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Ärger um Klärschlamm20 Laster sollen täglich die geplante Anlage in Köln-Merkenich ansteuern

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Transparente gegen den Klärschlamm  und einige Menschen sind zu sehen.

Anwohner wehrten sich wiederholt gegen die geplante Klärschlammverbrennungsanlage im Kölner Norden.

Nach einem Beschluss, soll mehr Klärschlamm per Lkw statt per Schiff zur geplanten Verbrennungsanlage geliefert werden. Die Anwohner sind nicht amüsiert.

An der geplanten Klärschlammverbrennungsanlage, die ab 2029 auf dem Areal am Rand von Merkenich in Betrieb gehen soll, ist auch die Stadt Bonn beteiligt. Doch im Mai 2025 hatte eine Entscheidung des Bonner Stadtrates für Unmut gesorgt: Anstatt den Bonner Klärschlamm per Schiff nach Merkenich transportieren zu lassen, sollen nun doch Elektro-Lkw diese Aufgabe übernehmen, denn laut einer Machbarkeitsstudie sei der Schiffstransport die deutlich teuerste Variante. Die SPD-Fraktion des Kölner Rates hatte diese Entscheidung „mit Verwunderung“ zur Kenntnis genommen und in einem Antrag den Anspruch formuliert, dass für Köln das Ziel bestehen bleibe, „den Bonner Klärschlamm ausschließlich per Schiff anzuliefern.“ Der Bonner Beschluss enthält derweil einen Passus, der die Möglichkeit der erneuten Prüfung des Schiffstransports zu einem späteren Zeitpunkt offenhält.

20 statt 15 Anlieferfahrten nach Merkenich pro Tag geplant

In der Bezirksvertretung Chorweiler hatte die CDU-Fraktion daraufhin per Anfrage nachgehakt, mit wie vielen zusätzlichen Lkw-Fahrten zum Merkenicher Standort nun konkret zu rechnen sei. Ursprünglich waren für Anlieferung und Abtransport der Asche 15 Lkw-Fahrten pro Werktag einkalkuliert gewesen, so die Antwort der Verwaltung – durch die zusätzlichen Lkw aus Bonn werde sich diese Zahl auf 20 erhöhen. Für die Anlieferung solle aber ausschließlich die Straße „Am Ölhafen“ genutzt werden, betonte die Verwaltung. Diese liegt außerhalb des Merkenicher Ortskerns.

Unter den Anwohnern gibt es dennoch einige Stimmen, die ihr Misstrauen den Versprechungen von möglichst geringfügigen Belastungen gegenüber bestätigt sehen. Der Verein Umweltfreunde Köln-Nord etwa, der aus Protesten gegen den Bau der Anlage hervorgegangen ist, sieht in der Verlagerung des Transports auf Lkw eine „erhebliche zusätzliche Belastung für den Stadtteil“, die Entscheidung lasse auf ein „unzureichendes Verständnis für die vorhandenen Vorbelastungen“ der Menschen im Kölner Norden schließen.

Bruno Klais vom Bürgerverein Merkenich, ebenfalls seit langem gegen den Bau der Verbrennungsanlage engagiert, sieht eine Salami-Taktik am Werk: „Seit dem Beschluss des Stadtrates 2021 für den Bau der Anlage werden es immer mehr Lkw-Fahrten“, meint er und befürchtet, dass dies noch nicht das Ende der Fahnenstange ist. „Auch der historische Düker unter dem Rhein wurde immer als Argument für Merkenich als Standort genannt, denn den könne man nutzen, um den Klärschlamm aus Stammheim zu transportieren. In einem Bericht des Magazins des Haus- und Grundbesitzervereins wird aber erwähnt, dass der gefährlich dicht unter der Rheinsohle liegt und bereits durch einen Ankerwurf beschädigt werden könnte“, sagt Klais. „Das hätte bereits früher eine Umweltkatastrophe auslösen können. Wenn nun Klärschlamm durch die Röhre geleitet wird, wäre ein Leck dann weniger schlimm?“