Wie gehen andere Städte mit bettelnden Obdachlosen aus Osteuropa um? Hamburg begleitet sie auf Wunsch zurück in die Heimat – und das Angebot stößt auf Interesse.
Bettler und Obdachlose in KölnWie Hamburg mit freiwilliger Rückkehr auf das Problem reagiert

Vor einem ehemaligen Restaurant gegenüber vom Zeughaus haben Obdachlose Schlaflager errichtet.
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Die Diskussion um obdachlose und bettelnde Menschen in der Kölner Innenstadt wirft die Frage auf, wie andere Großstädte damit umgehen. Hamburg setzt dabei nicht nur auf Notübernachtungen und Straßensozialarbeit, sondern auch auf eine Rückkehrberatung, die wohnungslose EU-Bürger ohne Leistungsanspruch bei einer freiwilligen Rückkehr ins Herkunftsland begleitet.
Im Jahr 2025 wurden nach Angaben der Behörde für Inneres und Sport 479 Menschen über die Anlaufstelle Plata beraten. 348 nahmen eine freiwillige Rückkehrhilfe in Anspruch. Rund 3.800 Menschen leben in Hamburg auf der Straße, wie aus dem Wohnungslosenbericht 2024 hervorgeht. Mehrheitlich handele es sich um Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit, darunter viele aus osteuropäischen EU-Staaten. Diese hätten von der Freizügigkeit Gebrauch gemacht, könnten sich aber häufig nicht dauerhaft auf dem Arbeitsmarkt etablieren und hätten deshalb vielfach keinen Anspruch auf öffentliche Unterbringung oder Sozialleistungen.
Einzelne Hinweise auf „strukturiertes Vorgehen“ bei Bettelei in Hamburg
Plata klärt gemeinsam mit den Betroffenen deren Perspektiven, informiert über Unterstützung im Herkunftsland und begleitet – wenn sie sich dafür entscheiden – die freiwillige Rückkehr. Die Beratung werde „stets als eine Chance zur Reintegration in das Herkunftsland betrachtet“, teilte die Behörde mit.
Ordnungsrechtlich verfolgt Hamburg einen zurückhaltenden Kurs. Das Betteln stelle „grundsätzlich keine Handlung dar, die gegen gesetzliche Bestimmungen verstößt“. Nur das konkrete Verhalten im Einzelfall könne gegen Vorschriften verstoßen – etwa aggressives Betteln, Betteln mit Kindern oder Tieren oder organisierte Bettelei. Verbotszonen gebe es nicht.
Zu organisierten kriminellen Strukturen im Zusammenhang mit Bettelei lägen der Polizei Hamburg im Allgemeinen keine Erkenntnisse vor, teilte die Innenbehörde mit. In Einzelfällen gebe es jedoch Hinweise auf ein strukturiertes Vorgehen; die Polizei stehe dazu in enger Abstimmung mit anderen Behörden und treffe die erforderlichen Maßnahmen zur Gefahrenabwehr und Strafverfolgung.
Beim Schlafen im öffentlichen Raum verfolge die Polizei einen sozialen Ansatz. Präsenzkräfte stünden in regelmäßigem Kontakt zu Obdachlosen, etwa bei einer morgendlichen „Weckrunde“, und informierten über Hilfsangebote.
In München sei organisiertes und bandenmäßiges Betteln nicht bekannt, teilte das Sozialreferat mit. In der bayerischen Landeshauptstadt müsse „niemand auf der Straße schlafen“. Sowohl in der Akutversorgung als auch im Übernachtungsschutz stünden ausreichend Plätze zur Verfügung; im neuen Übernachtungsschutz fänden bis zu 730 Personen Platz. Gleichwohl lebten nach einer Studie rund 340 Menschen dauerhaft im Freien.
Zuletzt hatte diese Redaktion berichtet, dass sich vor dem leerstehenden Zeughaus die Lage zugespitzt hat: Unter dem Vordach eines ehemaligen italienischen Restaurants übernachten Menschen, bei denen es sich zu großen Teilen um Bettler aus Rumänien handelt, die tagsüber in der Innenstadt um Geld bitten. Nach Angaben der Stadt ist die Verlagerung von der Hohe Straße „höchstwahrscheinlich auf die verstärkte frühmorgendliche Präsenz“ des Ordnungsdienstes zurückzuführen. Belastbare Hinweise auf Zwang, Banden oder kriminelle Hintergründe gibt es laut Ordnungsamt und Polizei nicht.
