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Alte Liebe rostet nichtKölner baut Citroën Acadiane zu „Reise-Ente“ um

4 min
Jürgen Ambos in seiner Werkstatt neben seinem Citroën Acadiane

Jürgen Ambos restauriert in seiner Werkstatt alte Citroën.

Jürgen Ambos restauriert in seiner Werkstatt alte Citroën. Sein neuestes Projekt: einen Citroën Acadiane in ein kleines Wohnmobil verwandeln.

Auf der Hebebühne steht ein CX-Kombi, daneben der sportliche SM aus den 1970er Jahren. Außer tausenden Werkzeugen und Ersatzteilen passt so eben auch eine Acadiane in das Porzer Refugium von Jürgen Ambos. Der 74-Jährige restauriert in seiner Werkstatt alte Citroën. Die Acadiane beschäftigt den ehemaligen Berufsfeuerwehrmann im Moment am meisten. Den Kastenwagen, gebaut von 1978 bis 1987, will Jürgen Ambos in ein schnuckeliges Wohnmobil verwandeln, und zwar exakt so, wie es einst auch offiziell verkauft wurde. Was fehlt, sind in erster Linie noch die Innenausbauten.

  1. Typ: Citroën Acadiane
  2. Baujahr: 1982
  3. Höchstgeschwindigkeit: 110
  4. PS: 28
  5. Hubraum: 602 ccm
  6. Zylinder: 2
  7. Verbrauch: 5-6 Liter
  8. Gebaute Exemplare: 253.393
  9. Neupreis: ca. 10.000 D-Mark
Jürgen Ambos steht vor Fahrertür seines Citroën Acadiane

Jürgen Ambos und sein neuestes Projekt: In den kommenden Monaten will der 74-Jährige einen Citroën Acadiane in ein kleines Wohnmobil verwandeln.

Deshalb habe ich sie:

Als ich so mit 19 den Führerschein in der Tasche hatte, fehlte mir das Geld, mir ein neues Auto zu kaufen. Als erstes bin ich mit der Ente von einem Freund gefahren, danach habe ich mir einen gebrauchten Citroën Ami 6 gekauft. Auch die berühmte DS hatte ich jahrelang. Das waren aber immer alte Autos, die ich dann repariert habe. Das Tüfteln und der Werterhalt haben mir immer Spaß gemacht.

Nach meiner Lehre zum Industrie-Elektriker wollte ich eigentlich Maschinenbau studieren. Weil mir das aber zu trocken war, habe ich angefangen, auch Enten für die Nachbarschaft zu reparieren. Später, als ich bei der Kölner Berufsfeuerwehr arbeitete, habe ich dann wieder an meinen eigenen Autos geschraubt. Auch, um ein bisschen vom Job abzuschalten. So mancher Verkehrsunfall geht einem halt nicht so schnell aus dem Kopf.

Aber es blieb immer bei Citroën. Die Marke war immer etwas anders und für mein Empfinden toll. Allein die Federung. Ich bin mal einen Porsche Probe gefahren. Das war nichts für mich. Die Federung ist so hart, dass mir der Popo wehgetan hat. Wenn ich mit einem Citroën einen Bahnübergang überquere, dann merke ich davon nichts. Vor vier Jahren habe ich dann diese Acadiane im Internet gefunden. Die Kastenversion des Citroën Dyane hatte ich nämlich noch nicht.

Damals wurde die Acadiane auch als kleines Wohnmobil verkauft, der offizielle Werbename war in Deutschland „Reise-Ente“, obwohl es keine Ente ist, sondern nur den Entenmotor hatte. Angeboten werden diese Autos aber nirgendwo mehr, die sind alle vergammelt und verbaut. Deshalb erwecke ich mir die „Reise-Ente“ nun selbst zum Leben und baue sie nach.

Innenraum des Citroën Acadiane von Jüren Ambos

Platz ist in der kleinsten Hütte: Künftig will Jürgen Ambos mit seiner „Reise-Ente“ größere Touren unternehmen. Vorher will er den Transporter fachgerecht zum Wohnmobil umbauen.

Das kann sie:

Sie springt immer an. Selbst wenn die Batterie mal leer ist. Das ist ein simples Auto, das immer funktioniert. Außerdem ist sie leicht. Man kann den Motor sogar selbst wegtragen. Das fand ich früher schon bei der Ente super. Da habe ich den Motor ausgebaut, mit in die Wohnung genommen und auf dem Küchentisch repariert.

Das kann sie nicht:

Manchen Lkw kriegst du damit nicht überholt. Man muss Zeit haben in einer Acadiane. Aber Entschleunigung ist heutzutage ja eher ein Pluspunkt. Und es ist relativ laut im Auto, das luftgekühlte Zweizylinder-Aggregat macht ordentlich Lärm. Wenn der Ausbau fertig ist, wird es für große Menschen auch schwierig werden, darin zu sitzen. Liegen geht allerdings. Sind die Vordersitze ganz nach vorne geschoben, ist die Liegefläche zwei Meter lang.

Motorraum des Citroën Acadiane von Jürgen Ambos

Der kleine Boxermotor ist gut zum Reisen, zum Rasen taugt er eher nicht.

Das habe ich für sie getan:

Den Motor habe ich überholt, die Radlager und Stoßdämpfer. Einige Bodenbleche waren durchgerostet, die habe ich zum Teil durch selbstgebaute Ersatzteile ausgetauscht. Dann habe ich das Auto neu grundiert und lackiert in genau den Farben, die die „Reise-Ente“ in der französischen Version damals hatte. Auch die Kraniche auf der Motorhaube gab es so.

Als Vorlage habe ich Prospekte und Fachzeitschriften genommen. Man muss schon genau wissen, wie das Auto ausgesehen hat. Das gilt natürlich auch für den Innenausbau. Unter dem Bett gab es eine Schublade zum Rausziehen. Darin befanden sich ein Gaskocher und ein kleines Waschbecken. Einer der beiden seitlichen Gepäckräume ist für den Wasserkanister und eine kleine Pumpe reserviert.

Das Bett wird künftig zur Sitzecke, wenn man ein Teil des Polsters wegnimmt. Die Klappe des seitlichen Schranks kann dann auch als Tisch genutzt werden. Ein befreundeter Franzose hat mir den Bauplan für alle Elemente zugeschickt. Demnächst hole ich mir meine Säge von zu Hause und lege los. Ich bin ein bisschen versessen darauf, dass alles möglichst original ist.

zwei Seiten aus einem alten Prospekt zur „Reise-Ente“

Ein alter Prospekt zeigt, wie die „Reise-Ente“ damals ausgestattet war. Die Klappe des seitlichen Schranks kann auch als Tisch genutzt werden.

Das haben wir erlebt:

Vor Kurzem sind meine Frau und ich im Schnee hier in Köln und Umgebung unterwegs gewesen. Das hat wunderbar geklappt, auch mit den dünnen Sommerreifen. Damit ist das Auto auch wintertauglich. Wobei Urlaub bei der Kälte für uns nicht in Frage kommt, die Heizung ist bei dem luftgekühlten Motor dann doch zu schwach.

Vordersitze im Citroën Acadiane von Jürgen Ambos

Der Arbeitsplatz in der Acadiane ist eher was für Puristen.

Das haben wir vor:

Ich denke, dass die „Reise-Ente“ Ende des Jahres fertig wird und wir, wenn wir dann noch fit sind, ein bisschen länger unterwegs sein werden. Nicht nur zwei Wochen, sondern vielleicht zwei Monate. Gern auch mal nach Spanien, in den Pyrenäen war ich noch nie. Auf den großen Komfort können meine Frau und ich zum Glück verzichten. Aber ein paar moderne Annehmlichkeiten soll es schon geben. Ich habe zum Beispiel eine USB-Steckdose zum Handyaufladen eingebaut.

Aufgezeichnet von Tobias Christ