Der Kölner Schauspieler Damian Hardung spielt im neuen Kinofilm „Corpus Delicti“ (ab 1. Oktober). Er spricht über seine Rolle, die Coronazeit und sein Medizinstudium in Köln.
Kölner Schauspieler Damian Hardung„Im Krankenhaus erkannt zu werden, ist hilfreich“

Schauspieler Damian Hardung ist ab dem 1. Oktober im neuen Kinofilm „Corpus Delicti“, der Romanverfilmung von Juli Zeh, gemeinsam mit Hannah Herzsprung in der Hauptrolle zu sehen.
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Herr Hardung, Sie haben die Rolle des Moritz Holl vor einigen Jahren auch in einer Kölner Theateradaption von Corpus Delicti gespielt. War es hilfreich für Ihre Rolle im neuen Kinofilm?
Ja, denn häufig ist es so, dass ich nach Drehtag 20 nochmal ganz anders verstehe, wer die Rolle ist. Daher war es toll, in die Drehbuchentwicklung mit unserer Regisseurin Lena Stahl zu gehen und von vorneherein genau das Gefühl für diese Rolle zu haben.
Der Charakter war derselbe, aber ihn im Theater oder im Film zu verkörpern, unterscheidet sich bestimmt. Wie haben Sie das empfunden?
Ich glaube, jedes Medium ist immer zwangsläufig anders und beeinflusst dadurch auch die Message. Allein die Sprache verändert sich sehr. Im Theaterstück gab es viele Rückblenden und große Text-Klopper, Ausschweifungen und Fantasien von Moritz, die wirklich interessant sind, weil sie ihn definieren. Aber gleichzeitig war es eben sehr textlastig. Beim Kino hat man die Möglichkeit, auf einer Leinwand mit einem Close-Up der Kamera, zum Beispiel mehr über die Augen zu machen. Es war auch das einzige Mal, dass ich Theater gespielt habe, und ich hatte danach nicht das Gefühl, ich muss es jetzt unbedingt weiter machen.

Damian Hardung spielt im Film Corpus Delicti neben Hannah Herzsprung die Rolle des Moritz Holl.
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Damian Hardung über die Dreharbeiten von Corpus Delicti
Ihre Rolle Moritz Holl akzeptiert den autoritären Gesundheitsstaat nicht. In einem Interview mit dieser Redaktion beschrieben Sie ihn als systemkritisch, aber nicht als Querdenker, weil er bei den Fakten bleibt. Sie haben ihn als „Lebemenschen“ bezeichnet, was ja positiv konnotiert ist. Wo würden Sie sich von ihm abgrenzen wollen?
An dem Punkt, den seine Schwester Mia aufbringt, wenn sie sagt: „Deine Freiheit basiert auf dem Fundament von anderen“. Moritz legt Freiheit als reines Entledigen von Verantwortung aus. Aber das ist eine sehr kurz gedachte Freiheit, weil es eine Unterscheidung zwischen negativer und positiver Freiheit beinhaltet: Also die Freiheit von, aber nicht die Freiheit zu. Die Freiheit von kann ich individuell erreichen. Natürlich kann ich als Individuum versuchen, mich einfach von allen Zwängen zu befreien. Dann bin ich aber allein in einer weiten Welt. Die „Freiheit zu“ können wir nur kollektiv erreichen, weil wir soziale Wesen sind. Also ein bisschen mehr dieser Fokus auf die Freiheit, zusammen etwas zu schaffen, würde ihm guttun.
Wie waren die Dreharbeiten und die Zusammenarbeit mit Schauspielerin Hannah Herzsprung, die die Biologin Mia Holl spielt?
Die Dreharbeiten fanden in Prag und Umgebung statt und wir waren ein total internationales Team. Mit Hannah war es super, sie ist eine unglaublich sensible und tolle Kollegin, bei der man keine Angst haben muss, sich fallen zu lassen. Das war sehr wichtig, denn bei aller politischen Dimension des Inhalts, ist es auch eine Geschichte über zwei Geschwister, die sich lieben und die füreinander und für die Wahrheit des anderen kämpfen, also etwas zutiefst Menschliches.
Der Film spielt in einer Art Phantomstadt, alles ist gläsern, steril, reduziert. Wie haben Sie diese Optik wahrgenommen?
Ich finde, der Film sieht grandios aus und die dystopischen Bilder, die geschaffen werden, kennt man aus dem deutschen Kino so nicht. Wenn der Lebemensch Moritz plötzlich in eine Gefängniszelle gesteckt wird, die so minimalistisch, karg und grau ist, wirkt das noch bedrückender. Alles, was in ihm ist, sein inneres Kind, schreit umso lauter. Eingeschlossen und hinter Plexiglas kommt die Widerwärtigkeit gegen das System noch einmal stärker hoch.
Das erste Mal Moritz Holl waren Sie auf der Theaterbühne während der Pandemie, wodurch der Stoff, zusätzliche Brisanz erhielt. Corona ist jetzt lange vorbei. Wie blicken Sie auf diese Zeit der Einschränkungen zurück?
Viele von den Dingen, die damals vielleicht ihre Berechtigung hatten, kommen mir heute absurd vor. Die Vorstellung, dass man sagen konnte: ‚Wir wohnen alle in einer WG zusammen‘, weil man sich während des Kontaktverbots zu viert getroffen hat. Oder dass man, um sich zu treffen, vorher immer noch einen Test machen musste. Zu diesem Zeitpunkt war das richtig, aber es ist für mich heute unvorstellbar, dass man einen QR-Code hat, der 24 Stunden oder beim PCR-Test 48 Stunden gültig ist. Es ist schon lustig, wie schnell man solche Sachen auch wieder verdrängt.
Diese Corona-Maßnahme ging Damian Hardung zu weit
Welche Maßnahme ging Ihnen damals zu weit?
Als es in Köln irgendwann Ausgangssperren gab. Das war der Moment, in dem sie mich verloren haben – und Moritz hätte auch so empfunden. Das war ein dermaßen großer Einschnitt in die Bewegungsfreiheit, der meiner Meinung nach nicht direkt dadurch begründet gewesen wäre, dass wir damit Sicherheit gewinnen. Es wurde unterbunden, dass ich ab einer gewissen Uhrzeit jemanden auf zwei Meter Abstand auf einer Parkbank treffe – für mich als Verbot verwerflich. Da habe ich innerlich rebelliert.
Der Roman von Juli Zeh ist lange vor der Corona-Pandemie erschienen, im Jahr 2009. Einen Gesundheitstrend und das permanente Aufzeichnen von Daten sind auch heute schon real. Sehen Sie eine Gefahr, dass das auch ins Autoritäre kippen kann, wie von Zeh beschrieben?
Ein wichtiger Punkt des Films ist, dass diese staatliche Methode jetzt eine definitive Antwort auf diese Frage geben könnte. Die würde genau vorschreiben, was man zu glauben hat. Aber die Methode, und das wird im Film auch gesagt, funktioniert, weil genug Menschen ihr folgen und in ihrem Sinne handeln. Deswegen ist der Film eine Möglichkeit der Analyse und des Gesprächs darüber, wie wir denn leben wollen und welche Werte uns wichtig sind, weil nicht nur die Gesundheit totalitär im Vordergrund stehen darf. Oder ein anderer Wert, den wir an erste Stelle setzen, wie Sicherheit oder sonst etwas. Es ist immer ein Abwägen in einem Raum des Zweifelns. Der Film ist also mehr ein Gesprächsangebot, als dass er klar etwas vorgeben würde. Das würde ich mir auch gar nicht anmaßen.
Nun zu der anderen Rolle, in der Sie aktuell zu sehen sind: der des Millionärserben James Beaufort in der Teenie-Serie „Maxton Hall“ auf Amazon, mit der Sie endgültig den globalen Durchbruch erlebt haben. Was hat sich nach dieser Serie für Sie verändert?
Ich bin erstmal dankbar für die Erfahrung, wie verbindend Filme und Serien sein können. Es ist schön, Grenzen verschwinden zu sehen, wenn ich nach Thailand, Brasilien und Marokko fliege, an Orte, wo ich vorher noch nie war, und die Leute kennen nicht nur mich, sondern verbinden ihre persönlichen Emotionen mit der Geschichte. Mit ihren projizierten Träumen können wir einen gemeinsamen Traum erschaffen und ich glaube, dass viele von uns sich nach Verbindung sehnen. Und wenn Serien das schaffen können, ist das ein Geschenk. Ich freue mich über jede Resonanzerfahrung durch Gespräche mit Menschen, ob aus Krisengebieten, wo Leute einfach eine eskapistische Ablenkung suchen, oder an Orten, wo jemand gerade vielleicht durch eine Scheidung geht oder auch einfach eine erste Liebe hat.
Damian Hardung, der Medizin-Student aus Köln
Sie kommen aus Köln und sind hier an der Uni eingeschrieben. Ihr Schauspielkalender ist voll. Studieren Sie denn überhaupt noch?
Ich brauche definitiv länger für das Studium. Meine Freunde, mit denen ich angefangen habe, sind mittlerweile alle fertig. Aber ich habe letztes Jahr in Köln mein zweites Staatsexamen geschrieben und ich habe tatsächlich auch die letzten vier Monate in Köln-Porz im Krankenhaus gearbeitet. Von ganz tollen Kollegen durfte ich sehr viel lernen. Ich kann jedem zukünftigen PJler, der Lust auf Innere Medizin hat, nur empfehlen, nach Porz zu gehen.
Wurden Sie dort als der Schauspieler Damian Hardung erkannt?
Das kam schon vor, ja. Aber es ist immer ein schöner Moment, weil die Arzt-Patienten-Beziehung eine besondere und meistens sehr vulnerable ist. Dann direkt so eine Vertrautheit zu verspüren, die von Patienten vermittelt wird, weil sie eine Idee von dir haben: Das ist in den meisten Fällen eher hilfreich. Wenn ich jemandem ein Lächeln ins Gesicht zaubern konnte, habe ich das als Riesenprivileg empfunden.
Zur Person: Damian Hardung ist 28 Jahre alt und in Köln geboren. Er gehört zu den bekanntesten Schauspielern seiner Generation. Einem breiten Publikum wurde er als Jonas Neumann in der Serie „Club der roten Bänder“ bekannt. Es folgten unter anderem „How to Sell Drugs Online (Fast)“ und der internationale Erfolg „Maxton Hall“. Neben der Schauspielerei führte ihn sein Weg auch ins Medizinstudium an der Universität zu Köln. In der Verfilmung von Juli Zehs „Corpus Delicti“ spielt Hardung Moritz Holl, dessen Mordanklage das Leben seiner Schwester Mia erschüttert.
Zum Film: In einer nahen Zukunft ordnet die „Methode“ das Leben der Menschen dem Ziel maximaler Gesundheit unter. Als Moritz Holl (Damian Hardung) des Mordes angeklagt wird, beginnt seine Schwester Mia (Hannah Herzsprung), das scheinbar perfekte System infrage zu stellen. Ihr Kampf um die Wahrheit bringt sie in Konflikt mit den Machthabern.
