Köln – Das wird doch nicht etwa ein Altbier sein? In einem Kölner Brauhaus? Wer das neue Bier, das bernsteinfarbene Mondhopfen der Gaffel-Brauerei, zum ersten Mal vor sich sieht, ist leicht irritiert. Ein kräftiger Schluck vom dunklen Bräu, das in einem weiten 0,4- Liter-Glas serviert wird, hinterlässt nach dem ersten Schock einen guten Eindruck: Es schmeckt überraschend süffig, hat kaum bittere Nuancen, dafür aber eine leichte Brombeernote. Auch nach mehreren Gläsern bleibe es leicht bekömmlich, versichert Gaffel-Chefbrauer Rainer Radke. „Das liegt am Galaxy-Hopfen mit seiner angenehmen Würze.“ Angebaut wird der Rohstoff, der dieser Bierkreation seine Seele verleiht, im australischen Tasmanien.
Erntezeit bei Vollmond
Die richtige Mixtur für das neue Getränk, das mit 4,2 Prozent Alkohol etwas leichter als ein klassisches Kölsch ausfällt, sei gar nicht so einfach gewesen: „15 Versuche waren schon nötig, um zur richtigen aromatischen Komposition zu gelangen.“ Den poetischen Namen verdankt das Mondhopfen übrigens keinem Werbetexter, sondern der traditionellen Erntezeit seiner Hauptzutat: Die Ernte beginnt alljährlich mit der ersten Vollmondnacht im März. In Australien ist dann Herbst.
Den Grund für das Experiment erläutert Gaffel-Marketingleiter Thomas Deloy: „Der Biermarkt ist seit Jahren rückläufig. Eine Gegenmaßnahme ist, sich breit aufzustellen.“ Das Mondhopfen-Bier solle „als klare Alternative zum Kölsch“ positioniert werden. „Solange ein Produkt zu unserem Haus passt und keine Panscherei ist, ist dies ein Schritt, den wir glaubwürdig verkaufen können.“ Und der erste Eindruck bei den Kunden? „Niemand kommt bislang zu uns nur wegen des Mondhopfens“, räumt Deloy ein, „aber viele probieren ein Glas zwischendurch.“
Noch nicht in Flaschen
Wer das neue Bier testen möchte, sollte nicht zu lange damit warten. Lediglich 300 Hektoliter wurden gebraut, und der Ausschank findet ausschließlich im Gaffel am Dom statt. Eine Flaschenproduktion ist vorerst noch nicht geplant. „Wir müssen bei dem Thema des saisonalen Biers erst einmal ein Gespür dafür entwickeln, wie es von den Kunden angenommen wird“, sagt Deloy. Ausgeschlossen sei eine offizielle Markteinführung allerdings nicht.
