70er-Jahre-Mietshäuser in der Karl-Marx-Allee sollen abgerissen werden. Die geplanten Neubauten sollen fast doppelt so viele Wohnungen umfassen.
ChorweilerWohnblock in Köln-Seeberg soll durch Neubauten ersetzt werden

Notgesicherte Balkone, häufige Rohrbrüche, zu hoher Energieverbrauch: Die schlechte Bausubstanz der betroffenen Häuser erlaubt keine Sanierung, so die GAG.
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Eine Pressemeldung der GAG, die den Abriss und Neubau von Wohngebäuden im Kölner Norden ankündigte, hatte vor einigen Wochen für Aufregung gesorgt. Denn es war der Eindruck entstanden, die sogenannte Papageiensiedlung solle abgerissen werden. Das Anfang der 1970er Jahre entstandene Wohnquartier zwischen Riphahnstraße und Mataréweg in Seeberg, das von Gottfried Böhm entworfen worden war und das sich mit seinen markanten Balkonen und Laubenganghäusern deutlich von der Umgebung abhebt.
Doch dies erwies sich als Missverständnis; tatsächlich bezieht sich die GAG-Meldung auf ein deutlich kleiner dimensioniertes Gebäude-Ensemble an der Karl-Marx-Allee. Durch ihre einheitlich gelbe Farbgebung heben sich auch diese fünf Mietshäuser deutlich von den umliegenden Gebäuden ab – möglicherweise ein Grund für die Verwechslung.
Mehr geförderter und barrierefreier Wohnraum
Auch die Fraktion der Grünen in der Bezirksvertretung (BV) Chorweiler hatte das Gerücht aufgegriffen und im Januar besorgt einen Dringlichkeitsantrag gestellt, in dem sie etwa gefordert hatte, den betroffenen Mietern der Papageiensiedlung Ersatzwohnraum in der näheren Umgebung zur Verfügung zu stellen. Auch wenn sich das Missverständnis in der Zwischenzeit aufgeklärt hatte, hatte mit Jörn Rickmann ein GAG-Vertreter die jüngste Sitzung der BV besucht, um das Projekt näher zu erläutern.
Anstelle der 34 Wohneinheiten in den nicht mehr zeitgemäßen und von zahlreichen Mängeln gezeichneten 70er-Bauten solle ein modernes Ensemble mit 62 öffentlich geförderten Wohneinheiten entstehen, führte Rickmann aus. „Wir schaffen an dieser Stelle 28 neue Wohneinheiten, insgesamt 38 Prozent mehr Wohnfläche“, sagte er. Die geplanten Gebäude sollen modernen Energiestandards genügen, die Wohnungen barrierefrei sein. Die Wärmeerzeugung soll künftig per Fernwärme oder Wärmepumpe erfolgen, die Flachdächer sollen mit Fotovoltaik und Begrünung ausgestattet werden. Auch eine Tiefgarage mit 20 Plätzen sei geplant.
Mit den Mietern sei man im ständigen Gespräch und bemüht, allen Ersatzwohnraum im eigenen Bestand anbieten zu können. Rickmann zeigte sich optimistisch, dass der Zeitplan des Projekts eingehalten werden könne: Nach diesem soll der Abriss 2028 beginnen, die Bauzeit etwa zwei Jahre betragen. „2030 wird der neue Wohnraum dem Markt dann zur Verfügung stehen“, so Rickmann.
Durch die Bank begrüßten die Bezirksvertreter die Pläne der GAG, wiesen jedoch auch auf die speziellen Bedürfnisse der Bewohner der Häuser hin, die durch verwandtschaftliche Beziehungen und soziale Bande eine enge Gemeinschaft bilden würden. „Die Menschen sind unheimlich in ihrer Nachbarschaft verwurzelt, die kann man nicht einfach nach Dellbrück oder Meschenich verpflanzen“, sagte etwa Lilo Heinrich, Vertreterin von Die Linke. Rickmann versprach, dies zu berücksichtigen, dämpfte jedoch auch die Erwartungen: „Es wird natürlich nicht machbar sein, allen Großfamilien eine gemeinsame Alternative bieten zu können“, sagt er.
