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Wilde ErnteViel Freude am Wildobst

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Haselnuss

Orangefarbene Vogelbeeren, blaue Schlehen, leuchtend rote Kornelkirschen: Wenn die Blätter fallen, bleiben oft noch die letzten Beeren an den Bäumen und Sträuchern. Wildobst ist eine Bereicherung im Garten, die essbare Früchte trägt und schön aussieht. Nicht nur im Herbst, auch schon im Frühjahr: Felsenbirnen oder Schlehen tragen üppige weiße Blüten. „Das macht Wildobst auch so nützlich für Bienen“, sagt Gärtnermeister und Baumschulinhaber Oliver Fink.

Doch was genau ist Wildobst? Eine klare Definition gibt es nicht. „Der Begriff bezeichnet eher eine Tendenz“, sagt Burkhard Kayser, Wildobstexperte und Berater für nachhaltige Landnutzung aus Minden. „Es sind Sorten, die züchterisch wenig oder gar nicht bearbeitet sind. Aber oft auch solche, die bei uns einfach nicht so bekannt sind.“ Mini-Kiwis, großfrüchtige Schlehen, Zieräpfel wie „Red Sentinel“, sie alle fallen unter den Begriff Wildobst. Viele Sorten sind durch Auslese gezüchtet, etwa der ertragreiche Holunder „Haschberg“ mit seinen schweren Doldentrauben. Die Früchte sind oft nur in verarbeiteter Form genießbar, haben aber meist ein ungewöhnliches Aroma.

Als giftig verrufen

Seit einigen Jahren liegt Wildobst im Trend. Kornelkirschen (Cornus mas) sind im Kommen, hat Oliver Fink festgestellt. Vor allem in Süddeutschland und Österreich sind die knallroten Kirschen bekannt, die oft als giftig verrufen sind. Doch auch in unseren Breiten werden sie immer öfter in Gärten gepflanzt. „Kornelkirschen sind als Frucht so interessant, dass es inzwischen Selektionszüchtungen gibt“, sagt Fink. Das Gehölz ist nicht aufwendig in der Pflege, lässt sich gut in Hecken integrieren und blüht schon früh im Jahr.

Ebenfalls hoch im Kurs steht Holunder (Sambucus nigra), wozu laut Fink die Szenegetränke der vergangenen Jahre beigetragen haben – Beerenlimonade und Blütensirup. „Seit drei bis fünf Jahren haben wir eine hohe Nachfrage.“ Holunder wird zwar groß, hat aber weiches Holz und kann daher problemlos stark zurückgeschnitten beziehungsweise abgesägt werden. So lässt sich die Wildpflanze im Zaum halten. „Aber für sehr kleine Gärten, etwa 20 bis 40 Quadratmeter, würde ich Holunder nicht empfehlen“, sagt Fink.

Nüsse – etwa Hasel, Walnuss oder auch Maronen – gehören ebenfalls zum Wildobst. Neben den gewöhnlichen gibt es auch robuste Sorten mit großen Früchten, etwa die Haselnuss „Wunder aus Bollweiler“ oder die „Hallesche Riesennuss“. Wer der Natur ihren Lauf und die Eichhörnchen pflanzen lässt, weiß nicht, was für ein Baum da entsteht. Denn auch Nüsse verkreuzen sich und die Nachkommen sind nicht mit den Eltern identisch. Sicherer ist die vegetative Vermehrung, leicht lässt sich ein Haselnussstrauch aus einem Steckholz ziehen.

Herbst und Winter sind der optimale Zeitpunkt, Wildobstgehölze zu pflanzen – so lange der Boden nicht gefroren ist. Viele Sorten sind nur über gute spezialisierte Baumschulen erhältlich.

Die meisten Sorten stellen wenig Ansprüche, sind pflegeleicht, unempfindlich gegen Krankheiten und lassen sich gut beschneiden.

Auf dem Balkon ist zwar keine große Ernte zu erwarten, aber wer Wildobst pflanzen will, kann zum Beispiel eine kleine Felsenbirne in einem Kübel ziehen.

Um Erträge zu bekommen, müssen die Blüten befruchtet werden. Bei vielen Sorten müssen passende Bestäuberpflanzen in der Nähe wachsen. Beim Kauf nachfragen.

Viel Vitamin C

Ebereschen (Sorbus aucuparia), auch als Vogelbeeren bekannt, sind zwar bitter, aber nicht giftig, wie es noch häufig behauptet wird. Sie sind sogar gesund, weil sie viel Vitamin C enthalten. „Die Sorte Edulis hat wenig Bitterstoffe, die alte DDR-Sorte Rosina gar keine“, sagt Kayser. „Mit Birnenmus zum Beispiel lässt sich eine delikate Marmelade daraus kochen“, sagt Kayser. In der Eifel und in Österreich wird Schnaps daraus gebrannt, in Schweden werden sie zu Gelee verarbeitet.

Die Felsenbirne (Amelanchier) hat fast das ganze Jahr über etwas zu bieten: Im April blüht sie, im Juni setzt sie Früchte an, im Herbst färbt sich das Laub rot, sagt Kayser. Es gibt zwei Arten: die bei uns heimische, Amelanchier ovalis, die sogar in Kübel gepflanzt werden kann, und die Kanadische, Amelanchier canadensis. Sie wird auch in Deutschland allmählich bekannter, die Sorte „Prince William“ zum Beispiel trägt große Früchte, die auch roh gut essbar sind. „Sie schmecken wie eine Mischung aus Birnen und Heidelbeeren“, sagt Kayser.

Zierquitten (Chaenomeles) sind ertragreiche, niedrige Sträucher, die botanisch gar nicht mit Quitten (Cydonia) verwandt sind. Die sauren Früchte lassen sich bis in den November hinein ernten und können Zitronen ersetzen. Die Sorte „Cido“ zum Beispiel wurde in Lettland gezüchtet und hat besonders viel Vitamin C. „Kochen Sie ein Mus daraus und arbeiten es wie Zitronensaft in ein Dressing ein“, rät Kayser.

Auch Schlehen, für die man im Garten viel Platz braucht, können jetzt noch geerntet werden. „Sie sind etwas mühsam zu verarbeiten wegen der großen Steine, an denen das Fruchtfleisch sehr fest sitzt“, sagt Kayser. Likör lässt sich relativ einfach herstellen, „zerstoßen Sie aber auch die Kerne, das gibt Aroma“.

Wer Wildobst in den Garten holt, setzt nicht nur pflegeleichte und robuste Pflanzen, sondern tut auch etwas für die Artenvielfalt, denn Vögel und Insekten kommen die Pflanzen zugute. Sie finden Rückzugsmöglichkeit in den oft dichten Sträuchern. Und werden die Früchte mal nicht geerntet, freuen sich wiederum die Tiere.