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Bewohner fühlen sich verdrängt

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Die Nutzer des Gewerbehofs protestieren gegen den geplanten Einzug des Theaters.

Innenstadt – Die Freude an ihrem Hoffest wollten sich die Bewohner des Selbsthilfeprojektes am Kartäuserwall 18 nicht nehmen lassen. Bewohner, Freunde und die vielen Nutzer von Übungsräumen, Ateliers und Werkstätten im Hof lauschten den Liedern von Tom Words, plauderten und genossen gemeinsam den heißen Samstag bei selbstgebrautem Altbier, Gegrilltem und Waffeln. Doch war es für sie möglicherweise das letzte Hoffest?

Fest steht: Die Gewerberäume im Hof, für viele Mieter Erwerbsquelle, müssen sie räumen. „Ich muss meinen Kollegen sagen, dass sie sich etwas Neues suchen müssen“, sagt Maria Hackenesch. Die Bildhauerin ist Mieterin der „Halle“, einem großen Raum im Erdgeschoss. Sie gibt dort Stimmbildungskurse, finanziert ihre Arbeit außerdem mit der Untervermietung an befreundete Musiklehrer, Chöre, Kursleiter – noch. Am 16. Oktober muss sie raus.

Die Mieter des Hausprojektes hatten in den vergangenen Monaten Kündigungen für die als Werkstätten, Gemeinschaftsbüros, Studios und Übungshallen genutzten Gewerberäume im Hof erhalten. Der Vermieter, der früher landeseigene Konzern LEG, erwägt, die Räume an das Theater der Keller zu vermieten, das derzeit nach einer dauerhaften Bleibe sucht, da es seinen bisherigen Spielort in der Kleingedankstraße aufgeben muss. Die Stadtverwaltung sieht keine Möglichkeit, in den Streit einzugreifen. Das geht aus einer Mitteilung des Stadtentwicklungsamtes hervor. Die Bezirksvertreter der Innenstadt hatten gefordert, dass die Stadt sich für den Erhalt des Selbsthilfeprojekts einsetzt, das dort ansässig ist. Die Bezirksvertreter der Innenstadt hatten auf Initiative der Linken eine Veränderungssperre gefordert.

Grundlage dafür hätte der Beschluss des Rates aus dem November 2016 sein sollen, eine Milieuschutzsatzung für das Severinsviertel aufzustellen. Zwar ist diese Satzung immer noch nicht fertig. Mit dem Aufstellungsbeschluss habe die Stadt aber bereits Möglichkeiten, in die Eigentumsrechte der Vermieter im Gebiet einzugreifen, so die Idee der Politiker.

Das sei grundsätzlich richtig, argumentiert das Stadtentwicklungsamt, das für die Milieuschutzsatzung zuständig ist. Stellt ein Eigentümer einen Bauantrag, könne eine Entscheidung bis zu zwölf Monate zurückgestellt werden. Davon seien auch Nutzungsänderungen betroffen. Das gelte aber nur für Wohngebäude. Und offenbar haben zudem weder die LEG noch die Theaterbetreiber bislang einen Bauantrag für die künftige Nutzung gestellt.

Die SPD-Ratsfraktion mahnt derweil den ausstehenden Satzungsentwurf an. In einer Anfrage, gestellt zur nächsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses, fragen sie nach den Gründen für die Verzögerung. Zuletzt sei die „soziale Erhaltungssatzung“, so der von der Kölner Verwaltung benutzte Begriff, für Anfang 2019 angekündigt worden. Sie liegt bis heute nicht vor. Auch auf die für Ende 2018 in Aussicht gestellten Ergebnisse der Voruntersuchung für das Severinsviertel warten die Politiker immer noch.

MEHRFACHNUTZUNG DES AREALS VERURSACHE ZU VIEL LÄRM

Der Kulturausschuss des Rates hat in der vorigen Woche ein Programm zur Förderung von Schallschutzmaßnahmen für Kultureinrichtungen verabschiedet. Von dem Budget in Höhe von jährlich 300 000 Euro will auch das Theater der Keller profitieren. Das bestätigte Ulrich Wackerhagen, Ausschussmitglied für die FDP und zugleich Vorsitzender des Vereins, der als Träger des Theaters fungiert, auf Anfrage. Ein Antrag sei gestellt. Sobald Mietvertrag und Baugenehmigung vorlägen, werde der Zuschuss bewilligt, so Wackerhagen. Maximal 100 000 Euro kann eine Einrichtung erhalten. Die Bewohner das Hausprojektes am Kartäuserwall 18 halten das Gebäude indes für nicht geeignet, um noch einem Theater Raum zu bieten. Frühere Einrichtungen hätten immer wieder Probleme mit Anwohnern verursacht, die sich durch Lärm gestört gefühlt hatten. Sie weisen in Flugblättern zudem darauf hin, dass sie durch das Theater „eine Überlastung des Areals“ fürchten, das mit dem Kunsthaus der Gemeinnützigen Werkstätten Köln, dem Alten Pfandhaus und dem deutsch-japanischen Kulturinstitut Tenri bereits Standort für drei Betriebe mit Publikumsverkehr und Lieferungen für Gastronomie und Veranstaltungstechnik ist. Die Belastung sei noch erträglich, der Einzug „eines Theaters mit 150 Sitzplätzen“ jedoch führe „zum Kippen“. (phh)

Maria Hackenesch, Mieterin eines Gewerberaums