Ehrenfeld – Wer über die Venloer Straße schlendert, dem fällt sie im ersten Moment gar nicht besonders auf. Unscheinbar kommt der Eingang der Wäschetruhe Auweiler daher. Dabei ist es eines der letzten Traditionsgeschäfte an der Venloer Straße. Zwischen Deichmann und einem Waffenladen führt ein Gang mit großen Schaufenstern zur vom Bürgersteig zurückgesetzten Tür des alteingesessenen Modegeschäfts. Diese geben einen Vorgeschmack auf die Auswahl, die einen im Inneren erwartet. Von BHs über Strumpfhosen bis hin zu raffinierter Reizwäsche – die Auswahl an Miederwaren, wie man früher sagte, ist kaum zu überblicken.
Das Wäschegeschäft, das auch Größen bis Körbchengröße K anbietet, ist schon lange fester Bestandteil der Einkaufsstraße in Ehrenfeld. Inhaberin Dagmar Auweiler hat den Laden, der früher noch „Jennys Wäschetruhe“ hieß, Anfang 1989 übernommen – mit gerade einmal 23 Jahren. Zuvor studierte die gebürtige Kölnerin Rechtswissenschaften und jobbte im nahe gelegenen 4711-Haus, um eines ihrer liebsten Hobbys finanzieren zu können: die Dessousmode. Einen Steinwurf von ihrem Studentenjob entfernt wurde sie auf das Spezialgeschäft mit Dessous- und Wäschemode für Randgrößen aufmerksam – und mauserte sich dort schnell zur Stammkundin.
„Die damalige Inhaberin bemerkte mein großes Interesse an den Waren – und auch meinen Spaß an der Beratung“, erinnert sich Auweiler. „Schon als Kundin habe ich andere Gäste beraten.“ Auch die Chemie zwischen Auweiler und der vorherigen Inhaberin Jenny Rügen stimmte – trotz 20 Jahren Altersunterschieds. „Nach einigen Besuchen fragte sie mich dann, ob ich dort nicht als Studentin aushelfen wolle.“ Also beriet Auweiler die Kundinnen künftig in beruflicher Mission. Dabei war nicht nur ihr fachliches Können gefragt.
Auch andere Qualitäten waren von Beginn an wichtig: „Es gab auch Tage, da war ich mehr Psychotherapeutin als Verkäuferin“, so Auweiler. „Denn für unsere Kundinnen haben wir immer ein offenes Ohr. In zwei Stunden, die so eine Beratung gerne mal dauert, schütten einem manche Kundinnen ihr ganzes Herz aus.“
Dieses Vertrauen freue die Unternehmerin zwar einerseits, allerdings belaste es auch, wenn man solche Geschichten mit in den Feierabend nehme.
Bei den anfänglichen zehn Stunden pro Woche blieb es nicht lange. Aus privaten Gründen bot die frühere Inhaberin der Studentin Auweiler die Übernahme des Geschäfts an – sie gab sich einen Ruck und tauschte das Studium gegen die Wäschetruhe. „Das war damals alles eine große Herausforderung mit vielen Veränderungen“, sagt sie. „Aber es war mir wichtig, diesen Schritt zu gehen. Ich liebe Herausforderungen einfach, da kann ich nicht widerstehen.“
Das hat sich bei der 53-Jährigen auch bis heute nicht geändert. Doch seit drei Jahren sind die Herausforderungen für sie zu groß geworden. „Damals verstarb ganz plötzlich meine enge und wahnsinnig engagierte Mitarbeiterin Gabriele Worringen, die den Laden zwölf Jahre lang täglich mit mir geschmissen hat“, erzählt Auweiler.
„Viele Kundinnen hielten sie damals für die Chefin und nicht mich, so selbstverständlich hatte sie das Geschäft im Griff.“ Seitdem muss die Inhaberin unter der Woche von morgens bis abends für die Kundinnen da sein, denn die Suche nach einem passenden Ersatz für Worringen blieb erfolglos. „Das ist auch der Grund, aus dem nun Ende Juni endgültig Schluss sein wird“, sagt sie. „Dieser Belastung bin ich auf Dauer einfach nicht mehr gewachsen.“
Bereits zum dritten Mal hat Auweiler die Schließung verschoben. So recht möchte sie sich mit dem frühzeitigen Ruhestand nicht abfinden: „Vielleicht sagen meine beiden Söhne und mein Mann nach zwei Monaten, dass ich wieder arbeiten soll, wenn ich dann immer zu Hause bin“, erklärt sie mit einem Lachen.
Auch mit dem Gedanken, als Beraterin auf Messen oder in anderen Wäschehäusern zu arbeiten, spielt sie. Das Schicksal der Wäschetruhe ist zwar besiegelt, doch die Lust auf neue Herausforderungen hat die modebegeisterte Beraterin noch lange nicht verlassen.
Dagmar Auweiler, Inhaberin der Wäschetruhe Auweiler
