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Alte Liebe rostet nichtEin alter Bestseller aus Frankreich

4 min

Seinen Citroën GS findet Michael Brand-Kruth nicht nur ästhetisch, sondern auch technisch faszinierend.

Innenstadt – Dieser Franzose ist ein Spanier. Gebaut im spanischen Citroën-Werk der Stadt Vigo. Für 1400 Euro übernahm Michael Brand-Kruth vor zehn Jahren den GS, der sich derart in die Kurve legt, dass der Frau des Vorbesitzers immer schlecht wurde. Brand-Kruth hat dieses Problem nicht: Er liebt die hydropneumatische Federung, die fast alles schluckt, was sich dem Mittelklassewagen in den Weg stellt.

Der GS führt in Oldtimerkreisen ein Schattendasein, in der Beliebtheitsskala ist er weit abgeschlagen hinter Ente oder dem avantgardistischen DS. „Der GS hat nie diesen Kultstatus erreicht“, sagt Brand-Kruth. Deshalb ist die einst weit verbreitete Familienschaukel selten geworden: In Deutschland sind noch 353 Exemplare zugelassen. Doch die GS-Fangemeinde arbeitet hart daran, das schmale Erbe zu erhalten (www.gs-gsa-ig.de). Und auch Brand-Kruth tut alles dafür, dass sein GS noch lange fit bleibt.

Deshalb habe ich ihn:

Michael Brand-Kruth: Ich fand das Auto schon als Kind sehr ästhetisch und technisch faszinierend. Wo gab es denn ein Auto, das man dank Hydropneumatik hoch und runter fahren konnte? Auch die Instrumententafel mit dem Walzentacho plus Lupe davor fand ich toll. Die großen Citroën, DS und CX, sind vielleicht spektakulärer, für mich waren aber immer die schlichteren Modelle interessanter. Früher wäre bei uns etwas Größeres gar nicht finanzierbar gewesen. Trotzdem konnte ich meinen Vater nie überzeugen, einen GS zu kaufen: Er fuhr Fiat, weil die im Unterhalt günstiger waren. Leider.

Das kann er:

Brand-Kruth: Ich glaube, es gibt kein Auto in dieser Klasse, das so einen Fahrkomfort hat. Das ist unglaublich. Fahrwerk und Federung sorgen für eine einzigartige Straßenlage. Der GS hatte viele technische Raffinessen, die serienmäßig angeboten wurden. Für Drehzahlmesser, Zigarettenanzünder, Kopfstützen oder Zeituhr musste man früher bei anderen Herstellern draufzahlen. Das Design ist fortschrittlich, allein das Armaturenbrett wirkt wie aus einem Guss. Man muss sich doch nur mal die Handbremse angucken, wie schön die in die Armaturentafel integriert ist. Das Bremssystem, seit Anfang der GS-Baureihe 1970 schon serienmäßig mit Scheibenbremsen vorn und hinten ausgerüstet, ist so kräftig und sicher wie bei kaum einem anderen Fahrzeug.

Das kann er nicht:

Brand-Kruth: An manchen Stellen ist er sehr kompliziert verbaut. Wenn man etwa den Zahnriemen wechseln will, muss man die ganze Frontschürze abbauen. Hier und da hat Citroën auch zu wenig Wert auf Qualität gelegt. Die Stoßstangen sind aus rostfreiem Inox, aber bei mangelnder Pflege leidet die Karosserie schnell unter Rost. Das ist einfach unsinnig. Ein Problem ist auch, wenn der Wagen nicht mehr anspringt. Ist dann der Motor längere Zeit aus gewesen, hat sich die Federung bis auf das Straßenniveau abgesenkt. Anschieben ist dann nur noch bei äußerst glatter Fahrbahn möglich. Theoretisch könnte man den Motor auch ankurbeln, eine Kurbel gehört zur Ausstattung. Aber selbst das ist sehr, sehr mühsam.

Das habe ich für ihn getan:

Brand-Kruth: Die größte Aktion war vor acht Jahren. Die Dichtungen des Motors waren porös geworden, sodass alle gewechselt werden mussten. Ich bin 700 Kilometer von Köln nach Regensburg gefahren, um mit einem Freund den kompletten Motor abzudichten. Ein ganzes Wochenende ging dafür drauf. So viel steht fest: Ohne die Hilfe von Freunden gäbe es dieses Auto wohl nicht mehr. Der Wagen ist ein treuer Gefährte, so lange man ihm die notwendige Pflege zukommen lässt.

Das haben wir erlebt:

Brand-Kruth: Oft fahre ich über die Autobahn und erlebe eigenartige Überholmanöver. Viele fahren ganz langsam an mir vorbei und schauen irritiert herüber. Die Leute können dieses Auto nicht mehr einordnen. Einerseits ist die Form noch immer modern, weil sehr aerodynamisch. Andererseits kennen viele diesen Wagen nicht mehr. Die Jüngeren beugen sich zur Seite und versuchen angestrengt, das Typenschild zu lesen. Ältere freuen sich, endlich mal wieder einen GS zu sehen. Wer mindestens 50 ist, wird das Auto noch in bester Erinnerung haben.

Das haben wir vor:

Brand-Kruth: Das ist ein Auto, das ich dauerhaft erhalten möchte. Der GS begleitet mich seit 60 000 Kilometern. Es wäre schön, wenn es mindestens weitere 60 000 werden. Der GS war einmal ein Auto für die Masse, nun ist er selten geworden. Die wenigsten haben sich um dieses Auto langfristig bemüht. Ich möchte dazu beitragen, dass der GS nicht komplett aus dem Straßenbild verschwindet.

Aufgezeichnet von Tobias Christ