Köln – Arme Eltern: Xbox 360 oder Xbox One, PSP oder PS Vita, Wii oder Wii U? Und Nintendo macht mit: Auf seine erfolgreiche Taschenkonsole DS ließ man den 3DS und den 3DS XL folgen, deren Nachfolgemodell verwirrenderweise 2DS hieß. Der „New Nintendo 3DS“ und der „New Nintendo 3DS XL“ sind die jüngsten Neuzugänge, eine Namensgebung, die auch nicht für mehr Klarheit sorgen wird. Dahinter stehen keine völlig neuen Geräte, sondern überarbeitete Versionen der Vorgänger. Spielmodule für 3DS und 2DS passen also auch in die neuen Modelle. Da die Preise zudem auf dem gleichen Niveau wie die der älteren Geräte liegen, dürfte Neueinsteigern die Kaufentscheidung leichtfallen. Aber lohnt sich der Kauf auch, wenn man schon einen 3DS besitzt?
Kamera erfasst Position
Der untere Bildschirm des „Double Screen“ ist berührungsempfindlich und dient der Steuerung. Der obere Bildschirm des „New 3DS“, der das Spielgeschehen in 3D zeigt, ist mit 3,88 Zoll geringfügig größer als der des 3DS (3,53 Zoll). Der verblüffende 3-D-Effekt, der sich ohne Spezialbrille einstellt, wurde merklich verbessert. Früher genügte eine leichte Bewegung, um die Illusion zu stören, viele Spieler schalteten die Funktion deshalb ab. Nun erfasst die Kamera die Position des Kopfes, der Effekt wird entsprechend angepasst. Das gibt dem Spieler die Freiheit, das Gerät beim Spielen hin und her zu bewegen, ohne dass der Spaß darunter leidet. Die räumliche Tiefe bleibt erhalten, selbst wenn man von der Seite auf den Bildschirm schaut. Das macht sich besonders bei Spielen bemerkbar, die wie „Monster Hunter 4 Ultimate“ für das neue System optimiert wurden.
Bei vielen Spielen vermisste man bislang einen zweiten Steuerstick. Dieser wurde nun rechts oben neben dem Touchscreen ergänzt. Allerdings handelt es sich nicht wirklich um einen Stick, sondern um einen etwas schwergängigen Steuerknopf, der mit dem zweiten Analogstick der Playstation Vita nicht mithalten kann. Trotzdem ermöglicht er es etwa in „Resident Evil: Revelations“ zu schießen und sich gleichzeitig zu bewegen. Das ging bisher nur mit dem 3DS-Zubehörteil „Schiebepad Pro“, das mit dem 3DS XL nicht kompatibel war. Das neue Modell verfügt zudem wie das Schiebepad über zusätzliche Schultertasten, die die Steuerung intuitiver und komfortabler machen. Auch im Innenleben hat sich etwas getan. Die Internet-Verbindung via WiFi ist merklich schneller, Akku- und Prozessorleistung wurden verbessert. Letzteres lässt Spiele flüssiger laufen, birgt allerdings auch einen Wermutstropfen für Nintendo Fans: Absehbar werden wohl Spiele für die „New Nintendo“-Reihe erscheinen, mit denen ältere Modelle überfordert sind. Das ist schon jetzt bei den „amiibo“-Sammelfiguren der Fall. Sie benötigen eine drahtlose NFC-Verbindung, wie sie nur Wii U und die neuen 3DS-Varianten besitzen.
Fazit
Die New Nintendo-Reihe ist ab sofort die erste Wahl bei den Nintendo-Taschenkonsolen. Beide Modelle glänzen durch hervorragende Verarbeitung und sinnvolle Verbesserungen. Sie strafen, ebenso wie Sonys PS Vita, die oft geäußerte These Lügen, dass sich mobile Spielkonsolen in Zeiten von Smartphones und Tablets überholt hätten. Die zahlreichen Bedienelemente lassen die auf einen Touchscreen limitierte Steuerung alt aussehen. Die Qualität der Mehrzahl der Spiele sucht man in den von Free-to-Play-Abzockern und Werbung verseuchten App Stores meist vergeblich. Wer bereits einen 3DS besitzt, sollte die Anschaffung davon abhängig machen, wie wichtig ihm der 3-D-Effekt und der zweite Steuerstick sind. Denn bis Spiele erscheinen, die nur auf den Neuen laufen, wird es wohl noch eine Weile dauern.
