Eine neue Studie wirft Tech-Konzernen vor, die Umweltschäden durch KI zu verschleiern und mit falschen Versprechen zu werben.
Heftige Kritik an KIUmweltverbände werfen Tech-Konzernen Greenwashing vor

Umweltverbände werfen der Tech-Branche vor, die Klimafolgen von KI zu beschönigen.
Copyright: Julian Stratenschulte/dpa
Große Firmen im KI-Sektor sehen sich mit dem Vorwurf von Umweltorganisationen und NGOs konfrontiert, die ökologischen Auswirkungen ihrer Software zu verharmlosen. Der erhebliche Energieverbrauch neuer Rechenzentren wird von Technologiekonzernen oft damit begründet, dass KI ein zentrales Instrument zur Lösung der Klimakrise darstelle. Eine Analyse, durchgeführt von mehreren NGOs wie AlgorithmWatch und Beyond Fossil Fuels, gelangt allerdings zur Erkenntnis, dass diese Aussagen auf einer unzureichenden Datengrundlage fussen. Die Verfasser der Untersuchung beschuldigen die Industrie, durch gezielte Falschinformationen von Umweltschädigungen abzulenken.
Die mangelnde Unterscheidung im Gebrauch des Begriffs Künstliche Intelligenz stellt einen wesentlichen Kritikpunkt der Studie dar. Es wird in der Analyse dargelegt, dass die von Firmen wie Google oder Microsoft angepriesenen günstigen Effekte für das Klima sich beinahe komplett auf traditionelle KI-Programme beziehen. Modelle zur Wetterprognose fallen beispielsweise in diese Kategorie.
Abgrenzung von traditioneller und generativer KI
Allerdings wird die gegenwärtige Hochphase und der damit einhergehende umfangreiche Ausbau von Datenzentren hauptsächlich von sogenannter „generativer“ KI für Privatnutzer befeuert. Gemeint sind damit Systeme wie ChatGPT, Copilot oder Gemini, die zur Erstellung von Texten, Bildern und Videos fähig sind. Für solche Programme mit hohem Ressourcenbedarf fanden die Verfasser der Studie keinen einzigen Fall, der eine belegbare und signifikante Minderung von Treibhausgasen nachweist.
Die Autoren stufen die Verbindung des klimatischen Nutzens traditioneller KI mit der Erweiterung generativer Modelle als eine neue Variante des „Greenwashings“ ein. Mit diesem Begriff wird eine Taktik beschrieben, bei der durch missverständliche, vage oder unbewiesene Aussagen über vermeintliche ökologische Vorzüge ein umweltfreundlicheres Ansehen geschaffen wird, um von den realen Umweltschädigungen abzulenken.
Unzureichende Belege für Klima-Zusagen
Im Zuge der Analyse wurden 154 Behauptungen mit großer öffentlicher Reichweite von Technologiekonzernen und Institutionen bezüglich der positiven Klimawirkung von KI untersucht. Das Resultat macht eine erhebliche Kluft zwischen den Versprechungen und der wissenschaftlichen Beweislage sichtbar: Nur 26 Prozent der geprüften Äußerungen basierten auf publizierten wissenschaftlichen Arbeiten. Für 36 Prozent der Behauptungen gab es keinerlei Nachweise, und der überwiegende Rest bezog sich lediglich auf die firmeneigenen Webseiten oder Publikationen.
Eine Einschätzung dazu lieferte Julian Bothe, Senior Policy Manager bei AlgorithmWatch: „Wenn es Nachhaltigkeitsvorteile durch Künstliche Intelligenz gebe, dann durch Anwendungen traditioneller KI mit wenig Ressourcenverbrauch. Die großen sprach- und bildgenerierenden Modelle wie ChatGPT, um die es beim aktuellen KI-Hype vor allem geht, verbrauchen Unmengen an Strom und Wasser, verursachen CO2-Emissionen in der Höhe ganzer Länder, bringen aber keinerlei positiven Nutzen für die Umwelt.“
Die Verfasser ziehen das Fazit, dass der vermeintliche klimatische Vorteil selbst bei traditioneller KI häufig überzeichnet wird. Im Gegensatz dazu lassen sich die schädlichen Konsequenzen der KI-Expansion eindeutig beziffern. (dpa/red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.