Rodenkirchen – Was ist geblieben nach 40 Jahren Ehe? Gingen Träume in Erfüllung oder sind sie geplatzt? Lore und Harry haben viele gemeinsame Jahre hinter sich, sie stellen sich Fragen und zweifeln mitunter am Sinn des Lebens. Vor allem Lore. „Ich habe das Freuen verlernt“, sagt sie, die das Geistige und Schöne liebt. Und: „Jim Morrison, ja, der wär“s gewesen“, schwärmt sie vom ehemaligen Sänger der Rockgruppe „The Doors“. Harry ist anders gestrickt. Er mag seinen Garten, Schweinebraten und ein Weißbier. Und doch: Die Basis stimmt, keiner kann ohne den anderen – trotz getrennter Schlafzimmer. Die Alt-68er gehen respektvoll miteinander um, raufen sich zusammen und sind sich in vielen Punkten einig.
Beeindruckend und lebensnah stellten die Schauspieler Mariele Millowitsch und Walter Sittler die Szenen einer langjährigen Ehe dar. In der Erzengel-Michael-Kirche in Michaelshoven lasen sie aus dem Buch „Alte Liebe“ vor, das Elke Heidenreich und ihr damaliger Ehemann Bernd Schröder 2009 geschrieben haben. Millowitsch und Sittler sprachen jeweils Monologe und sinnierten vor sich hin - oder unterhielten sich lebhaft. Es war ein äußerst kurzweiliger Abend mit viel Wortwitz und Selbstironie, zugleich berührend und nachdenklich machend. Lore: „Ich glaube, ich liebe dich noch immer“. Harry: „Sag mir Bescheid, wenn du es genau weißt“. Von der ersten Minute an hörte das Publikum gut eineinhalb Stunden gebannt zu. Es wurde gelacht, geschmunzelt und ein paar Tränen sind heimlich geflossen. Der eine oder andere Zuhörer dürfte sich bisweilen selbst erkannt haben. Die szenische Lesung hatte die Diakonie Michaelshoven bei freiem Eintritt veranstaltet in ihrer Reihe „Kultur in Michaelshoven“. Spenden sind für benachteiligte Kinder in Chorweiler vorgesehen. Der kaufmännische Vorstand der Diakonie Michaelshoven, Uwe Ufer, bedankte sich bei den Schauspielern, insbesondere bei Millowitsch, „die immer viel für uns tut“. Das Duo liest regelmäßig aus „Alte Liebe“, am 25. April im Kölner Taborsaal.
