köln wiederfinden. Programm und Führungen:
www.tag-der-forts.de
Der Schwerpunkt liegt bei den inneren und äußeren preußischen Festungsgürteln und umfasst den Zeitraum von 1815 bis 1918 sowie den in den Zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts daraus gestalteten Grüngürtel.
Wer sich auf den Spuren der Vergangenheit dorthin begibt, erlebt einen Tag mit spannenden Geschichten und einem Blick hinter die Kulissen der ehemals wehrhaften Stadt. In NRW entstanden im Mittelalter sowohl Höhenburgen als auch von Wassergräben umgebene Niederungsburgen, unter denen einige später zu Zitadellen und Festungen ausgebaut wurden. Kasematten, Türme, Gräben und Wälle sind allemal einen Ausflug in die Heimat wert.
Feste Zons
Bilderbuchkulisse: Zons am Niederrhein ist mit seiner historischen Bausubstanz von einer 1100 Meter langen mittelalterlichen Mauer mit Wehrtürmen umgeben. Die Feste ist heute Teil der linksrheinischen Stadt Dormagen. Errichtet wurde sie einst direkt am Rhein als Station zur Zollerhebung, gleich gegenüber liegt der Düsseldorfer Stadtteil Benrath. Obwohl die Befestigungstechnik im Mittelalter stehen geblieben ist, konnte der Ort im dreißigjährigen Krieg trotz Belagerung und Beschuss mit Artillerie nicht eingenommen werden.
Bis heute bietet die Befestigungsanlage alles, was man von einem mittelalterlichen Stadtbild erwartet: Stadtmauern, Schlösschen, Mühle, blumengeschmückte Häuser. Bei schönem Wetter muss man allerdings damit rechnen, dass es voll wird. Die Märchenspiele auf der Freilichtbühne im Zwinger des ehemaligen Schlosses Friedestrom erfreuen sich überregionaler Popularität. Seit 1935 besteht die Spielstätte – eine der schönsten ihrer Art in NRW. www.dormagen.de
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Burg Monschau
Ein Klassiker: Burg Monschau entstand Anfang des 13. Jahrhunderts. Die Anlage wurde mehr und mehr ausgebaut und von mächtigen Ringmauern und Wehrgängen eingeschlossen. Die Festung der mächtigen Jülicher Grafen wurde 1543 von Kaiser Karl V. mit schwerem Geschütz belagert und eingenommen, die Stadt geplündert. Die Burg wurde nur noch ausgebessert, um die Wehranlage der unteren Burg zu erweitern. Die Franzosen zogen die Burg als Nationalgut ein und verkauften sie. Die privaten Eigentümer konnten die weitläufige Anlage jedoch nicht halten. Sie ließen 1836/37 die Dächer abtragen, um von der Gebäudesteuer befreit zu werden. So verfiel die Burg rasch zur Ruine.
Erst mit der Jahrhundertwende versuchte die Provinz, dem Verfall Einhalt zu gebieten. Eine Jugendherberge zog in den Westflügel ein. So bleibt Burg Monschau als „Jugendburg“ lebendig. Christo hat sie 1971 sogar verpackt. Jeden Sommer wird der Innenhof zur Kulisse für die „Monschau Klassik“. www.monschau.de
Rhein-Kasematten
Von vielen unbemerkt: Die Düsseldorfer Kasematten liegen direkt am Rheinufer. Sie gehören zu den Stadtteilen Altstadt und Carlstadt, die das historische Zentrum Düsseldorfs bilden. In der Geschichte zeichneten sich Kasematten durch ihre Mauern aus, die im Festungsbau vor Artilleriebeschuss schützten oder als Wohn-, Bereitschafts- und Aufbewahrungsort dienten. Die originalen Mauerwände sind noch heute erhalten. Die Rheinpromenade mit Gastronomie und Schiffsanlegern, wie wir sie heute kennen, war nicht immer so.
Vor Beginn des 20. Jahrhunderts standen Häuser und Gebäude unmittelbar am Rhein. Später verlief die Bundesstraße 1 genau entlang der Rheinpromenade, wo wir heute spazieren und ausgehen. Die Neugestaltung der 90er Jahre orientierte sich an der Gestaltung von 1900: Das Besondere im Besuch der Kasematten liegt nicht nur in der Atmosphäre von Düsseldorfer Rhein-Geschichte, sondern auch in der Aussicht auf die Oberkasseler Skyline. www.kasematten-duesseldorf.de
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Zitadelle Jülich
Einer Bastion gleich: In Jülich steht eine der besterhaltenen Renaissancefestungen Deutschlands. Obwohl die Zitadelle als Gymnasium genutzt wird, können die Wälle und Bastionen besichtigt werden. Außerdem informiert ein Museum über die Geschichte der Festung: Anfang des 16. Jahrhunderts boten mittelalterliche Stadtmauern keinen Schutz mehr gegen moderne Pulvergeschütze. Diese schossen Breschen in die senkrechten Mauern, zur Verteidigung fehlte der Raum auf den schmalen Mauerkronen.
Die ingenieurmäßige Antwort war eine auf Schusslinien gestaltete „bastionierte“ Befestigung, die Rundumverteidigung ohne „tote Winkel“ erlaubte. In Italien entwickelt, wurde sie ab 1545 in Deutschland mit der Stadtbefestigung von Jülich konsequent verwirklicht: Neuzeitliche Wehranlage mit Zitadelle und Residenzschloss – italienische Renaissance im Rheinland. Wälle, Bastionen wie auch weitläufige Kasematten und Tunnel sind teilweise zugänglich.www.juelich.de/museum
Regierungsbunker
Geheimsache: Tief unter den Weinbergen des beschaulichen Ahrtals, 30 Kilometer südlich von Bonn, liegt ein Ort, den es offiziell gar nicht geben durfte: der geheime Atombunker der Bundesregierung. Jenes gewaltige Labyrinth aus 17 Kilometer Betonröhren war das streng gehütete Staatsgeheimnis Nummer Eins, um das sich gleichwohl seit dem ersten Spatenstich wilde Gerüchte rankten. 20000 Arbeiter errichteten ab Baubeginn 1959 in zwölf Jahren den Regierungsbunker, die mit vier Milliarden D-Mark bis heute die teuerste und größte Einzelinvestition der Bundesrepublik bedeutet.
Inzwischen hat der Bunker seine atombombensicheren Tore als Museum geöffnet. Träger der Dokumentationsstätte ist der Heimatverein „Alt-Ahrweiler“, dessen Mitarbeiter die Besucher auf ihrer etwa eineinhalbstündigen Bunker-Führung durch eine unterirdische Welt geleiten, die Jahrzehnte lang strenger Geheimhaltung unterlag.www.regbu.de
Kölner Festungsgürtel
Preußisch: Von den über 200 Bauwerken des alten Festungsgürtels sind im heutigen Stadtbild von Köln noch 20 Forts, Zwischenwerke und eine Lünette teilerhalten. Das seit 2004 existierende Kölner Festungsmuseum im Zwischenwerk VIII b wird ehrenamtlich betrieben und befindet sich zu Teilen noch im Aufbau. Dort gehen historische Architektur- und Gartenkunst eine lebendige Verbindung mit Kunstwerken der Moderne ein. Führungen, Sonderausstellungen oder Vorträge bieten das ganze Jahr hindurch Anlässe für einen Besuch.
Die preußische Festung Cöln mit dem Inneren (1815) und Äußeren (1873) Festungsgürtel wird mit Plänen, Schautafeln und Exponaten umfangreich dokumentiert. Eindrucksvoll wird die letzte original erhaltene „Zugbrücke“ vorgeführt. Es gibt Führungen für Einzelgäste oder Gruppen. Außenstelle: Der äußerst gut erhaltene Röhrenbunker aus dem Zweiten Weltkrieg vor dem Oberlandesgericht in Köln wird einmal im Monat geöffnet.
