Köln – Wo sich vor 100 Jahren Bedienstete der königlich preußischen Eisenbahndirektion Cöln den Belangen des Schienenverkehrs widmeten, geht es demnächst um Fragen der Luftfahrt. 2016 wird die Europäische Agentur für Flugsicherheit (Easa) in die ehemalige Direktion am Konrad-Adenauer-Ufer ziehen - in „eines der exklusivsten und modernsten Bürogebäude der Stadt, vielleicht sogar des Landes“, wie Wirtschaftsdezernentin Ute Berg anlässlich der Grundsteinlegung schwärmte.
Die EU-Dienststelle lässt sich ihr künftiges Domizil einiges kosten. Nach Information des „Kölner Stadt-Anzeiger“ hat der Mietvertrag eine Laufzeit von 20 Jahren. Für das gesamte Gebäude zahlt die Easa jährlich 6,7 Millionen Euro einschließlich der Nebenkosten, in 20 Jahren also 134 Millionen Euro. Umgerechnet auf den Quadratmeter ergibt sich ein Preis, der geringfügig unter dem in Köln gezahlten Spitzenwert von 21,50 Euro liegt.
Dennoch dürfte sich der Umzug vom LVR-Turm in Deutz auf die gegenüberliegende Rheinseite lohnen. Denn derzeit zahlt die Agentur nach eigenen Angaben eine ähnliche Summe. „In unserem neuen Gebäude werden wir über bis zu 4000 Quadratmeter zusätzliche Fläche verfügen, ohne dass hierfür zusätzliche Kosten anfallen“, sagte eine Sprecherin der Easa. Die Agentur brauche mehr Platz, um die auf 800 Mitarbeiter gewachsene Belegschaft unterzubringen. Außerdem biete die frühere Bahndirektion dringend benötigte Konferenzräume.
„Wir sind als Stadt sehr stolz, dass wir eine solche Behörde vor Ort haben“, sagte die Wirtschaftsdezernentin auf der Feier am Dienstag. Easa-Chef Patrick Ky bedankte sich mit der Ankünding. die Agentur wolle ihre Türen nicht zuletzt für die Kölner Bürger öffnen, etwa mit Veranstaltungen zur Langen Nacht der Technik.
Der Austausch von Höflichkeiten ist fester Bestandteil bei Grundsteinlegungen und Richtfesten. Robert Bambach, Geschäftsführer des Projektentwicklers Hochtief, bezeichnete das Direktionsgebäude als „wunderbares altes Schätzchen“. Bis auf die Sandsteinfassade mit ihren 350 Fenstern ist derzeit allerdings wenig zu sehen von dem neoklassizistischen Bauwerk. Die Umgestaltung erfolgt nach einem Entwurf des Büros kadawittfeldarchitektur. Teile der ehemaligen Eingangshalle und des Treppenhauses sind eingelagert worden und werden wieder aufgebaut. Das im Krieg zerstörte Mansardendach wird durch drei Staffelgeschosse mit Terrassen nachgebildet.
Hochtief hat die Vorzeige-Immobilie Ende 2013 an eine Tochtergesellschaft der Commerzbank verkauft. Die Sorge, dass sein Mieter zahlungsunfähig werden könnte, braucht der neue Eigentümer jedenfalls nicht zu haben.
