Wenn der Sommer da ist, bilden sich regelmäßig zwei Gruppen von Menschen. Die einen sind möglichst viel auf Reisen, lernen fremde Länder kennen oder relaxen einfach in einer neuen Umgebung. Die anderen bleiben mehr oder minder freiwillig zu Hause und verbringen dort ihre Freizeit. Wer nicht nur im Liegestuhl oder vor dem Fernseher sitzen will, greift gerne zu einem Spiel. Das bietet Entspannung, Geselligkeit und auch etwas geistige Herausforderung.
Die Reisenden bevorzugen da eher kleine, handliche Spiele, die leicht ins Gepäck passen und nicht zu lange dauern. Spiele, die zu Hause gespielt werden, können problemlos viel Material enthalten und dürfen auch schon mal recht lange dauern. Schön ist es, wenn sie ein attraktives Thema haben und die Spieler zumindest in der Fantasie auf Reisen schicken. Für beide Zielgruppen stellen wir spannende Titel vor.
Ugo
Ganz einfach und doch sehr vertrackt, das ist „Ugo“, ein ziemlich ungewöhnliches Stichspiel. Fünf Kartenfarben gibt es zur Auswahl. Die ausgespielte Farbe muss bedient werden, wenn es geht. Den Stich gewinnt, wer den höchsten Wert gelegt hat, unabhängig von der Farbe. Trickreich ist die Wertung. Die Karten werden nach Farben sortiert ausgelegt. Am Ende zählt nur die oberste Karte auf dem Stapel! Und nicht jeder Stapel hat die gleichen Chancen. Bei einigen kann es sogar Minuspunkte geben, wenn man die falschen Karten im Stich hatte – „Ugo“ ist ein ebenso ungewöhnliches wie spannendes Spiel. Auch erfahrene Kartenspieler müssen komplett umdenken. Die gute Anleitung mit vielen Beispielen erleichtert den Einstieg.
Ugo! von Hoekstra, Jansen, Zuidhof, 2-4 Personen ab 10 Jahren, ca. 40 Min., Verlag Kosmos, ca. 13 Eurowww.kosmos.de
Träxx
Wenige, klare Regeln, wenig Material, viel Spaß und Herausforderung. Das ist das Geheimnis von „Träxx“. Jeder erhält einen Folienstift und einen abwaschbaren Plan. Dieser zeigt ein Muster aus Sechsecken in verschiedenen Farben. Einige Felder zeigen Zahlen. Man verbindet die Felder so mit einer Linie, dass möglichst wertvolle Zahlenfelder berührt werden. Dabei darf sich die Linie nie kreuzen. Da muss man aufpassen, dass die Linie nicht in einer Sackgasse endet. Beim Zeichnen gibt es Einschränkungen. Karten geben vor, welche Farben jeder im aktuellen Zug berühren muss, z. B. Grün – Rot – Blau – Gelb. Wie bildet man daraus bloß den optimalen Weg? Was werden die nächsten Farben sein? Was sich so einfach liest, ist im Spiel eine Kniffelei. Toll!
Träxx von S. Benndorf, R. Staupe, 1-4 Personen ab 8 Jahren, ca. 25 Min., Nürnberger Spielkarten-Verlag, ca. 15 Eurowww.nsv.de
Crossboule
Wer kennt nicht Boule, das französische Nationalspiel? Jeder Teilnehmer hat drei schwere Metall- oder Holzkugeln. Eine kleine hölzerne Zielkugel, das Cochonnet, wird geworfen. Reihum werfen die Spieler einzeln ihre Kugeln in Richtung Ziel. Sind alle drei Kugeln geworfen, gewinnt der, dessen Kugel dem Ziel am nächsten liegt. Während Boule auf einer Sandbahn, dem Boulodrome, gespielt wird, lässt sich „Crossboule“ überall spielen: Auf der Straße, einer Treppe, in einer Passage und in der Wohnung. „Crossboule“ verwendet statt harter Kugeln mit Granulat gefüllte Stoffsäckchen. Die können nicht wegrollen und beschädigen nichts. Die leichten Stoffbeutel lassen sich gut überall hin mitnehmen. Eine clevere Weiterentwicklung des Klassikers.
Crossboule von M. C. Caliman, Packung für 2 Personen ab 5 Jahren, ca. 15 Min., Zoch Spiele, ca. 22 Euro, Zusatzbälle für 1 Person ca. 13 Eurowww.zoch-verlag.com
Qwixx
Ein Block, ein Stift und sechs Würfel, mehr braucht es nicht für eine Partie „Quixx“. Der Block zeigt vier Zahlenreihen in den Farben der vier Farbwürfel. Ziel ist, die Reihen möglichst komplett abzuhaken. Der aktive Spieler wirft vier Farb- und zwei weiße Würfel. Die Summe der beiden Weißen darf jeder in einer beliebigen Reihe abhaken. Der aktive Spieler darf noch eine weitere Summe abhaken. Kann er kein Ergebnis nutzen, weil die Felder bereits abgehakt sind, markiert er einen „Fehlwurf“. Hat jemand den vierten Fehlwurf, ist die Partie sofort zu Ende. Böse nur, dass man mit etwas Glück Farbreihen für alle Spieler sperren kann. Für abgehakte Felder gibt es Pluspunkte, für Fehlwürfe Minus. „Qwixx“ ist spannend. Wer einmal anfängt, verlangt immer noch eine Revanche.
Qwixx von Steffen Benndorf, 2-5 Pers. ab 8 Jahren, ca. 15 Min., Nürnberger Spielkarten-Verlag, ca. 8 Eurowww.nsv.de
Evolution
„Evolution“ lässt uns die Entwicklung von außergewöhnlichen Tierarten erleben. Die eigenen Tiere sollen möglichst zahlreich und langfristig überleben. Mit Karten verschafft man den Rassen neue Eigenschaften. So kommt vielleicht ein „Gefräßiger Langhals-Kletterer“ zustande. Die Karten können aber auch die Anzahl der Tiere erhöhen oder ihre Körpergröße. Aber Tiere überleben nur, wenn sie genug zu fressen haben. Das Nahrungsangebot schwankt in jeder Runde. Jetzt helfen einige Eigenschaften, „Langhälse“ fressen zuerst, „Fette“ speichern Nahrung und „Intelligente“ finden immer etwas. Im weiteren Verlauf erscheinen Fleischfresser, die ihre Konkurrenten verspeisen. „Evolution“ ist ein dynamisches und spannendes Spiel.
Evolution von D. Crapuchettes, D. Knorre, S. Machin, 2-5 Personen ab 10 Jahren, ca. 45 Min., Schmidt Spiele, ca. 29 Eurowww.schmidtspiele.de
Da Luigi
Dolce Vita im Restaurant „Da Luigi“. In der Küche geht es hektisch zu. Die Gäste haben alle unterschiedliche Gerichte à la carte bestellt und nun müssen die Zutaten besorgt werden. Aber das Besorgen und die Zubereitung kosten Zeit. Jeder Gast wartet aber nur eine bestimmte Zeitspanne, dann geht er und hinterlässt eine schlechte Kritik. Also gilt es, die Zutaten möglichst effizient auf die Bestellungen zu verteilen, auch wenn dann schon mal ein Gast wütend das Lokal verlässt. Das macht ein begeisterter Kunde vielleicht wieder wett. Und dann kommen auch noch laufend neue Gäste. Meist sind das ziemliche Problemgäste, die einem die Konkurrenz ins Haus geschickt hat. „Da Luigi“ ist ein lockeres Optimierungsspiel mit viel Glücksanteil und einigem Ärgerfaktor.
Da Luigi von Rüdiger Dorn, 2-4 Personen ab 8 Jahren, ca. 45 Min., Kosmos Verlag, ca. 27 Eurowww.kosmos.de
Neptun
Schon in der Antike herrschte ein reger Fernhandel. Karawanen öffneten Handelswege bis nach China und Zentralafrika. Schiffe brachten die Waren zu den Zentren rund ums Mittelmeer. Die Spieler schlüpfen in die Rolle römischer Reeder. Sie buhlen um Aufträge. Wer zu lange auf die ideale Fracht wartet, muss nehmen, was übrig ist. Auf der optimalen Route werden besonders viele Aufträge erfüllt. Wechselnde Winde machen die Fahrt unberechenbar. Für erfüllte Transporte gibt es Gold, aber die Tempel erwarten reiche Spenden. Ein Reeder muss das Beste aus der Situation machen. Eine sichere Strategie gibt es nicht. Das scheint zunächst komplex zu sein, doch die gute Regel erleichtert den Einstieg. Man taucht ein in das Leben antiker Händler, die viel Glück brauchten.
Neptun von Dirk Henn, 3-5 Personen ab 8 Jahren, ca. 90+ Min., Queen Games, ca. 35 Eurowww.queen-games.de
Vienna
Im Wien des 19. Jahrhunderts ist das völlig abstrakte Spiel thematisch angesiedelt. Jeder Spieler hat fünf Würfel zur Verfügung, die er auf diversen Gebäuden in Wien optimal platzieren will. Dadurch gewinnt man Vorteile wie die Gunst wichtiger Personen, Siegpunkte oder Zusatzwürfel. Um ein oder zwei Würfel zu setzen, muss das Ergebnis genau der Zahl im Gebäude entsprechen. Dumm nur, wenn ein Konkurrent sich schon breit gemacht hat. So muss man genau abwägen, welche Gebäude wertvoll erscheinen, welche man ignoriert. „Vienna“ besteht aus einer gelungenen Mischung aus Taktik und spannendem Würfelglück. Es fordert heraus, aber die Spieldauer ist kurz genug, so dass eine Partie leicht und locker entspannend bleibt.
Vienna von J. Schmidauer-König, 3-5 Personen ab 10 Jahren, ca. 40 Min., Schmidt Spiele, ca. 27 Eurowww.schmidtspiele.de
