Zum neuen Jahr nehmen sich viele Menschen Großes vor: Abnehmen, gesünder leben, mehr Sport treiben, nicht mehr rauchen und mehr Zeit mit der Familie verbringen. Dass das in den seltensten Fällen klappt, wissen wir alle. Trotzdem werden in jeder Silvesternacht wieder viele Vorsätze gefasst. Warum lassen wir das nicht einfach – und besinnen uns auf das, was wir gut gemacht haben? Statt uns selbst verändern zu wollen, sollten wir lieber unsere Stärken erkennen und fördern.
„Die meisten Menschen schauen nur auf das, was nicht klappt und vergessen, was sie alles erreicht haben“, sagt die Psychotherapeutin Christina Hennen, die auch als Coach arbeitet. Dabei fällt es uns viel leichter, etwas zu tun, was wir schon können, als etwas ganz Neues anzufangen. Wenn wir unsere Stärken kennen und bewusst einsetzen, fällt uns vieles im Leben leichter. Wie das gelingen kann, lesen Sie hier.
Bilanz ziehen und positives entdecken
Blicken Sie auf das vergangene Jahr zurück und schreiben oder malen Sie alles auf, was Ihnen gut gelungen ist, was Ihnen gut getan hat und worauf Sie stolz waren. Fragen Sie auch Freunde und Bekannte. Alles, was Ihnen leicht fällt, können Sie gut. Das dürfen auch Kleinigkeiten sein. „Was mühelos gelingt, wird stets unterschätzt. Doch genau da verstecken sich die Stärken“, weiß Susanne Lübben. „Sagen Sie niemals: Das ist selbstverständlich, das kann doch jeder.“ Feiern Sie Ihre Erfolge und lesen Sie sich Ihre Stärken immer wieder durch, vor allem, wenn Sie sich schlecht fühlen. „Die meisten Menschen schauen nur auf das, was nicht klappt. Diese Fokussierung auf Probleme macht uns unkreativ“, sagt Christopher Rauen.
Stärken bewusst einsetzen
Wer sich seiner Stärken bewusst ist, kann diese auch gezielt einsetzen und wird von den Ereignissen nicht mehr überrollt. Wenn Sie beispielsweise erfolgreich eine Gehaltsverhandlung geführt haben, fragen Sie sich, welche Stärken Sie dafür gebraucht haben: Sie waren kommunikativ, freundlich und gründlich. Das können Sie sich immer wieder zunutze machen
Eigene Bedürfnisse beachten
Überlegen Sie, was Sie wirklich wollen. Erinnern Sie sich, was Ihnen wirklich gut getan hat und schaffen Sie sich mehr von diesen Momenten. Stärken können nur wirken, wenn die eigenen Wünsche wahrgenommen und erfüllt werden. Schreiben Sie also auch auf, was Ihnen im abgelaufenen Jahr zu viel war und was Ihnen geschadet hat. Achten Sie auf Ihre Gefühle: Kopf- und Bauchschmerzen sind oft ein Zeichen, dass etwas nicht passt. Trennen Sie sich davon! Fragen Sie sich, was schlimmstenfalls und was bestenfalls passiert, wenn Sie etwas beenden oder nicht mehr machen.
Innere Antreiber entdecken und entkräften
Im Coaching gibt es die Theorie der „Inneren Antreiber“, die unser Verhalten beeinflussen. Die wichtigsten lauten: „Sei perfekt!“, „Sei stark!“, „Mach’ es allen Recht!“, „Streng’ dich an!“ und „Beeil’ dich!“. Welcher davon einen am stärksten steuert, lässt sich mit dem sogenannten Antreiber-Test herausfinden, den man auf www.lerncoaching-berlin.com/antreibertest findet. Statt sich von solchen Sätzen durchs Leben peitschen zu lassen, sollte man sich an sogenannten „Erlaubersätzen“ orientieren, die jedem Antreiber gegenüber stehen. Beispiel: Menschen, die perfekt sein wollen, sagen: „Ich gebe mein Bestes. Das reicht.“ Menschen, die es allen Recht machen wollen, sollten sich vor Augen halten, dass Ihre eigenen Bedürfnisse auch wichtig sind und sie nicht an allem schuld sind. Linktipp: www.relax-and-power.de
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Nicht vergleichen
Wer sich immer nur an Anderen orientiert, verliert sich selbst und riskiert Frustrationen. Jeder Mensch hat andere Bedürfnisse und Vorstellungen. „Der Leistungsdruck ist hoch. Die Menschen schauen immer nur auf Ihre Defizite“, weiß Christina Hennen. Früher sei das sinnvoll gewesen, um sich im Kampf mit dem Säbelzahntiger nicht zu überschätzen, ergänzt Susanne Lübben. Heute lähme uns diese Einstellung aber eher.
Schritt für Schritt planen
Der Wunsch, von heute auf morgen keine Süßigkeiten mehr essen zu wollen, wird niemals wahr. Gehen Sie Ihr Ziel graduell an. „Der Satz: Entweder 100 Prozent oder gar nicht, ist unrealistisch. Jeder, der seine zu hohen Vorsätze nicht erfüllt, fällt umgehend wieder ins alte Muster zurück. Dabei sind auch zehn Prozent schon gut, wenn man etwas erreichen will“, sagt Christopher Rauen.
Und weiter: „Machen Sie sich das, was gut läuft, systematisch zunutze. Sie haben zwar nicht mit dem Rauchen aufgehört, gehen dafür aber einmal pro Woche laufen? Gut so. Vielleicht können Sie das noch steigern.“ Wenn Sie etwas verändern möchten, konkretisieren Sie den ersten Schritt. Planen Sie realistisch – behalten Sie also auch Ihre familiäre und finanzielle Situation im Blick – und überprüfen Sie Ihre Ziele regelmäßig. Dabei hilft eine To-Do-Liste, auf der Sie Erreichtes abhaken.
Schwächen eingestehen
Christina Hennen Kinder- und Jugendpsychotherapeutin, Diplom-Sozialpädagogin und Coach
Susanne Lübben Vorstandsvorsitzende des Deutschen Verbands für Coaching und Training
Christopher Rauen Vorstandsvorsitzender des Deutschen Bundesverbands Coaching
Stellen Sie das automatische schlechte Gewissen ab. Begegnen Sie sich selbst wie einem guten Freund, gestehen Sie sich Schwächen zu und lernen Sie, sich zu verzeihen. Wenn Sie etwas ändern wollen, zum Beispiel nicht mehr Rauchen, machen Sie auch einen Plan für mögliches Scheitern. „Nehmen Sie die Niederlage geistig vorweg, damit Sie nicht das Gefühl haben, komplett versagt zu haben.
Wenn Sie doch geraucht haben, bleiben Sie trotzdem bei Ihrem Vorsatz. Teilen Sie sich die Schachtel für den Rest der Woche ein, aber werfen Sie nicht gleich alles über Bord“, rät Rauen. Schaffen Sie Wahlmöglichkeiten. Rauen: „Der Satz: »Ich muss« funktioniert nie. Besser: »Ich habe die Wahl«. Sagen Sie also nicht: »Ich muss aufhören zu rauchen«, sondern: »Ich fange an, statt dessen öfter mal Pastillen zu lutschen«. So fehlt Ihnen nichts, aber Sie haben eine Handlungsalternative dazu gewonnen. Das kann oft helfen.“
Verantwortung übernehmen
Suchen Sie sich gerne Menschen, die Sie unterstützen, aber geben Sie nicht die Verantwortung ab, indem Sie zum Beispiel sagen: „Ich mache nur Sport, wenn mein Partner mitkommt.“ Seien Sie erwachsen und nicht länger der Getriebene, der anderen Menschen ausgeliefert ist. Sie allein sind für die Erfüllung Ihrer Bedürfnisse verantwortlich.
Buchtipp: Kitz, Volker/Tusch, Manuel: „Ich will so werden, wie ich bin“, Campus Verlag, 207 Seiten, 12,99 Euro
