Köln – Köln wird in den nächsten sieben Jahren rasant wachsen. Das Amt für Stadtentwicklung und Statistik prognostiziert, dass in der Stadt 2020 rund 50 000 Menschen mehr leben werden als derzeit. Die Zahl der Einwohner mit Hauptwohnsitz soll von 1,016 Millionen auf 1,065 Millionen ansteigen. Diese Entwicklung bedeutet enorme Herausforderungen für die Stadt. "Es wird in allen Bereichen eng werden", sagt Maria Kröger, Leiterin des Stadtentwicklungsamtes.
Demnach gibt es vor allem einen starken Zuzug aus der Altersgruppe der 18- bis 30-Jährigen, da diese über äußerst geburtenstarke Jahrgänge verfügt. "Köln wächst über die Jugend", sagt Hermann Breuer, Abteilungsleiter Statistik. Zudem sei der Zuzug der Gruppe aus anderen Kommunen deutlich höher als der Abgang. "Das kreative Milieu in Köln lockt die jungen Leute an", meint Kröger. Gleichzeitig spiegele der Zuwachs die derzeitig gute wirtschaftliche Lage wider. Die Gruppe der 30- bis 45-Jährigen verlässt Köln im Zuge von Familiengründung und Immobilienerwerb hingegen in einem stärkeren Maße, als sie hinzuzieht.
Mehr Menschen benötigen auch mehr Platz. "So viele Wohnungen wird Köln nicht bauen können", schätzt Breuer die Situation ein. Bis 2020 bedarf es demnach 30 000 neuer Wohnungen, bis 2030 sollen es mehr als 50.000 zusätzliche sein. Insbesondere in den innenstädtischen und innenstadtnahen Vierteln werden die Mieten und Immobilienpreise steigen. Bezahlbarer Wohnraum wird nach Einschätzung der Stadtentwickler "für breite Bevölkerungsschichten rar".
"Wir gehen davon aus, dass der bis dahin verfügbare Bestand an Wohnungen und das Umland die wachsende Bevölkerung bis 2020 aufnehmen werden", sagt Kröger. Die Stadt müsse weiteren öffentlich geförderten Wohnraum schaffen, und auch die private Wohnungswirtschaft sei gefragt. Oberbürgermeister Jürgen Roters befinde sich zudem bereits in ersten Gesprächen mit Nachbarkommunen. "Ich will nicht hoffen, dass es neue Trabantenstädte gibt, aber wir brauchen zusätzliche Flächen", so Kröger.
Als weitere Problemfelder sieht die Amtsleiterin einen steigenden Bedarf an Pflegeplätzen für Senioren sowie höhere Nutzerzahlen an Schulen, Kindergärten und im öffentlichen Nahverkehr. "Man muss dabei bedenken, dass Bildungsinvestitionen einen Vorlauf von 15 bis 20 Jahren brauchen, um Wirkung zu zeigen", sagt Statistiker Breuer. Da die Zahl der Menschen mit ausländischen Wurzeln weiterhin stark ansteige, müssten zudem die Integrationsbemühungen verstärkt werden.
Laut der städtischen Prognose wird es nach 2020 zu einer leichten Entspannung kommen. Dann soll die Einwohnerzahl zunächst leicht rückläufig sein und sich schließlich bis 2030 auf einem Niveau von etwa 1,049 Millionen einpendeln. Der Rückgang wird nach Angaben der Statistiker ausgelöst, weil die nächste Generation der 18- bis 30-Jährigen deutlich kleiner ausfällt als die aktuelle.
Gleichzeitig soll die Zahl der über 65 Jahre alten Bewohner weiterhin deutlich zunehmen. Sie werden der Prognose zufolge im Jahr 2030 ein Fünftel der Gesamtbevölkerung ausmachen. Im Jahr 2040 soll es mehr alte als junge Menschen geben, auch die Zahl der älteren Arbeitnehmer nimmt zu. Jeder fünfzehnte Kölner wäre zudem älter als 80 Jahre.
Mit ihrer Prognose weicht die Stadt zum Teil deutlich von denen des Landes und des Bundes ab. Das Statistische Landesamt geht von einem noch rasanteren Wachstum aus. Demnach sollen in Köln 2030 sogar 1,112 Millionen Menschen leben. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung prognostiziert hingegen ein etwas geringeres Wachstum. 2030 wird mit 1,033 Millionen Einwohnern gerechnet. Kröger: "Wir sind von unserer Prognose überzeugt, weil wir mehr Detailwissen über unsere Stadt haben."
