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Alte Liebe rostet nichtMit dem „echten“ Porsche in die Berge

4 min
Klaus Jürgen Pfeffer neben seinem Porsche

Architekt Klaus Jürgen Pfeffer und sein Porsche sind seit 31 Jahren ein unverwüstliches Team. Das Auto hat mittlerweile 734 000 Kilometer abgespult. 

Klaus Jürgen Pfeffers Porsche aus dem Jahr 1994 ist schon mehr als 730.000 Kilometer gefahren  – und zeigt noch keine Altersschwächen.

Mindestens zwei Passionen ziehen sich durch die Familiengeschichte von Klaus Jürgen Pfeffer: die Leidenschaft für die Architektur und der Spaß an schnellen Autos. Schon sein Großvater war Architekt, und schon sein Großvater liebte Rallyes. Um möglichst schnell zwischen seinen Büros in Berlin, Köln und Salzburg pendeln zu können, kaufte sich der 76-Jährige 1994 einen leistungsgesteigerten Porsche Carrera 911 GT vom Typ 993. Es war das letzte Modell des 911 mit luftgekühltem Boxermotor und damit in Kennerkreisen noch ein „echter“ Porsche. Was Pfeffers Powermodell auszeichnet: Es scheint keine Altersschwächen zu kennen. Mittlerweile stehen 734 000 Kilometer auf der Uhr. Zeit für eine Zwischenbilanz an der Kölner „Motorworld“ in Ossendorf, an der Pfeffer als Architekt beteiligt war.

  1. Typ: Porsche Carrera 911 GT Typ 933
  2. Baujahr: 1994
  3. PS: 295
  4. Hubraum: 3600 ccm
  5. Zylinder: 6
  6. Verbrauch: ca. 10 Liter
  7. Km/h max: ca. 300
  8. Neupreis: 160 000 D-Mark
  9. Gebaute Exemplare: 4

Deshalb habe ich ihn:

In den 1990-er Jahren war ich viel unterwegs und brauchte ein schnelles Langstreckenauto, das Spaß macht. Ich wollte damit jeden Tag zu meinen Baustellen fahren. Den Porsche habe ich in Bonn gefunden. Ursprünglich war es ein 993 Cup mit großem Heckflügel, der zum Dienstwagen-Fuhrpark im Porschewerk Zuffenhausen gehörte und in dieser Form nur vier Mal gebaut wurde. Ich habe ihn dann mit Anbauteilen des seltener verkauften 993 S umgerüstet, damit er nicht mehr so protzig aussieht. Es war der erste Porsche, der mir so richtig gefallen hat. Damals bin ich im Schnitt 12.000 bis 15.000 Kilometer im Monat gefahren, manchmal 2500 Kilometer am Tag. Dabei stellte sich heraus, dass er einfach nicht kaputt geht. Gemäß dem VW-Werbeslogan: Er läuft und läuft und läuft.

Das kann er:

Der 993 ist mein Ganzjahresfahrzeug für die Touren zu meinen Büros in Köln, Salzburg und Berlin. Im Winter wie im Sommer. Besonders Spaß machen mir winterliche Berge, an Bergrennen nehme ich aber nicht mehr teil. Da sind zum Teil 18-Jährige mit Papas Auto unterwegs, denen es egal ist, ob die Kiste kaputt geht. Dazu habe ich keine Lust mehr.

Blick auf den Motorraum eines Porsches Carrera 911 GT

Der 993 ist der letzte Porsche mit luftgekühltem Boxermotor und deshalb in Expertenkreisen noch ein "echter" Porsche. Klaus Jürgen Pfeffer lässt das Aggregat alle 250 000 Kilometer revidieren.

Wo immer ich mit dem Porsche hinkomme, er wird bestaunt. Wegen seiner hohen Laufleistung und seines Alters, das ihm aber auf den ersten Blick nicht anzumerken ist. Auch unter der Haube ist der 993 jung geblieben: Er hat eine spezielle Abgasanlage und eine überarbeitete Zündanlage mit etwa 295 PS, die ihn locker auf 300 Stundenkilometer beschleunigen. Trotzdem kommt er bei normaler Fahrt auf der Autobahn mit 8,4 Litern auf 100 Kilometern aus, auf vollen Touren braucht er schonmal 12,5 Liter.

Das kann er nicht:

Da gibt’s nur einen Punkt, der im Winter manchmal stört: Bei kaltem Wetter oder mit feuchter Kleidung beschlagen sämtliche Scheiben innen komplett und werden wegen der schlechten Zwangsentlüftung sehr langsam frei. Nach langen Standzeiten knickt die Batterie schonmal ein.

Innenraum eines Porsches Carrera 911 GT

Das klassische Porsche-Interieur lässt die Herzen der Markenfans höher schlagen.

Das habe ich für ihn getan:

Während der Zeiten auf den Rennstrecken habe ich mir angewöhnt, den Motor von Rolf Kaul in Rheinbach, der Werkstatt meines Vertrauens, im Rhythmus von 250.000 Kilometern zerlegen und überprüfen zu lassen. Die letzte Revision war erst vor kurzem. Die Sitze, das Lenkrad und den mittigen Drehzahlmesser habe ich ebenfalls austauschen lassen. Vor allem aber habe ich recherchiert, ob es einen Porsche 911 gibt, der mit dem ersten Motor ähnlich lange gelaufen ist. Ich habe über die Jahre hinweg mehr als 3800 Porsche-Zentren auf der ganzen Welt abtelefoniert, aber niemand kannte einen, der es mit meinem aufnehmen kann.

Das haben wir erlebt:

Seit 1968, als ich den Führerschein gemacht habe, liebe ich den Motorsport. Mit dem Porsche 993 habe ich zum Beispiel das Klassik-Bergrennen Schauinsland im Schwarzwald, die „Silvretta Montafon“ oder die „Köln Historic“ mitgemacht. Mit dem Fahrwerk macht das Passfahren enorm viel Spaß. Interessant war auch die Polizeikontrolle auf der Autobahn vor Leipzig. Dabei stellte sich heraus, dass der Porsche am 5. April 1994 zugelassen wurde. Mein Geburtstag ist der 5. April 1949, also nur mit umgedrehter Jahreszahl. Auch dieser Zufall macht den Wagen für mich unverkäuflich.

Aufkleber auf dem Porsche von Klaus Jürgen Pfeffer

Die Aufkleber beweisen es: Dieser Wagen ist rallyeerprobt.

Das haben wir vor:

Passtouren in Italien, der Schweiz und Österreich wird es auch weiterhin geben. Ein Traum wäre auch mal die „Porsche Rennsport Reunion“ in Kalifornien, eins der größten Porschetreffen weltweit. Dass ich den millionsten Kilometer erlebe, glaube ich allerdings nicht. Dazu fahre ich mittlerweile zu wenig. Und ich bin auch schon fast 77.

Aufgezeichnet von Tobias Christ