Es ist nicht nur der vom Widerspruch geprägte Name: Die Ambivalenz scheinen sie sich auf die Fahne geschrieben zu haben. In einem bunten Team, das mit Stärken und Schwächen gleichermaßen zufrieden scheint, stetige Veränderungen mal schätzt und mal mit ihnen hadert – und in dem sich auch Selbst- und Fremdwahrnehmung mitunter unterscheiden können. Mindestens aber ist dieses Spannungsfeld verwurzelt in der besonderen Historie von Friendly Fire, der Mannschaft der Bunten Liga, die wir dieses Mal vorstellen: Woher kommt euer Name? Friendly Fire FC gibt es seit 2003. Entstanden ist die Mannschaft aus einer Fusion von Kack T.U.S. aus Höhenhaus und dem SC Mülltonn aus der Südstadt und Nippes, die es beide bereits seit 1998 gab. Die zwei Mannschaften hatten sich überschneidende Freundeskreise und waren daher allerbeste Feinde. Man muss ihn aber auch im Kontext der Zeit sehen, in der wir fusionierten: Damals tobte der zweite Golfkrieg. Viele von uns haben sich damals über die Kriegs-Terminologie geärgert: Dass der Abschuss eines britischen Hubschraubers durch amerikanische Raketen als Friendly Fire bezeichnet wurde, war ein Höhepunkt von vielen, aber der einprägsamste. Auf den Fußball übertragen ist Friendly Fire ein Eigentor oder wenn man den eigenen Mann mit dem Ball trifft, deshalb ist unser Emblem auch der Abdruck eines matschigen Balls auf dem Trikot. Wer macht mit? Wir sind ein sehr bunter Haufen. Studenten, Angestellte, Selbstständige, Künstler und Beamte aus den Jahrgängen zwischen 1979 bis 1994. Eigentlich ist jeder bei uns willkommen, sofern die Person wie wir tolerant ist. Natürlich gibt es da Ausnahmen. Wenn man 20 Jahre dabei ist, bemerkt man bei den Leuten sportliche, aber auch politische Veränderungen. Manche machen mich stolz, andere eher traurig. Wir leben in einer Zeit der Lagerbildung – solche Entwicklungen machen auch vor einer Fußballmannschaft nicht Halt. Was ist euer Ziel? Momentan durchlaufen wir unseren dritten oder vierten Wechsel im Teamgefüge. Nach einer bestimmten Zeit muss sich jede Mannschaft erneuern. Weil wir keine Jugendabteilung zur Verfügung haben, aber dennoch viele ausscheiden, muss man sehr aktiv akquirieren. Deshalb würde ich sagen, dass wir eine Mannschaft im Neuaufbau sind. Wer ist euer Trainer? Wir haben ein Trainerteam aus drei Personen. Eine davon bin ich. So ist gewährleistet, dass auch dann jemand die Aufstellung übernimmt, wenn die anderen zwei krank sind. Außerdem haben wie die Erfahrung gemacht, dass der Austausch im Trainerteam sehr wichtig ist, um die Mannschaft besser einzustellen. Auch die Integration von neuen Spielern in das Mannschaftsgefüge gelingt besser, wenn man aus drei Perspektiven hinschaut. Was zeichnet euch aus? Abschlussschwäche und defensive Instabilität. Andererseits aber auch Zusammenhalt, Offenheit und Kritikfähigkeit.
Warum spielt ihr in der Bunten Liga und nicht profimäßig? Viele von uns kennen den offiziellen Vereinsfußball gut. Einige haben in recht hohen Ligen gespielt. Wenn man aber nicht das Glück hat, auf diesem Niveau zu spielen, geht es auf den Liga-Plätzen eher derb, teilweise gewalttätig zu. Ich persönlich hatte darauf keine Lust mehr. Euer größter Triumph? Dass sich Ronny, einer unserer ältesten und dicksten, die Schuhe noch alleine zubinden kann. Dass genau er dann auf der Bank ankündigt, ein Kopfballtor zu machen und es auch tut, gehört ebenso zu dieser Art von Triumphen, die wir lieben. Eure größte Niederlage? Als der Fußballprofi Thomas Broich gerade in Australien seine Schuhe an den Nagel gehängt hatte, spielte er bei uns ein Spiel mit. Er war nicht fit und hielt auf dem Platz nicht, was wir uns von ihm versprochen hatten. Ich habe ihn ausgewechselt. Danach hat er nie wieder für uns gespielt. Integration gescheitert. Was war das lustigste Erlebnis?Bei der Alternativen Europameisterschaft in Berlin haben wir das Spiel um Platz drei gespielt. Das Spiel fand im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark bei BFC Dynamo statt. Die Mannschaften sollten choreographiert einlaufen, mit Handshake, Münzwurf und dem ganzen Zinnober. Gregor Gysi übernahm den symbolischen Anstoß und das Ganze wurde sogar von Profis gefilmt. Zurück in Köln wollten wir uns den Film unbedingt zusammen anschauen. Unser Fußball war so schlecht, dass wir uns selber ausgepfiffen haben. Selbstwahrnehmung und Realität lagen so weit auseinander, dass wir stattdessen an die Theke geflohen sind. Wo trainiert ihr und wann? Jeden Mittwoch, abends um 20 Uhr in Nippes. Wir suchen aber noch einen Kunstrasenplatz oder eine Platzhälfte, auf der wir trainieren können. Braucht ihr noch Verstärkung? Momentan brauchen wir vor allem einen Torhüter.