Kalk – Mit der landläufigen Vorstellung von Attraktionszirkus haben die Veranstaltungen der Artistikgruppe Impuls nicht viel gemein. Die als zeitgenössischer Zirkus deklarierte Produktion mit 25 jungen Artisten konzentriert sich weniger auf atemberaubend-halsbrecherische Kunststücke am Trapez als auf die tänzerisch-artistische Auseinandersetzung mit Themen, von denen sie sich beeinflusst fühlen. Ein Publikumsmagnet sind ihre Aufführungen in den Abenteuerhallen Kalk dennoch, wenige Tage nach Bekanntgabe der Termine waren 1075 Tickets für fünf Shows zum Thema „Echolot“ ausverkauft.
Mit ihrem großzügigen Raumangebot bietet die ehemalige Industriehalle an der Christian-Sünner-Straße schier unerschöpfliche Nutzungs- und Gestaltungsmöglichkeiten. Skateboarder, Scooter-, BMX- und Dirt-Bike-Fahrer finden auf dem weitläufigen Innen- und Außengelände Platz, es gibt Klettermöglichkeiten und Rollstuhlbasketball.
Die Artistik ist mit zehn Jahren der älteste Bereich im „Zentrum für urbane Jugend- und Bewegungskultur“. Jedes Jahr kommen bewegungsbegeisterte junge Menschen zusammen, um ein Programm zu erarbeiten, das sie völlig frei gestalten.

Den Beschimpfungen der anderen begegnet die Artistin mit einer Figurenabfolge am Schwungtrapez.
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Drei Trainer begleiteten die 16- bis 27-Jährigen, zweimal pro Woche trafen sie sich zum Training. Mehrere Wochenenden und eine Intensivtrainingswoche vertieften den Trainingseffekt, vielen Artisten sieht man die Arbeit am Körper an. Dominikus Moos, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit im Artistikbereich, betont die Eigenleistung der Gruppe, eine Anleitung im herkömmlichen Sinne würden die Trainer ihren Schülern nicht vermitteln.
„Echolot“ ist in der Unterwasserwelt verortet, ein durch mehrere Gerüste angedeutetes Schiff dient als Bühnenbild. Die Darsteller beziehen ihre Positionen auf dem Schiff, ein Lied im Stil traditioneller Shanties stimmt das Publikum auf den Mikrokosmos unterhalb der Wasseroberfläche ein.
Zunächst gewinnt die ursprünglich dunkle Bühne an Helligkeit, das Standbild des singenden Ensembles gerät zu einem bewegten Stillleben. Mehrere synchron ablaufende Darbietungen an Seilen, auf Wippe und Trampolin ergeben tatsächlich so etwas wie eine Impression vom Leben in Meer oder Tiefsee. Dann folgen Szenen, in denen Einzelne hervortreten, individuelle Erfahrungen sichtbar werden, um anschließend wieder in Gruppenszenen aufgelöst zu werden.
Zwei Darstellerinnen müssen die persönliche Kritik an ihren Leistungen ertragen, auf Ausrufe wie „Das schaffst du nicht! Du hast wieder nicht genug getan“ reagieren sie mit einer artistischen Figurenabfolge am Schwungtrapez.
Sie winden und drehen sich als wären ihre inneren Koordinaten durch die Zerstörungskraft des feindseligen Umfeldes verloren gegangen.
„Ein Pendel schlägt zwischen Irritation und Ruhe. Zwischen Hektik und Schwerelosigkeit“, heißt es im Text zum Trailer. Natürlich erscheint das Pendel als zentrales Requisit auf der Bühne, das Sonar bildet mit seinem monotonen Klangbild sein akustische Äquivalent – die eigene Position im Dialog mit der Umwelt und ihren Einflüssen scheint allgegenwärtig.
An Darstellungsmöglichkeiten mangelt es den Artisten nicht, Anlehnungen an das klassische Ballett sind unübersehbar. Gesang und Instrumentaleinlagen fügen sich in die akrobatischen Darbietungen ein, theatralische Elemente erden die teils abstrakten Szenen.
„Wir können hier ganz anders wirtschaften“, kommentiert Dominikus Moos den Unterschied zu kommerziell ausgerichteten Produktionen. Als Einrichtung der Jugendzentren Köln sei das Angebot für die Teilnahme kostenlos. Kosten, die nicht durch den Träger gedeckt sind, werden durch Spenden und Eintrittsgelder finanziert. „Wenn man etwas macht, was etwas kostet, entsteht sofort ein Konsumgedanke“, erklärt er, „das verändert das ganze Engagement.“
Frei von ökonomischen Zwängen entwickelt die Gruppe neben der Idee zur Show auch das „Drumherum“, Werbung, Flyer und Trailer liegen in ihrer Hand, Bühnenbild und Zuschauerränge sind auf dieses spezielle Event zugeschnitten.
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