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Weihnachten mit der FamilieWas zu tun ist, bei zu viel Weihnachtsnörgelei

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„Mir ist noch gar nicht weihnachtlich zumute!“

Nicht jeder ist empfänglich für die klassischen Ingredienzien: Baum, Geigenklänge, Glühwein. Manche reagieren auf Traditionelles ablehnend bis genervt. Falko Löffler, Autor des Buches „Ich kann da nicht nüchtern hin – Familienfeiern und wie man sie überlebt“ (Goldmann 8,99 Euro), weiß, wie es mit der Weihnachtsstimmung doch noch klappen kann: „Es wird alles an den Leuten hängen, mit denen Sie sich umgeben. Halten Sie sich an diejenigen, in deren Gesellschaft Sie sich wohlfühlen und die bei der Weihnachtsgestaltung ähnlich wie Sie ticken. Sie haben nicht so viel Auswahl und wissen, dass Sie keinen Radar für die Atmosphäre haben? Stehen Sie es durch. Lästern Sie nicht rum, selbst wenn es von Ihnen erwartet wird. Heben Sie sich divergierende Meinungen zu populären Themen für den ersten und zweiten Feiertag auf, da ist jede Art von Schwung nötig, weil die Essensaufnahme hochgefahren wird. Echte Weihnachtsstimmung kommt am 27.12. auf, wenn Sie wissen: es ist überstanden. Wie schön.“Falko Löffler, Experte für Familienfeiern

„Der Baum steht schief und die Kugeln sind auch nicht poliert“

Dauernde Nörgelei über Deko, Essen und Rituale wird oft den Schwiegermüttern zugeschrieben – dabei kann jeder, der mies gelaunt ist, diese Rolle einnehmen. Coach und Profi-Rednerin Cordula Nussbaum rät, die Vorwürfe wenn möglich an sich abprallen zu lassen. Auf jede Stichelei einzugehen macht wenig Sinn, besser man lässt die – oft subtilen – Vorwürfe ins Leere laufen. Viel effektiver: Im nächsten Jahr die Organisation des Festes einfach den Nörglern zu überlassen. Coach Cordula Nussbaum

„Deine Tochter hat einfach keine Manieren!“

Kommunikationsberaterin Bärbel Mechler weiß, was man auf solche und andere unangemessene Sprüche am besten antwortet – und den Frieden unterm Tannenbaum trotzdem wahrt: „Es tut uns leid, dass du dich nicht mit uns freuen kannst. Bitte sage uns, wenn wir deine Geduld überstrapazieren. Dann bringen wir dich selbstverständlich wieder nach Hause. Schließlich hast ja auch du das Recht auf ein friedvolles Fest.“ Oder: „Ja, so ist das im Leben. Die Auffassungen darüber, was gut und schlecht ist, gehen doch sehr weit auseinander.“ Alternativ: „Wenn wir der Meinung wären, dass wir an unserer Erziehung etwas ändern sollten, dann hätten wir es bestimmt schon getan.“ Oder direkt an das Kind gewandt: „Du hast keine schlechten Manieren und wir lieben dich genauso wie du bist.“ Falls nun doch eine hitzige Debatte entsteht, lässt sich zur Beendigung dieser ganz sachlich sagen: „Oh, das hast du jetzt falsch aufgefasst. Was ich gesagt habe, war keine Diskussionsgrundlage, sondern nur eine Information.“Gesprächsprofi Bärbel Mechler

„Über ein persönliches Geschenk hätte ich mich mehr gefreut“

Bei so einer Reaktion steckt mehr dahinter als das bloße Nichtgefallen des Präsents. Paarberater Christian Thiel: „Beim Schenken geht es immer um die Frage: Wie viel ist der andere bereit für mich zu tun?“ In Wahrheit gehe es nicht um die neue Bratpfanne, sondern um Gefühle: Bist du noch für mich da? Siehst du noch, wer ich bin? „In einer emotional aufgeladenen Situation wie der Bescherung kann ein liebloses Geschenk ein ohnehin brodelndes Fass zum Überlaufen bringen.“ Die beste Reaktion: Eine ehrliche Entschuldigung und die ernst gemeinte Frage, wie sich die Situation zum Positiven wenden lässt. Etwa: „Es tut mir leid, soll ich es umtauschen?“ Möglichst ohne Zynismus und ohne gekränkten Stolz. Paarberater Christian Thiel

„Ihr lasst ja sonst nie von Euch hören/Du meldest dich nie“

Vor allem die ältere Generation beschwert sich häufig über zu wenig Kontakt im Alltag – und als Sohn oder Schwiegertochter fühlt man sich dann vom schlechten Gewissen geplagt. Familienexpertin Cordula Nussbaum rät: „Das ist kein Konflikt, den man an Weihnachten lösen kann. Rechtfertigungen helfen hier nicht. Druck kann man rausnehmen, indem man erst einmal zustimmt – und gemeinsam überlegt, was in Zukunft anders werden kann.“ Wenn es unter der Woche sehr stressig ist, darf man das auch klar kommunizieren. Wahrscheinlich ist der Vorwurf aber eher ein Wunsch, mehr am Leben des anderen teilzuhaben. Wer den Satz nicht als Rüge, sondern als Bitte nach mehr Zusammengehörigkeit auffasst, kann wirklich etwas ändern – und beide Seiten glücklich machen.

„Die Gans war letztes Jahr saftiger“

Damit es zu diesem Satz gar nicht erst kommt, rät TV- und Profiköchin Lea Linster zum Pochieren. Die Gans wird zunächst in einen Topf mit wenig Salz und kaltem Wasser gelegt. Wenn dieses dann leicht köchelt, bleibt das Tier etwa 25 Minuten im Topf. „So wird die Haut schön trocken und ist ideal vorbereitet für den Ofen“, sagt Linster. Ihr Tipp: Den Braten schon mittags in den Ofen schieben, dann etwa zwei Stunden bei Zimmertemperatur ruhen lassen und erst kurz vor dem Essen wieder auf Temperatur bringen. „Während der letzten halben Stunde immer wieder mit Bratensaft übergießen, so entsteht der schöne Glanz.“ Und falls der Weihnachtsbraten doch mal zu trocken geworden ist? „In hauchdünne Scheiben schneiden, in die Sauce legen, gutes Gemüse und ein Rösti dazu servieren. Und unbedingt so tun, als wäre das genau so geplant gewesen!“ Sich also bitte nicht schon im Voraus entschuldigen. Sollte zu viel Salz in die Sauce gerutscht sein, kann eine rohe Kartoffel retten, die gut bindet. „Oder ein Schuss Sahne und etwas Wasser.“ Profiköchin Lea Linster

Die Weihnachtsgefühle der Deutschen Eine repräsentative Umfrage von 2012 hat ergeben: Bei 13 Prozent der Deutschen sorgt allein die Entscheidung, mit wem genau sie Weihnachten feiern, jedes Jahr aufs Neue für Diskussionen. Für die meisten Deutschen scheint das Fest harmonisch zu verlaufen. Doch 12,3 Prozent der Befragten berichten, dass regelmäßig verdrängte Konflikte aufbrechen, wenn sie an den Feiertagen Familienmitglieder treffen, die sie sonst nicht so häufig sehen. „Stille Nacht, Heilige Nacht“ gilt jedenfalls nicht für alle: Fast jeden Vierten (23,7 Prozent) stört es sehr, dass man an Weihnachten plötzlich die perfekte Familien-Harmonie leben soll. Befragt wurden knapp 2000 Personen ab 14 Jahren.