Abo

„Beschimpft und bedrängt“FC-Influencerin berichtet von Übergriffen durch Köln-Fans

4 min
Beim Heimspiel gegen Mainz 05 soll es zu einem Übergriff gegen eine Influencerin gekommen sein.

Beim Heimspiel gegen Mainz 05 soll es zu einem Übergriff gegen eine Influencerin gekommen sein.

Rosa Jacob berichtet auf Social Media über ihr Leben als Fan. Das scheint anderen Fans nicht zu passen. Der gewaltsame Vorfall im Stadion sei kein Einzelfall, sagt sie.

„So habe ich heute das Stadion verlassen“, sagt Rosa Jacob und hält ihren linken Arm in die Kamera. Mehrere blaue Flecken sind zu sehen. „Wenn ich mich so an den Küchentisch setze, wird meine Mama mich fragen, wer mich misshandelt hat.“ Dabei hat Jacob lediglich ein Heimspiel des 1. FC Köln besucht.

Die FC-Influencerin berichtet auf Instagram, Tiktok und Youtube über ihr Leben als FC-Fan, zeigt ihre Trikotsammlung oder nimmt Follower mit auf Auswärtsfahrten. Rund 70.000 Menschen folgen Jacob auf Instagram. Dass sie in den sozialen Medien präsent ist, scheint einige Fans gegen sie aufzubringen, wie sie in einem aktuellen Video schildert. Am 17. Januar, beim Heimspiel gegen Mainz 05, soll ein Mann sie gewaltsam am Arm gepackt haben, um zu verhindern, dass sie die Südtribüne betritt. „Ich gehe seit acht Jahren in die Stehkurve, wie jedes Spiel. Auf einmal riss eine Männerhand an meinem Oberarm und zog mich zur Seite – zusammen mit Rufen wie ‚Verpiss dich‘ und ‚Du gehörst hier nicht hin‘.“

FC-Influencerin: Übergriff kein Einzelfall

Sie habe sich gewehrt und den Mann angeschrien, er solle sie sofort loslassen. Erst als ein weiterer Zuschauer eingriff und fragte, warum er Jacob nicht in die Kurve lasse, habe der Unbekannte losgelassen. Eine Erklärung bekam sie nicht. Für Jacob ist dennoch klar, warum sie angefeindet wurde: „Viele verbinden mich mit Kommerz und denken, ich würde mich am FC profilieren – was totaler Quatsch ist“, sagt sie dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Ich muss gar nicht anfangen zu argumentieren, dass ich das Recht habe, ins Stadion zu gehen.“ Allein auf Instagram haben bis Donnerstagabend rund 650.000 Menschen das Kurzvideo gesehen.

So sah der Arm von Rosa Jacob nach dem Spiel des FC gegen Mainz 05 aus.

So sah der Arm von Rosa Jacob nach dem Spiel des FC gegen Mainz 05 aus.

Der Vorfall sei kein Einzelfall, betont Jacob. „Ich werde regelmäßig aufs Übelste beschimpft und bedrängt. Mir werden Beinchen gestellt, ich werde angerempelt – und das fast bei jedem Spiel.“

Sie glaubt, dass die Angriffe auch mit ihrem Geschlecht zu tun haben. „Schon mit 15 oder 16 wurde mir hinterhergepfiffen und Sprüche gedrückt. Später hat sich das dann mit meiner Social-Media-Präsenz vermischt.“ Viele Frauen hätten ähnliche Erfahrungen gemacht, sagt sie. „Nur haben die meisten nicht die Reichweite, um darüber zu sprechen.“ 

Dass es Vorbehalte gegenüber Influencern gibt, nimmt auch Jörg Weitz, Vorstandsmitglied des Fanprojekts „Fans 1991“, wahr. „Grundsätzlich stehen wir jeder Form von Übergriffen absolut negativ gegenüber – völlig egal, gegen wen sie sich richten.“ Zugleich stellt er infrage, ob Jacob überhaupt als klassische Influencerin einzuordnen sei. „Für mich ist das ein Fan mit Leib und Seele, die einfach ihre Erfahrungen teilt. Dieses Event-Fan-Klischee sehe ich bei ihr überhaupt nicht.“

Auch das Fanprojekt habe über Social Media von dem Vorfall erfahren, sagt Weitz. „Wir haben bereits Kontakt zu ihr aufgenommen, weil wir wissen wollen, was genau passiert ist.“ Weitere Beschwerden über Übergriffe gegenüber Influencern oder zunehmende Anfeindungen gegen Frauen lägen dem Fanprojekt nicht vor: „Aber das bedeutet natürlich nicht, dass es sie nicht gibt. Umso wichtiger ist es, dass Jacob das Thema offen anspricht.“ Beim nächsten Fandialog mit dem 1. FC Köln werde der Vorfall auf die Tagesordnung kommen.

Betroffenen rät Weitz, sich direkt an das Fanprojekt oder den Ordnungsdienst zu wenden. Außerdem verweist er auf das Schutzkonzept „Wo geht’s nach Panama?“ – ein diskreter Hilferuf bei Belästigung oder Unsicherheit. Wer diesen gegenüber Sicherheits- oder Ordnungskräften äußert, soll umgehend Unterstützung erhalten und in geschützte Räume gebracht werden. Auch der 1. FC Köln setzt das Konzept seit zwei Jahren ein.

Die Influencerin Rosa Jacob berichtet von Übergriffen gegen sie im FC-Stadion.

Die Influencerin Rosa Jacob berichtet von Übergriffen gegen sie im FC-Stadion.

Vom Ordnungsdienst im Stadion fühlt sich Jacob allerdings im Stich gelassen. „Wenn ich Ordner um Hilfe bitte, heißt es oft nur, sie könnten nichts machen. Oder man solle sich woanders hinstellen. Aber richtige Hilfe bekomme ich nicht“, sagt sie. „So fühlt man sich nicht sicher.“

Der 1. FC Köln teilt auf Anfrage mit, dass der Vorfall bekannt sei: „Wir haben umgehend eine interne Prüfung der Sachverhalte veranlasst. Außerdem haben wir Kontakt zur Betroffenen sowie ihrem Management aufgenommen, um den Vorfall gemeinsam und persönlich aufzuklären.“

1. FC Köln: „Verhalten ist mit unseren Werten absolut unvereinbar“

Der 1. FC Köln verurteile jede Form von Gewalt, Bedrängung oder Belästigung aufs Schärfste. „Solches Verhalten ist mit unseren Werten absolut unvereinbar und wird von uns nicht geduldet.“ Mitarbeiter würden regelmäßig für genau solche Fälle geschult und seien verpflichtet umgehend einzuschreiten, beteuert der Verein.

Allerdings könne man den Vorwurf gegenüber den eigenen Ordnern nicht bestätigen: „In der konkreten Situation gab es nach unseren bisherigen Ermittlungen keine Ansprache an unsere Ordner, ebenso wenig wurde unser Hilfekonzept ‚Wo ist Panama?‘ aktiviert.“ 

Rosa Jacob fragt sich indes, ob sie trotz ihrer Liebe zum Verein weiterhin ins Stadion gehen will: „Man ist ja da, um Fußball zu gucken, und nicht, um dauernd beleidigt oder bedrängt zu werden. Ich muss auch an meine Sicherheit denken.“

Wegen des Vorfalls am 17. Januar hat Jacob Anzeige wegen Körperverletzung erstattet. Das bestätigt die Polizei. „Ich weiß, dass der Mann aus der Ultraszene kommt“, sagt sie. „Und es gibt ja Kameras im Stadion. Deswegen gehe ich davon aus, dass dabei etwas herauskommt.“