Ärger bei GAG-HauptversammlungAktionäre klagen gegen Kauf von Wohnungen in Chorweiler

Der Kauf von 1200 Wohnungen in Chorweiler wird derzeit von einem Gutachter geprüft.
Copyright: Thilo Schmülgen
- Auf der Hauptversammlung des Immobilienkonzerns GAG hat laut den Aktionären eine „vergiftete Atmosphäre“ geherrscht.
- Grund dafür ist die Investition von 47 Millionen Euro, um 1200 Wohnungen in Chorweiler zu kaufen.
- „Wir haben Anhaltspunkte, dass ein schwerer Verstoß gegen Gesetz und Satzung vorliegen“, sagte Thomas Hechtfischer von der Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.
- Die Hintergründe.
Köln – Viel Unmut und harsche Töne prägten die diesjährige Hauptversammlung des stadtnahen Immobilienkonzerns GAG. Eine niedrige Dividende von 50 Cent pro Aktie und der umstrittene Kauf von 1200 Wohnungen in Chorweiler hatten vor allem die Kleinaktionäre verstimmt.
Ein Aktionär sprach von einer „vergifteten Atmosphäre“ zwischen Aktionären sowie Vorstand und Aufsichtsrat. „Wir haben Anhaltspunkte, dass ein schwerer Verstoß gegen Gesetz und Satzung vorliegen“, sagte Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz zum Wohnungskauf im Kölner Norden.
1200 Wohnungen in Chorweiler gekauft
2016 hatte die GAG 47 Millionen Euro investiert, um 1200 Wohnungen in Chorweiler zu erwerben. Zusätzlich erhielt der Konzern einen Zuschuss von der Stadt über 32 Millionen Euro und ein Darlehen vom Land NRW über 110 Millionen Euro, um die Wohnung zu modernisieren. Zu überaus günstigen Konditionen, wie Vorstandsvorsitzender Uwe Eichner auf der Hauptversammlung sagte. So müsse die GAG nur 80 Prozent des Darlehens zurückzahlen, in den ersten zehn Jahren fielen keine Zinsen an.
16 Kleinaktionäre waren wegen des Großkaufs vor Gericht gegangen – und hatte in zweiter Instanz erreicht, dass ein Sondergutachter prüfen soll, ob politische Gründe den Kauf entscheidend motiviert und somit den wirtschaftlichen Interessen des Unternehmens geschadet hätten. Politik und Stadt, der 88 Prozent der Aktien gehören, hätten sich für einen Kauf eingesetzt, urteilte das Gericht.
Das könnte Sie auch interessieren:
Ähnlich sieht es unter anderem der Aktionär Philipp Steinhauer. Das Oberlandesgericht habe die „Ängste und Sorgen der Aktionäre geteilt“. Der Kauf habe der GAG „Handlungsoptionen beraubt – und das auf Kosten der Aktionäre“. Eichner glaubt dagegen weiter, dass der Gutachter die Auffassung der GAG unterstütze. Mit einem Bericht rechnet er aber nicht vor Ende des Jahres.
1095 neue Wohnungen
Zuvor hatte Eichner Bilanz für 2018 gezogen. 1095 Wohnungen habe die GAG im vergangenen Jahr errichtet. Insgesamt besitze sie gut 44 300 Wohnungen, 210 Millionen Euro wurden investiert, das Konzernergebnis belief sich auf 45,2 Millionen Euro. Eine höhere Dividende schloss Eichner auch für die absehbare Zukunft aus. Denn sein Unternehmen benötige Rücklagen, um weitere Wohnungen für den angespannten Wohnungsmarkt in Köln zur Verfügung stellen zu können.



